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29.09.2011

10:40 Uhr

Handybauer schließt Standorte

Nokias Flucht nach Rumänien hat nichts geholfen

Von Bochum über Rumänien ins Nirgendwo: Der Stellenabbau bei Nokia findet kein Ende. Jetzt schließt der Handybauer auch den Standort in Cluj, für den einst das Werk in Bochum dicht gemacht wurde.

Beschäftigte von Nokia im rumänischen Cluj. dpa

Beschäftigte von Nokia im rumänischen Cluj.

Espoo/MünchenDer tief in der Krise steckende finnische Handybauer Nokia setzt seinen Umbau mit einem weiteren Stellenabbau fort. und hat die Streichung von insgesamt 3.500 Stellen angekündigt. Der Standort in Bonn soll geschlossen werden, genauso wie das Werk im rumänischen Cluj. Nokia hatte die Fertigung 2008 von Bochum gegen den Widerstand von Politik und Gewerkschaften nach Rumänien verlegt.

Dort baute Nokia bislang Handys. Diese sollen künftig vermehrt in asiatischen Fabriken hergestellt werden, hieß es weiter. Diese seien näher an den Kunden. Von der Schließung sollen nahezu 2200 Beschäftigte betroffen sein.

In der Sparte Location & Commerce, in der Navigationsdienste angesiedelt sind, sollen 1300 Arbeitsplätze wegfallen. Das Geschäft und die Entwicklung von Navigationsanwendungen sollen auf die Standorte Berlin, Boston und Chicago konzentriert werden, teilte Nokia mit. Neben Bonn sollen auch die Aktivitäten im US-amerikanischen Malvern eingestellt werden.

Die Maßnahmen kommen zusätzlich zu den bereits im April angekündigten 7.000 Stellenstreichungen weltweit bei Nokia. Das Unternehmen hat sich ein Sparprogramm in Höhe von eine Milliarde
Euro bis 2013 vorgenommen.

Gleichzeitig will Nokia gemeinsam mit dem deutschen Elektronikkonzern Siemens das angeschlagenes Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) mit einer Milliarde Euro frischem Kapital versorgen. Die beiden Partner stellen dem Telekomausrüster je 500 Millionen Euro zur Verfügung, wie der Münchner Elektroriese und Nokia am Donnerstag mitteilten. Im Sommer hatten die beiden Unternehmen die erfolglose Suche nach einem Käufer für das ungeliebte Tochterunternehmen eingestellt und angekündigt, NSN in Eigenregie wieder auf die Beine bringen zu wollen.

NSN bekommt zudem einen neuen Chefaufseher. Jesper Ovesen werde als hauptamtlicher Vorsitzender des Aufsichtsrates insbesondere die strategische Richtung von NSN im Blick haben, hieß es. Ovesen hat Erfahrung mit Unternehmensumbauten und Börsengängen.

NSN hatte Siemens und Nokia in den vergangenen Jahren hohe Verluste eingebracht und kämpft mit einem starken Wettbewerb in der Branche. In der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte, dass Nokia und Siemens einen Ausstieg aus dem Joint-Venture erwägen, auch ein Börsengang wurde dabei immer wieder als mögliches Szenario genannt. Der Vertrag für NSN läuft noch bis Ende September 2013.

Kommentare (13)

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hansmeiser

29.09.2011, 10:40 Uhr

EU Subventionen abgegriffen, EU Länder gegenseitig ausgespielt, Gewinne privatisiert, Verluste international verstaatlicht, Leute rausgeschmissen, alles läuft nach Plan. Und das nächste Werk wird wieder von der EU subventionert...vielleicht in der Türkei? Das nennt man Marktwirtschaft!

Account gelöscht!

29.09.2011, 10:44 Uhr

Rechtschreibprüfung kaputt oder Lektor gestorben? In letzter Zeit lässt die Qualität von Online-Beiträgen doch erheblich nach.

Account gelöscht!

29.09.2011, 11:18 Uhr

Nokia ist ein exemplarisches Beispiel dafür, wie Großkonzerne agieren, die kein vernüftiges und langfristiges Konzept haben. Man hält sich lediglich mit Standort-Hoppings und Stellenstreichungen über Wasser. Die verantwortlichen Manager haben wahrscheinlich gut daran verdient, kurzfristige Quartalssteigerungen erreicht zu haben und Fördergelder trickreich ausgenutzt zu haben. Ein menschenverachtender Konzern, der keine Sozialverantwortung in der Welt hat, wird so irgendwann unter die Räder kommen! Wer nichts zurück gibt, wird auch irgendwann nichts mehr bekommen.

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