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14.11.2012

13:56 Uhr

Halbleiterhersteller

Infineon setzt Kurzarbeit ein

Wegen der weltwirtschaftlichen Unsicherheiten bricht der Gewinn von Infineon ein. Der Konzern reagiert und setzt Kurzarbeit ein. Doch damit nicht genug: Um weiter zu sparen, wird die Zahl der Arbeitsplätze eingefroren.

Infineon setzrt Kurzarbeit ein. dpa

Infineon setzrt Kurzarbeit ein.

NeubibergDer Halbleiterkonzern Infineon erwartet nach einem Gewinneinbruch noch härtere Zeiten und hat 1100 Mitarbeiter für ein halbes Jahr in Kurzarbeit geschickt. Der neue Vorstandschef Reinhard Ploss sagte am Mittwoch: „Wo wir sparen können, sparen wir jetzt.“ Einen Stellenabbau aber schloss er aus. Die Investitionsgüter-Industrie bestelle zwar viel weniger Chips, aber die Nachfrage aus der Autoindustrie sei noch halbwegs stabil.

In dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/12 sank der Umsatz leicht von 4,0 auf 3,9 Milliarden Euro. Aber der Gewinn fiel wegen hoher Investitionen von 1,1 Milliarden auf nur noch 427 Millionen Euro. Und der Ausblick ist trübe: „Der konjunkturelle Gegenwind wird stärker. Und wir sehen nicht, dass er sich schnell drehen wird“, sagte Ploss. Deshalb tritt er jetzt auf die Kostenbremse.

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Im nordrhein-westfälischen Warstein, wo Infineon Chips für Siemens-Windräder und Lokomotiven fertigt, sind rund 1100 Mitarbeiter bis Ende März in Kurzarbeit geschickt worden. Das Werk Dresden dagegen, wo Chips für Autos gefertigt werden, sei noch relativ gut ausgelastet. „Kurzarbeit in Dresden steht gar nicht zur Debatte.“ sagte Ploss. „Wir bauen Urlaubstage und Überstunden ab und lassen, wo erforderlich und sinnvoll, Leiharbeitsverträge auslaufen“, erklärte er. Bei geringer Auslastung “schalten wir auch Anlagen ab“. Außertarifliche Gehaltserhöhungen würden um ein halbes Jahr verschoben. Forschungs- und Entwicklungsprojekte würden auf Eis gelegt und die Investitionen von 890 auf 400 Millionen Euro heruntergefahren, kündigte der Konzernchef an.

Infineon hat die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland gerade erst auf 8400 erhöht, weltweit stieg sie auf 26 700 Beschäftigte. „Den Personalstand halten wir“, betonte Ploss. Der nächste Aufschwung werde irgendwann kommen, und “dann können wir sehr schnell wieder hochfahren“. Der langjährige Technikchef hatte den Vorstandsvorsitz erst im Oktober von dem erkrankten Peter Bauer übernommen, der den Konzern seit 2008 aus den roten Zahlen geholt und saniert hatte.

Vom Konjunkturabschwung kann sich der Auto- und Industriezulieferer aber nicht abkoppeln - auch Konkurrenten wie Intel und Texas Instruments spüren die schrumpfende Nachfrage. Vor allem „die Industrie hat einen großen Durchhänger“, sagte Ploss. „Das Geschäftsklima für Infineon wird rauer.“

Im laufenden Quartal erwartet er einen Umsatzrückgang von mindestens zehn Prozent und eine Halbierung der Gewinnmarge. Erst ab April dürfte es besser werden. Für das Geschäftsjahr 2013 insgesamt stellte Ploss einen Umsatzrückgang auf eine Größenordnung von 3,6 Milliarden Euro sowie eine Halbierung des Betriebsergebnisses auf annähernd 250 Millionen Euro in Aussicht.

Den Aktionären will Infineon im Februar aber eine unveränderte Dividende von 12 Cent zahlen. Der Börsenkurs legte am Mittwoch kräftig zu, die Aktie setzte sich an die Spitze im DAX. Um die Kunden enger an sich zu binden, will Infineon mehr Paketlösungen aus einer Hand anbieten. „Infineon geht den Weg vom Anbieter einzelner Bauelemente hin zum Experten für Komplettlösungen“, sagte Ploss. „In fünf Jahren soll Infineon der führende Anbieter von Systemlösungen werden.“

Von

dpa

Kommentare (3)

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Umverteilung

14.11.2012, 08:57 Uhr

"Das Instrumentarium der Kurzarbeit bietet dem Arbeitgeber folglich ein erhebliches Einsparpotential. Verglichen mit dem Fall, dass der Arbeitgeber den Arbeitsausfall ohne staatliche Subventionen allein zu tragen hätte und sein Arbeitnehmer bei verminderter Arbeitsleistung weiterhin das volle Gehalt beanspruchen könnte, spart der Arbeitgeber somit durch Einführung von Kurzarbeit die nachstehenden Personalkosten. Der Staat nimmt also dem Arbeitgeber einen Teil seines Betriebsrisikos ab und subventioniert ihn so indirekt."

Quelle: IHK Darmstadt

Fazit: Alle Arbeitnehmer stehen mit ihren Beiträgen für die Arbeitslosenversicherung auch für die Absicherung von den Dividenden der Großkonzerne gerade. Denn im Gegensatz zu oben genanten Artikel subventioniert nicht der Staat, sondern allein die Arbeitnehmer, welche Beiträge zur Arbeitslosenversicherung einzahlen.

Ein gutes Beispiel, wie man Sozialabgaben in geringversteuerte Dividenden umwandelt.

Rechner

14.11.2012, 10:38 Uhr

FALSCH! "...sondern allein die Arbeitnehmer, welche Beiträge zur Arbeitslosenversicherung einzahlen". Die Beiträge werden von beiden gleichermassen (derzeit jeweils 1,5%) gezahlt.

Julia

16.11.2012, 16:09 Uhr

Diese Einsparungen sieht man auch ganz schön am Patentportfolio. Ob dies der richtige Weg für die Zukunft ist um weiter an Marktposition zu gewinnen?
http://www.munich-innovation.com/de/patentportfolio-infineon/


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