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18.11.2014

15:55 Uhr

„Hanselblatt“ und Onno Faber

Beim Taptalk-Gründer hat das Chaos Methode

VonBritta Weddeling

Handelsblatt-Leser haben gewählt: Auf vielfachen Wunsch begleiten wir Onno Faber, Gründer von Taptalk, bei seinen ersten Schritten im Silicon Valley. Für den zweiten Teil der Serie trafen wir ihn in seinem neuen Büro.

Onno Faber steht auf unverfälschte Kommunikation. Er gründete die App Taptalk, mit der sich nur Bilder und Videos verschicken lassen, die sich direkt nach dem ansehen löschen. Britta Weddeling

Onno Faber steht auf unverfälschte Kommunikation. Er gründete die App Taptalk, mit der sich nur Bilder und Videos verschicken lassen, die sich direkt nach dem ansehen löschen.

San FranciscoOnno Faber atmet tief ein und schließt die Augen. Für einen Moment hält der Gründer die Luft an und spürt dem Geruch aus der braunen Papiertüte vor seinem Gesicht nach. Der 33-Jährige denkt an den Kirchturm auf dem Marktplatz seiner Heimatstadt Delft, an die düsteren Wolken, die schwer über der niederländischen Universitätsstadt hängen, wie immer im November.

Er lässt die Kaffeebohnen aus der Tüte ins Mahlwerk der Kaffeemaschine rasseln und kneift die Augen zusammen. Grell bricht das Licht der kalifornischen Sonne durch die hohen Fenster. Der Kontrast zum spätherbstlichen Holland in seinem Kopf könnte größer kaum sein. Wenige Sekunden später prustet das Edelstahlgerät den ersten Kaffee in die henkellose Keramik-Tasse. Fabers iPhone zeigt neun Uhr.

Seit der Ankunft in San Francisco vor drei Tagen hat der selbsterklärte „Kaffee-Nerd“ kaum geschlafen. Das liegt natürlich an der neunstündigen Zeitverschiebung und den vielen Kleinigkeiten, die es zu erledigen gab. Vom neuen Büro im achten Stock des sanierten Fabrikgebäudes im Zentrum von San Francisco aus will Faber die Bildschirme der Smartphones erobern. Mit der App Taptalk können Nutzer Fotos oder Videos an Freunde verschicken, die sich nach dem Abspielen selbst zerstören. Seit Facebook einige Funktionen kopierte, interessieren sich die Investoren für Taptalk.

Vom Koffein-Kocher in Edelstahl, einem Tisch und den vielen Skizzen überall an den Wänden mal abgesehen, wirkt das 120 Quadratmeter große Hauptquartier noch recht unbewohnt. Fabers fünfköpfiges Team reist erst diese Woche an. In der Wohnküche sollen bald die Programmierer werkeln, ein abgeschlossenes Büro dient als Rückzugsorts vom Firmenradau und in dem mit Teppich ausgelegten „Denkraum“, will Faber seine Firma konzeptionell weiterentwickeln. Der Gründer schläft übergangsweise im Zimmer gegenüber.

Die heißen Smartphone-Dienste

Snapchat

Mit der Snapchat-App können Nutzer Textnachrichten, Fotos und Videos verschicken, die sich nach einem kurzen Zeitraum selbst löschen. Gerade unter Jugendlichen ist die Anwendung beliebt – vermutlich nicht selten für Anzüglichkeiten. Die Gründer lehnten mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote ab, auch Facebook ließen sie abblitzen.

Instagram

Ein Produkt des Smartphone-Zeitalters ist der Foto-Dienst Instagram: Er war von vornherein nur für mobile Geräte ausgelegt. Nutzer können Fotos und Videos aufnehmen, mit Filtern aufpeppen und hochladen. Das Prinzip von Instagram erinnert an Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht. Facebook übernahm den Dienst 2012 für umgerechnet eine Milliarde Dollar.

Pinterest

Beim Fotodienst Pinterest sammeln die Nutzer Bilder von verschiedenen Websites in digitalen Notizbüchern – meistens mit dem Smartphone. Die Entwicklung von Pinterest wird von Urheberrechtssorgen begleitet: Die öffentlichen Sammlungen könnten nach Ansicht einiger Experten als Urheberrechtsverletzung ausgelegt werden. Das Unternehmen hat inzwischen eine Milliardenbewertung.

Whatsapp

In immer mehr Ländern wird Whatsapp zum SMS-Ersatz. Der Dienst erlaubt es, Kurznachrichten, Bilder und Videos über Internet zu verschicken. Die App läuft auf sämtlichen Betriebssystemen. Trotz etlicher Sicherheitspannen gehört Whatsapp zu den beliebtesten Smartphone-Anwendungen, sie hat nach Unternehmensangaben 500 Millionen Nutzer. Facebook hat das Start-up für 22 Milliarden Dollar übernommen.

Line

Ähnliche wie Whatsapp funktioniert Line, eine App mit asiatischem Ursprung. Sie bietet Instant Messaging für Smartphone und PC. Nutzer können nicht nur Textnachrichten, Fotos und Videos tauschen, sondern auch Telefonate führen. Eine Besonderheit sind virtuelle Sticker, die man in einem Shop kaufen kann.

Vine

Mit dem Dienst Vine können Nutzer bei Twitter sechs Sekunden kurze Videoschnappschüsse hochladen, die in einer Endlosschleife laufen. Der Zwitscherdienst übernahm das Start-up nur wenige Monate nach dessen Gründung im Sommer 2012. Vine hat nach Angaben vom Sommer 40 Millionen Nutzer.

Periscope

Videoübertragungen in Echtzeit ermöglicht der Dienst Periscope, der zu Twitter gehört. Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten: App öffnen, „Broadcast“ klicken – schon beginnt der Live-Stream. Ein konkurrierendes Angebot ist Meerkat.

Tumblr

Twitter ist kurzatmige Internet-Kommunikation, Blogs lassen sich mehr Zeit. Irgendwo dazwischen befindet sich Tumblr, ein 2007 gegründeter Web-Dienst für das unkomplizierte Veröffentlichen im Netz. Ähnlich wie bei Twitter kann man bei Tumblr anderen Nutzern folgen und sieht dann deren Beiträge im sogenannten Dashboard, einer Übersichtsseite. 2013 übernahm Yahoo das Start-up für 1,1 Milliarden Dollar.

Die Firma zahlt eine für die Tech-Metropole übliche Miete von 11 000 Dollar monatlich. Das Schlafzimmer sieht eher provisorisch, denn luxuriös aus. Die Bettdecke liegt zerknüllt auf der einfachen 190 mal 80 Zentimeter-Matratze, in Ermangelung eines Schranks verteilte der Bewohner die Kleidung quer im Raum.

Chaos hat bei Faber Methode. Der Gründer, der erstaunlich bereitwillig über Schwächen seiner Firma Auskunft gibt, die App müsse neuen Nutzern endlich die Anmeldung erleichtern zum Beispiel, will augenscheinlich alles andere als perfekt sein. Er entwickele Ideen am liebsten im Austausch mit anderen, genauso wie sein Produkt. „Ich möchte die Menschen über einen so direkten Weg miteinander verknüpfen wie kein Tool zuvor.“ So sind die Aufnahmen, die man von Taptalk-Freunden erhält, verwackelt, wahlweise überbelichtet oder zu dunkel und zeigen den Absender meist mit seltsamem Gesichtsausdruck.

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