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29.01.2004

07:12 Uhr

Handelsblatt-Gespräch

Zukunft von EM.TV hängt am seidenen Faden

EM.TV-Chef und Großaktionär Werner Klatten kämpft an allen Fronten um das Überleben des Medienunternehmens. Demnächst könnte ihn sogar noch ein Prozess mit dem Großkunden Pro Sieben Sat 1 Media AG belasten. Die Senderkette will die Preise für die von EM.TV gelieferten Filme trotz eines noch laufenden Vertrags drücken. Klatten ist zwar zu Zugeständnissen bereit, kündigte aber im Interview mit dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) an, notfalls vor Gericht zu ziehen , falls es zu keiner Einigung kommt.

HB MÜNCHEN. Doch es gibt auch Lichtblicke: Im Geschäft der Münchener Firma sieht es derzeit gar nicht so schlecht aus. "Operativ werden wir 2004 schwarze Zahlen schreiben", sagte Klatten. Zudem ist nach seinen Angaben endlich eine Einigung mit der insolventen Kirch Media über das Joint Venture Junior TV in Sicht. EM.TV hätte die Kinderfilmbibliothek am liebsten schon vor Monaten komplett übernommen. Doch in den Wirren der Kirch-Pleite stand Junior TV auf der Prioritätenliste des Insolvenzverwalters ganz unten. Am Freitag Mittag endet die Frist für die EM.TV-Wandelanleihe. Bis dahin können die Besitzer ihre Papiere gegen Anteile des neu zu schaffenden Unternehmens tauschen.

Der Hintergrund: EM.TV müsste eigentlich 2005 eine Wandelanleihe über 469 Mill. Euro zurück zahlen. Dies würde nach derzeitigem Stand aber unweigerlich in die Insolvenz führen. Deshalb hat Klatten mit den Gläubigern der Anleihe einen Kompromiss erarbeitet. Danach verzichten diese auf eine Rückzahlung und erhalten Gegenzug die Mehrheit an EM.TV. Geht alles nach Plan, gehören den Anleihebesitzern künftig 60 % der Firma, die Aktionäre müssen sich mit dem Rest begnügen. Der Anteil von Großaktionär Klatten wird damit von knapp 25 % auf 9,9 % sinken. Damit das Konzept umgesetzt wird, müssen aber 97,5 % der Anleihebesitzer zustimmen. Zudem muss eine außerordentliche Hauptversammlung am kommenden Donnerstag die Pläne absegnen.

Klatten droht, dass bei einer Ablehnung die Firma in die Insolvenz gehen könnte. Denn die Finanzlage ist angespannt. In den vergangenen Monaten ist das Eigenkapital massiv zusammen geschmolzen. Kurz vor Weihnachten kündigte EM.TV an, dass Ende Januar voraussichtlich die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt sei. Während die Zustimmung der Aktionäre als sicher gilt, ist offen, wie sich die Anleihebesitzer verhalten.

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