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17.01.2010

10:00 Uhr

Großproduktionen

„Hindenburg“ poliert RTL-Image

VonHans-Peter Siebenhaar

Die zehn Millionen Euro teure Verfilmung der Zeppelin-Katastrophe soll Deutschlands größtem Privatsender wieder Glanz im Programm verleihen. Mit großen Aufwand wird der TV-Film produziert. Die Großproduktion soll den Ruf der Marke fördern – skandalträchtige Formate wie „Deutschland sucht den Superstar“ sind reiner Quotenbringer.

Spielt den Kapitän der Hindenburg: Ulricht Noethen. (Quelle: RTL) RTL / Erik Lee Steingroever

Spielt den Kapitän der Hindenburg: Ulricht Noethen. (Quelle: RTL)

KÖLN. Tische und Stühle wirbeln durch die Luft. Gläser und Teller zerschmettern an der Aluminium-Reling. Passagiere klammern sich aneinander. Schreie der Hilflosigkeit füllen die Kabine. Die letzten Minuten beim Absturz der „Hindenburg“ am 6. Mai 1937 in Lakehurst sind dramatisch. Der Zeppelin geht auf dem Flugplatz im US-Bundesstaat New York in Flammen auf. Ein Drittel der knapp 100 Passagiere verbrennt in den gewaltigen Flammen oder wird von den Konstruktionsteilen des Luftschiffes erschlagen.

Das Ende der „Hindenburg“ – eine der größten Katastrophen in der Luftfahrtgeschichte – wird im Auftrag von RTL als Zweiteiler verfilmt. 10,5 Millionen Euro kosten die 180 Minuten Fernsehen Deutschlands größten Privatsender, der den Streifen mit dem österreichischen Rundfunk ORF und den Münchner Medienunternehmer Jan Mojto (Eos Entertainment) produziert.

Im Frühjahr 2011 ist die Erstausstrahlung auf RTL geplant. Zudem hat sich der Kölner Sender die Rechte für Video-on-Demand (Filmabrufportale) gesichert.

Aufwändige Produktion: ein Produktionstag für eine Sendeminute

Im Studio 53 im trostlosen Kölner Stadtteil Ossendorf herrscht große Anspannung. In Europas höchstem Filmstudio mit einer Höhe von 23 Metern haben die Handwerker ein haushohes Gerüst errichtet, an dem die Gondel der „Hindenburg“ aufgehängt ist. Mit einer gewaltigen Hydraulik wird der Nachbau des Luftschiffs im 2 000 Quadratmeter großen Studio in extreme Schräglage gebracht.

Katrin Goetter, die junge Produzentin von Teamworx, blickt angespannt unterhalb der gigantischen Gondel auf den Fernsehmonitor. Im Studio ist es mucksmäuschenstill. Gerade werden die Schlüsselszenen gedreht – die letzten Sekunden, bevor die Titanic der Lüfte auseinander bricht. Das Filmgeschäft ist mühsam und langwierig. „Manche Einstellungen sind so aufwändig, dass wir teilweise pro Tag nur eine Minute produzieren“, sagt Goetter.

Ihr Arbeitgeber, der Filmproduzent Teamworx versteht sein Geschäft. Die Firma, wie RTL eine Bertelsmann-Tochter, hat bereits den Zweiteiler „Sturmflut“, das Katastrophendrama „Der Vulkan“ und den Dreiteiler „Die Patin“ für RTL gedreht. Die „Hindenburg“ aber schlägt nun in Sachen Aufwand alle Rekorde.

Kommentare (1)

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Achim Klinkmann

18.01.2010, 16:47 Uhr

Als damaliger Zeitzeuge war ich gerade 9 Jahre alt und habe diese Luftschiffkatastrophe über Kurzwelle am Radio vefolgt. Der Absturz von LZ-129 Hindenburg kurz vor der Landung bei Lakehurst südlich von New York wurde von den anwesenden Reportern und Rundfunkmoderatoren erschütternd kommentiert. Aus nicht geklärten Gründen fing die "Hindenburg" Feuer.

Der Wasserstoff aber, von dem das Luftschiff getragen wurde, ist hochgradig brennbar. Das unbrennbare Helium, für das die Amerikaner das Monopol hatten, stand für das Luftschiff nicht zur Verfügung, da die Vereinigten Staaten es mit einem Ausfuhr-Embargo belegt hatten. Die Hakenkreuze, die als Symbol des Dritten Reiches an den Heckflossen der "Hindenburg" prangten, waren bei dem Überflug über New York der USA ebenfalls ein Dorn im Auge. Die Ursache der Katastrophe wurde daher nie aufgeklärt. Hoffentlich gibt die Verfilmung dieser größten Zeppelin-Katastrohe eine Aufklärung.

A.K.

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