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11.11.2011

11:10 Uhr

Günstige Produkte

Bang & Olufsen erfindet sich neu

VonHelmut Steuer, Joachim Hofer

ExklusivDer dänische Hersteller von Audio- und Videoanlagen, Bang & Olufsen (B&O), wird künftig neben Premiumprodukten auch auf etwas günstigere Geräte setzen. Dabei hat B&O sich einen bekannten Partner ins Boot geholt.

Sound, der gut aussieht: So will Bang & Olufsen punkten. Pressefoto

Sound, der gut aussieht: So will Bang & Olufsen punkten.

KopenhangenEs ist ein Geschäft, das auch eine Luxusmarke wie Bang & Olufsen nicht alle Tage macht. Für 350.000 Euro habe sich jüngst ein Kunde sein neues Haus mit Lautsprechern, Fernsehern und allerlei Accessoires des dänischen Hi-Fi-Herstellers ausstatten lassen, erzählt Vorstandschef Tue Mantoni. Natürlich sei der Käufer in seinen eigenen vier Wänden umfassend beraten worden.

Die meisten Käufer der edlen Geräte geben zwar deutlich weniger aus. Im Schnitt sind es etwa 15.000 Euro für eine Kombination aus TV-Apparat, Lautsprecher und Stereoanlage. "Doch immer öfter schließen wir den Vertrag bei den Kunden zu Hause ab", sagt Mantoni. Und das aus gutem Grund.

Die Erfolgsgeschichte von Bang & Olufsen

Gründung

Im Jahr 1925 gründen die Dänen Peter Bang und Svend Olufsen den Unterhaltungselektronikhersteller Bang & Olufsen. Mitten im Nirgendwo, 300 Kilometer nördlich von Kopenhagen begannen sie die Arbeit auf dem Dachboden der Familie Olufsen.

Das erste Produkt

Mit den heutigen Hi-Fi-High-Tech Produkten hatte das erste Gerät aus dem Hause B&O nichts zu tun. Der „Eliminator“ ermöglichte es lediglich, die damals batteriebetriebenen Radiogeräte am normalen Stromnetz zu betreiben. Er eliminierte die Batterie. Aber er sollte der Anfang sein für eine Reihe gleichzeitig nützlicher wie hochwertiger Produkte, die später zudem durch ihr Design bestechen würden.

Die erste Fabrik

1927 baute B&O ein neues Fabrikgebäude in Struer, um die Radioproduktion zu starten. Ein Teil der Investition wurde von den Vätern der Gründer finanziert – die darauf bestanden, dass das Gebäude im Falle eines Scheiterns auch in eine Schule umgewandelt werden könnte. Man wisse ja nicht, ob sich die Erfindung des Radio durchsetzen würde.

Der erste Erfolg

Im Jahr 1929 sollte Bang & Olufsen zum ersten Mal gelingen, was ihren Erfolg über die nächsten Dekaden sicherte: Die Kombination von schönem Design und guter Technik. Inspiriert von dänischem Möbeldesign steckten sie das „Five Lamper“ getaufte Radio in ein Gehäuse aus Walnussholz. Zu einer Zeit in der die meisten Radios grobe Klötze waren, hob sich B&O durch schlanke Designs von der Masse ab.

Innovation

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 1938 schaffte es das Radio „Beolit 39“ auf den Markt. Es war das erste Radio das komplett aus dem leichten Kunststoffe Bakelit gefertigt wurde. Durch das neue Material konnten rundere Formen verwirklicht werden. Ein erstes Anzeichen für das berühmte Bang & Olufsen-Design, gestaltet von den Chefs persönlich

Mehr Design

Mitte der 1950er Jahre versuchte sich B&O auch durch ausgefallenere Optik von den Mitbewerbern abzusetzen. International bekannte Industriedesigner wurden engagiert, der große Kreativpool der dänischen Designindustrie angezapft.

Premium-Hersteller

Heute ist Bang & Olufsen ein Premium-Hersteller, der seine Produkte nicht nur selbst in exklusiven Markenshops vertreibt, sondern auch in Oberklasse-Limousinen verbauen lässt. So setzen beispielsweise Audis A8 sowie der Mercedes-Tuner AMG auf die dänischen Akustikprodukte.

Sensorische Einzigartigkeit

Wie viel Arbeit B&O in seine Produkte steckt wird an einem Beispiel deutlich: Als das Festnetztelefon BeoCom 2 im Jahr 1993 entwickelt wurde, wurde der Komponist Kenneth Knudsen beauftragt einen einzigartigen Ton für das Telefon zu entwickeln. Um diesen akustischen Fingerabdruck für Bang & Olufsen zu erschaffen, kombinierte der Künstler das Geräusch fallender Aluminiumrohre mit Noten. „Wir nennen es Klingelmelodie statt Ton, da es weit mehr Elemente enthält als nur eine Note“, so Knudsen. Durch die raffinierte Nutzung dieses bestehenden sensorischen Berührungspunkts wurde zusätzliches Markenkapital geschaffen und die Welt um einen weiteren Aspekt der Marke Bang & Olufsen bereichert, schreibt Marketing-Experte Martin Lindstrom in seinem Buch „Brand Sense“.

Das Geheimnis der Haptik

Ein Erfolgsrezept von B&O ist, dass sie ihre Produkte von Anfang bis Ende durchstylen. Dazu gehört dann nicht nur der Klang und das Aussehen. Auch an den Tastsinn wird appelliert, wie der Marketing-Experte Martin Lindstrom in seinem Buch „Brand Sense“ feststellt.

Unverwechselbare Universalfernbedienung

Eine andere Erfindung, die Lindstrom als wegweisend bezeichnet ist die Universalfernbedienung. Eingeführt im Jahr 1985, sei sie immer noch ein Requisit, das Qualität ausstrahlt und unverwechselbar, trotz einer Flut an Konkurrenzprodukten. Sie sei schwer und solide. „Dieses Gefühl der Schwere vermittelt jeder Artikel der Bang & Olufsen-Produktlinie“, so Lindstrom. Und gerade das sei in der Unterhaltungselektronik ein wichtiges Qualitätsmerkmal, genau wie beispielsweise das Surren der Präzisionsmotoren in den Geräten oder die Schließmechanismen von CD-Spielern.

Wer so viel Geld für Unterhaltungselektronik ausgebe, so Mantoni, "der will das gerade in diesen wirtschaftlich turbulenten Zeiten eher diskret tun". Zudem würden die Projekte immer aufwendiger, weil die Kundschaft oft gleich das ganze Apartment oder die Villa vernetzen lässt und auch die Alarmanlage oder den Sonnenschutz über die Fernsteuerung von B&O bedienen will.

Der Däne mit den italienischen Wurzeln führt die Nobelmarke erst seit einem halben Jahr. Doch seitdem hat der ehemalige Unternehmensberater keinen Stein auf dem anderen gelassen. Dass die Verkäufer die Kunden jetzt regelmäßig zu Hause besuchen, ist nur ein Teil seiner Offensive.

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