Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2010

12:26 Uhr

Hauptversammlung

Infineon drohen stürmische Tage

VonJoachim Hofer, Sönke Iwersen , Martin Buchenau

Ein beispielloser Eklat bahnt sich auf der Hauptversammlung des Konzerns an. Es droht eine Kampfabstimmung über die Besetzung des Aufsichtsgremiums. Aktionäre wollen den Vorsitz im Aufsichtsrat kapern. Schon die letzte Hauptversammlung war eine Katastrophe für das Unternehmen.

Max Dietrich Kley: Der Aufsichtsratchef ist seit Sommer 2002 im Amt, in dieser Zeit machte Infineon in fast jedem Jahr Verlust. ap

Max Dietrich Kley: Der Aufsichtsratchef ist seit Sommer 2002 im Amt, in dieser Zeit machte Infineon in fast jedem Jahr Verlust.

STUTTGART/MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Die letzte Hauptversammlung war für die Aufsichtsräte von Infineon bereits eine Katastrophe, diesmal kommt es wohl noch ein bisschen schlimmer. Auf dem Aktionärstreffen des Chipkonzerns am 11. Februar droht eine Kampfabstimmung über die Besetzung des Aufsichtsgremiums. Der Ausgang des Ringens ist völlig offen.

0,05 Prozentpunkte - größer war der Stimmenanteil nicht, der Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley 2009 die Blamage ersparte und ihn sein letztes Amtsjahr wenigstens formal mit einer Entlastung beginnen ließ. Dabei hatten die Aktionäre 2009 nicht einmal eine Alternative zur Auswahl.

Das ist diesmal anders. Kley geht, der Infineon-Aufsichtsrat wird von sechzehn auf zwölf Mitglieder verkleinert, und alle sechs Kandidaten der Kapitalseite müssen sich zur Abstimmung stellen. Vier von ihnen waren bereits im vergangenen Jahr dabei - keiner erreichte mehr als 53 Prozent Zustimmung. Trotzdem treten sie wieder an.

Auch der Mann, den Kley als seinen Nachfolger ausgeguckt hat, wurde 2009 von der Aktionären abgewatscht - mit 47,1 Prozent Gegenstimmen erreichte Klaus Wucherer die Entlastung nur knapp. Doch Wucherer hat ein dickes Fell. 2008 schied er im Zuge der Schmiergeld-Affäre als Siemens-Vorstand aus, 2009 zahlte er 500 000 Euro Schadenersatz. 2010 will er nun bei der ehemaligen Siemens-Tochter Infineon den Aufsichtsrat führen.

"Das ist keine gute Idee", sagt Ingolf Ruge. Der Professor der TU München war selbst von 1999 bis 2005 Aufseher des zweitgrößten europäischen Chipkonzerns. Er kennt Wucherer. "Das ist ein solider Arbeiter, ein guter Techniker", sagt Ruge. "Ich mag ihn. Aber was Infineon wirklich braucht, ist eine Tabula Rasa, endlich ein Ende der alten Seilschaften."

So wie Ruge denken auch andere. Der britische Fonds Hermes hat einen Gegenantrag zur Hauptversammlung eingereicht: Statt Wucherer solle Willi Berchtold, Ex-Chef von Giesecke & Devrient und aktueller Finanzvorstand von ZF Friedrichshafen gewählt werden.

Hermes hält selbst aber nur wenige Infineon-Aktien. Der Fonds braucht Verbündete. Bei der Frage, wie viele Aktien Berchtold denn hinter sich wisse, ringen aber alle Beteiligten mit den Händen. Der Grund: Absprachen dieser Art waren bisher strikt verboten.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Schwob

20.01.2010, 14:47 Uhr

Als Aktionär finde ich es jetzt, mehr denn je, an der Zeit das dieser Filz der Seilschaften zerschlagen wird. Die Märkte boomen, an die Spitze gehört jetzt ein kaufmännisch geprägter Chefaufseher der den Konzern innovativ vorantreibt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×