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17.01.2010

14:24 Uhr

Hacker-Angriffe

Google dementiert Rückzug aus China

Google ist nicht gerade begeistert über Hacker-Angriffe aus China. Doch die Berichte, nach denen das Unternehmen den Rückzug aus dem Reich der Mitte bereits beschlossen haben soll, stimmen angeblich nicht. Ein Entscheidung darüber sei noch nicht gefällt worden, teilte Google mit. Derweil ist ein anderer US-Internetkonzern offenbar auch von Hacker-Attacken betroffen.

Googles China-Zentrale in Peking. Quelle: ap

Googles China-Zentrale in Peking.

HB SCHANGHAI. Der Internetkonzern Google hat nach eigenen Angaben noch keine Entscheidung über einen Rückzug aus China getroffen. Entsprechende Berichte seien falsch, sagte eine Sprecherin des Suchmaschinenbetreibers am Wochenende.

Chinesische Blogs und Medien hatten zuvor unter Berufung auf ungenannte Quellen berichtet, das Unternehmen habe bereits entschieden, sein Suchportal google.cn einzustellen und seine Büros in dem kommunistischen Land zu schließen. Die Sprecherin des Internetkonzerns kündigte jedoch an, Google werde in den kommenden Wochen das Gespräch mit der Regierung in Peking suchen. Berichte, wonach Angestellte in bezahlten Urlaub geschickt wurden, wies sie ebenfalls zurück. Auch sei ihr nicht bekannt, dass chinesischen Mitarbeitern der Zugang zu Codes verwehrt worden sei, wie einige Blogger berichtet hatten. "Alles geht seinen gewohnten Gang", betonte die Sprecherin. Das Unternehmen prüfe nach den Hacker-Angriffen von Mitte Dezember jedoch weiterhin seine internen Netzwerke.

Der weltweit größte Suchmaschinenbetreiber hatte nach massiven Hacker-Angriffen aus China auf seine Computersysteme mit einem Rückzug aus dem größten Internet-Markt der Welt gedroht und angekündigt, die Inhalte auf seiner Internetseite google.cn künftig nicht mehr filtern zu wollen. Die Regierung in Peking bemühte sich daraufhin, den Disput herunterzuspielen, pochte jedoch auf die Einhaltung der chinesischen Gesetze. Die US-Regierung will in den kommenden Tagen auf diplomatischem Weg offiziell eine Erklärung von der chinesischen Regierung zu den Cyber-Attacken verlangen.

Auf der Internetseite google.cn wurden die meisten Inhalte am Wochenende weiterhin gefiltert. Die Kontrollen über einige Suchen, etwa die nach Informationen über die gewaltsame Niederschlagung der Studentenproteste 1989, schienen jedoch gelockert worden zu sein. Beim Start der Internetseite 2006 hatte Google erklärt, die chinesische Bevölkerung werde von dem Suchportal profitieren, da sie trotz der Zensur Zugang zu neuen Informationen gewinne.

Unterdessen wurde am Wochenende bekannt, dass offenbar auch der Internetkonzern Yahoo von den Hacker-Angriffen betroffen ist.

Das Unternehmen habe bereits vor einem entsprechenden Hinweis Googles von den Attacken auf die Systeme von US-Firmen gewusst, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Im Gegensatz zu dem größeren Konkurrenten habe Yahoo sich jedoch entschieden, nicht damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Es war zunächst unklar, ob bei Yahoo ebenfalls E-Mail-Konten geknackt werden sollten und ob die Attacken erfolgreich waren. Google hat erklärt, Hauptziel der Angriffe seien E-Mail-Konten von Menschenrechtsaktivisten gewesen.

Google geht davon aus, dass mindestens 20 große Unternehmen unter anderem über eine Sicherheitslücke im Internet Explorer von Microsoft attackiert wurden. Seit Google die Angriffe am Dienstag publik gemacht hat, haben lediglich Adobe Systems, Juniper Networks und Rackspace Hosting eingeräumt, ebenfalls Opfer von Hacker-Angriffen gewesen zu sein. Die Mehrheit der betroffenen Unternehmen hat sich dagegen entschieden zu schweigen. Experten zufolge fürchten die Konzerne, dass mit dem Gang an die Öffentlichkeit technische Schwachstellen bekanntwerden. Zudem wollen sie ihre Chancen auf dem riesigen chinesischen Markt nicht durch Konflikte mit der Regierung gefährden.

Für Yahoo ist der Schutz persönlicher Kundendaten ein besonders heikles Thema. 2007 hatte der Konzern Mails, Internetadressen und Daten über Internetaktivitäten von mutmaßlichen Dissidenten an die chinesischen Behörden übergeben und damit Menschenrechtsaktivisten weltweit gegen sich aufgebracht. In Klagen inhaftierter Regimekritiker wurde Yahoo vorgeworfen, finanziell von der Zusammenarbeit mit den Behörden profitiert zu haben. Yahoo legte die Rechtsstreitigkeiten schließlich durch Vergleiche bei.

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