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30.01.2009

18:20 Uhr

Halbleiterproduzent

AMD will Araber nach Dresden holen

VonJoachim Hofer

Der amerikanische Halbleiterproduzent AMD rechnet fest damit, seine Werke in Dresden trotz der Wirtschaftskrise wie geplant mehrheitlich an Investoren aus Abu Dhabi zu verkaufen. Für Schwierigkeiten bei dem Verkauf könnte aber ausgerechnet ein Rivale sorgen.

Die neuen Mehrheitseigner werden die Werke an der Elbe künftig auch mit Aufträgen anderer Chipproduzenten füllen. Foto: ap Quelle: ap

Die neuen Mehrheitseigner werden die Werke an der Elbe künftig auch mit Aufträgen anderer Chipproduzenten füllen. Foto: ap

MÜNCHEN. "Es ist wichtig für uns, aus Fixkosten variable Kosten zu machen", sagte AMD-Vorstand Nigel Dessau im Gespräch mit dem Handelsblatt. AMD könne sich ohne eigene Fabriken voll auf Entwicklung und Design konzentrieren.

AMD ist auf das Geld aus den Emiraten dringend angewiesen. Die Araber überweisen 700 Mio. Dollar direkt an den US-Konzern, 1,4 Mrd. Dollar investieren sie in die Halbleiterwerke von AMD. Dafür bekommen sie Aktien der Amerikaner und halten künftig zwei Drittel an einem Joint-Venture, in das die Fabriken eingebracht werden. Die AMD-Aktionäre müssen dem Deal in einer außerordentlichen Hauptversammlung am 10. Februar noch zustimmen.

Die Anteilseigner haben allerdings kaum eine Wahl, wenn sie ihre Firma retten wollen: AMD kann sich die eigenen Werke längst nicht mehr leisten. Zum Jahresende hat der kriselnde Computermarkt den Chiphersteller erneut tief in die roten Zahlen gedrückt. Der Konzern verzeichnete mit einem Minus von 1,4 Mrd. Dollar den neunten Quartalsverlust in Folge. Das von hohen Abschreibungen und Sanierungskosten ausgelöste Minus war größer als der Umsatz: Die Erlöse brachen um rund ein Drittel auf knapp 1,2 Mrd. Dollar (etwa eine Mrd Euro) ein. Der Halbleiterhersteller führt wegen der schleppenden Nachfrage Ende Februar für rund 2 700 Mitarbeiter in Dresden Kurzarbeit ein.

Die neuen Mehrheitseigner werden die Werke an der Elbe künftig auch mit Aufträgen anderer Chipproduzenten füllen. "Unser Modell war bisher auf riesige Verkäufe angelegt", sagt Marketing-Vorstand Dessau. Doch angesichts des schwachen Geschäfts kann AMD die teuren und großen Fabriken nicht mehr alleine auslasten.

AMD hat den Werksverkauf an die Araber bereits im Oktober vereinbart. Im Dezember haben die Manager vom Golf dann noch einmal nachverhandelt und bessere Konditionen erzielt. Trotzdem können die Amerikaner zufrieden sein, dass sie Käufer gefunden haben. Konkurrent Intel hat erst letzte Woche angekündigt, fünf Fabriken zu schließen und bis zu 6 000 Mitarbeiter zu entlassen. AMD baut gegenwärtig 1 100 Jobs ab - etwa neun Prozent der Belegschaft.

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