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19.07.2012

15:41 Uhr

Handy-Hersteller

Nokia rutscht noch tiefer in die Verlustzone

Die Lage beim kriselnden finnischen Handybauer Nokia verschlimmert sich: Im zweiten Quartal machte der Konzern einen Verlust von 1,41 Milliarden Euro. Doch die Aktie schießt nach oben.

Handy-Riese unter Druck: Der Konzern fährt hohe Verluste ein. Reuters

Handy-Riese unter Druck: Der Konzern fährt hohe Verluste ein.

Espoo Der kriselnde Handy-Riese Nokia kann die Kette von Megaverlusten nicht stoppen. Im vergangenen Quartal vergrößerte sich das Minus auf 1,4 Milliarden Euro, wie das finnische Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz fiel um 18,7 Prozent auf 7,54 Milliarden Euro.

Besonders schmerzhaft sind die weiterhin sinkenden Zahlen im Smartphone-Geschäft: Der Absatz der Computer-Handys fiel um 39 Prozent auf 10,2 Millionen Geräte. Darunter waren immerhin vier Millionen Smartphones der neuen Lumia-Reihe mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone.

Die Verkäufe des Ende 2011 eingeführten Hoffnungsträgers haben sich damit im Vergleich zum ersten Quartal zwar verdoppelt - allerdings können die Marktführer Samsung und Apple innerhalb von drei Monaten regelmäßig 35 bis 40 Millionen Smartphones an die Kundschaft bringen.

Nokia-Chef Stephen Elop räumte ein, dass der Zeitraum von April bis Juni „ein schwieriges Quartal“ gewesen sei. Die Zahlen seien „nicht akzeptabel“ gab auch Finanzchef Timo Ihamuotila zu.

Wer den Markt der Smartphones regiert

Apple

Platz 1: Mit einem Marktanteil von 18,4 Prozent führte Apple im zweiten Quartal des Jahres den Smartphone-Markt an. Insgesamt 20, 34 Millionen Smartphones lieferte der Hersteller in diesem Zeitraum an den weltweiten Handel. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von über neun Prozent. Verglichen mit dem Vorjahr konnte Apple damit sogar eine Steigerung von über 140 Prozent erzielen.

Samsung

Platz 2: Direkt hinter Apple reiht sich der südkoreanische Rivale Samsung mit einem Marktanteil von 17,8 Prozent ein. Insgesamt 19,6 Millionen Smartphones brachten die Koreaner im zweiten Quartal in den weltweiten Handel. Damit hat sich der Hersteller selbst übertroffen: Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von fast 56 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist das sogar eine 600-prozentige Steigerung.

Nokia

Platz 3: Mit einem Marktanteil von 15,1 Prozent hat es Nokia trotz der Verluste bei den Smartphones im zweiten Quartal noch unter die drei Besten geschafft. 16,7 Millionen Modelle lieferte der Hersteller aus - das sind 31 Prozent weniger als noch im ersten Quartal.

RIM

Platz 4: Ebenfalls Verluste machte RIM im zweiten Quartal des Jahres. Mit 13,2 Millionen ausgelieferten Smartphones erreichte der Hersteller einen Marktanteil von 12 Prozent, musste im Vergleich zum Quartal zuvor aber einen Rückgang von fast 11 Prozent in Kauf nehmen.

HTC

Platz 5: Der Marktanteil der HTC-Smartphones lag im zweiten Quartal bei 10,8 Prozent. Insgesamt fast 12 Millionen Modelle brachte der Hersteller in den Handel und steigerte damit sein Ergebnis aus dem Quartal zuvor um fast 25 Prozent.

Motorola

Platz 6: Motorola-Smartphones erreichten im zweiten Quartal einen Marktanteil von 4 Prozent. 4,4 Millionen Modelle brachte der Hersteller in diesem Zeitraum in den weltweiten Handel und steigerte sein Ergebnis aus dem ersten Quartal damit um mehr als sieben Prozent.

Sharp

Platz 7: Der japanische Elektronikkonzern Sharp hat mit 1,48 Millionen ausgelieferten Smartphones im zweiten Quartal einen Marktanteil von 6,8 Prozent erreicht. Im Vergleich zum ersten Quartal konnte der Konzern sein Ergebnis um 1,3 Prozent steigern.

Andere

Unter ferner liefen: Alle anderen, weniger nennenswerten Hersteller machten im zweiten Quartal mit rund 22,7 Millionen ausgelieferten Smartphones zusammengenommen einen Marktanteil von 20,6 Prozent aus. Im Vergleich zum Quartal zuvor entspricht das einer Steigerung von fast 31 Prozent. Betrachtet man den gesamten Markt, so wurden im zweiten Quartal weltweit über 1,1 Milliarden Smartphones der verschiedenen Hersteller ausgeliefert. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von 7,5 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist es sogar eine Steigerung um rund 82 Prozent.

Mit einem Umsatzeinbruch schnitt der Konzern jedoch besser ab als von den Analysten erwartet. Sie hatten mit einem Umsatz von 7,24 Milliarden Euro gerechnet. "Nach einer scheinbar endlosen Reihe von schlechten Nachrichten geben diese Nachrichten ein Fünkchen Hoffnung", meint Nick Dillon von Ovum.

Nokia steckt schon seit mehreren Quartalen tief in den roten Zahlen fest. Das Jahr 2011 endete mit einem Verlust von 1,16 Milliarden Euro. Allein im vergangenen Vierteljahr gab es ein Minus von 929 Millionen Euro. Konzernchef Stephen Elop setzte im Juni ein drastisches Sparprogramm mit dem Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen in Gang. Geschlossen wird unter anderem der Forschungsstandort in Ulm.

Elop betonte, dass die Bargeld-Reserven mit 4,2 Milliarden Euro stabil geblieben seien. "Es gab einen kleinen Hoffnungsschimmer, der Barmittelbestand war besser als erwartet und das war eine wichtige Nachricht, die die Märkte beruhigt hat", sagt Analyst Mikael Rautanen von Inderes.

Schwer zu schaffen macht Nokia weiterhin die glücklose Gemeinschaftstochter Nokia Siemens Networks (NSN), die seit ihrer Gründung 2007 nur Verluste schreibt. Auch im vergangenen Vierteljahr blieb der Netzwerkbauer 227 Millionen Euro von der operativen Gewinnschwelle entfernt. Der Umsatz ging allerdings nicht so stark zurück wie nach den trüben Aussagen des Rivalen Ericsson zu befürchten war und lag bei 3,3 Milliarden Euro. Über die laufende dritte Sanierungsrunde bei NSN, die weltweit fast 20.000 Arbeitsplätze fordert, äußerte sich Elop zufrieden.

Kommentare (4)

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tho

19.07.2012, 16:15 Uhr

Sicherlich hätte NOKIA es ähnlich wie zB Samsung machen können, sich als unabhängiger Gerätehersteller zu etablieren, nicht an ein Betriebssystem gebunden. Kurzfristig könnte man so vielleicht größere Erfolge erzielen. Langfristig könnte die Allianz mit Microsoft aber aufgehen. Ich glaube an End to End Systeme aus dem einfachen Grund, daß sie sicherer sind und besser funktionieren. Des Weiteren liefert NOKIA Qualität, sie können definitiv sehr gute Handies bauen, da kann sich der ein oder andere Hersteller 'ne Scheibe abschneiden! Wenn Microsoft Windows Phone gut weiterentwickelt, Bing und Skype sauber integriert und das alles auf einem qualitativ guten Gerät, dann wird das ein Renner. Dazu muss man noch sehen wie sich RIM entwickelt, denn sollten die aus dem Bild herausfallen, dann gibt es Millionen von Business Usern die bedient werden müssen. Und Blackberry User fahren nur bedingt auf iPhones oder Androids ab .... eine echte Chance! Und sind wir doch mal ehrlich, niemand möchte mehr Google (Android) haben, den Datensammler der uns beim Surfen mit zahlreichen Cookies beobachtet und alles über uns abspeichert ... sowas als privates oder Business Smartphone?? Neee danke. Sichere Daten und closed systems haben gute Chancen!

Account gelöscht!

19.07.2012, 16:22 Uhr

Das WinPhone 7.5 keine Handys verkauft, war klar.
Ich denk, Nokia setzt alles daran, die Durststrecke bis Anfang 2013 zu ueberbruecken.
Die Hoffnung ist, dass sie mit Win8-Handys im Weihnachtsgeschaeft akzeptabel abschneiden.

Ich such schon lang ein SmartPhone und, als Windows-Programmierer, waer mir ein Win8-Handy grad recht. Surface-Tablet und Win8-Handy und in der Arbeit einen Windows-Desktop, das ist mal eine durchgaengige Loesung.

anonym

19.07.2012, 17:09 Uhr

Ich kann den beiden Kommentaren nur beipflichten und werde Nokia die Stange halten. Ich sehe gute Chancen für einen Turnaround und gute Produkte in den nächsten 1-2 Jahren.

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