Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.10.2014

14:08 Uhr

Helmut Kohl

Heyne-Verlag liefert Kohls Vermächtnis aus

Der Heyne-Verlag liefert ein neues Buch über Altkanzler Helmut Kohl wie geplant aus. Dieser hatte den Autoren mit einer Unterlassungsklage gedroht. Der Grund: die angebliche Verwendung von pikanten Tonband-Aufnahmen.

Altkanzler Kohl demontiert sich selbst

Video: Altkanzler Kohl demontiert sich selbst

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

MünchenDer Münchner Heyne-Verlag lässt sich von seinem Buchprojekt über Altkanzler Helmut Kohl trotz juristischer Drohungen nicht abbringen. Am Montag begann das Verlagshaus, das Buch „Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“ von Heribert Schwan und Tilman Jens auszuliefern.

„Wir haben bisher keine Unterlassungsaufforderung bekommen, die Bücher befinden sich in der Auslieferung und sind dann ab morgen sukzessive im Handel erhältlich“, sagte eine Verlagssprecherin. Im Streit um den historischen Nachlass Kohls plant der Bund derweil vorerst keine Gründung einer eigenen Stiftung.

Kohl will laut einem „Focus“-Bericht juristische Schritte gegen das Buch von Schwan und Jens einleiten, das ursprünglich am 13. Oktober erscheinen sollte. Wie das Magazin schreibt, beauftragte der langjährige CDU-Vorsitzende seine Anwälte, die Veröffentlichung zu stoppen. Das Berliner Büro Kohls äußerte sich auf Anfrage am Montag dazu nicht.

Grund des Streits ist nach „Focus“-Informationen der Verdacht, Kohls ehemaliger Biograf Schwan habe für die Publikation jene 200 Tonbänder aus Gesprächen mit Kohl ausgewertet, deren Nutzung ihm nach seinem Bruch mit dem Altkanzler vom Oberlandesgericht Köln im August untersagt wurde. Der Journalist Schwan hat inzwischen beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe Revision gegen das Kölner Urteil eingelegt. Er erhebt als Ghostwriter von Kohls „Erinnerungen“ ebenfalls weiterhin Anspruch auf die Bänder.

Kohl war in den Jahren 2001 und 2002 von Schwan befragt worden. „Als Ghostwriter von Helmut Kohls Erinnerungen war Heribert Schwan dem Altkanzler so nah wie kein Zweiter“, schreibt der Heyne-Verlag in der Buchankündigung. „Stunden und Tage haben beide in den Jahren 2001 und 2002 in Gesprächen verbracht.“

Wie „Der Spiegel“ schreibt, rechnet Kohl in den nun von Schwan veröffentlichten „Protokollen“ teils drastisch mit Parteifreunden ab. Er klagte demnach in deutlichen Worten über CDU-Politiker wie die jetzige Kanzlerin Angela Merkel, seinen früheren Arbeitsminister Norbert Blüm oder den späteren Bundespräsidenten Christian Wulff.

Kohls langjähriger Weggefährte, der Ehrenvorsitzende der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, Bernhard Vogel, sagte am Montag im Deutschlandfunk, man müsse „unterscheiden zwischen offiziellen Akten, zwischen sogenannten Handakten und einem selbstverständlich auch bestehenden Recht auf private Unterlagen“. „Es geht um nichts weniger als ein historisches Vermächtnis“, schreibt der Heyne-Verlag.

Die Bundesregierung denkt vorerst nicht an die Gründung einer „Helmut-Kohl-Stiftung“, die den historischen Nachlass verwahren und der Forschung zugänglich machen könnte. Hierfür gebe es „keinerlei Planungen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

Er verwies darauf, dass derartige vom Bund finanzierte Einrichtungen wie etwa für Ex-Kanzler Willy Brandt (SPD) Gedenkstiftungen seien. Hierfür würden zu Lebzeiten der Persönlichkeiten keine Planungen gemacht. Angesprochen auf im „Spiegel“ zitierte kritische Äußerungen Kohls unter anderem über Merkel sagte Seibert: „Kein Kommentar.“ An diesem Dienstag (7.10.) soll das Buch in Berlin vorgestellt werden. Als Moderator der Präsentation mit Schwan und Jens wurde der frühere Fernsehjournalist Fritz Pleitgen angekündigt.

Von

dpa

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Vittorio Queri

06.10.2014, 13:56 Uhr

>> "Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen." >>

- das kann sie auch heute noch nicht.

>> Nach Auffassung des Altkanzlers hat nicht in erster Linie die Bürgerrechtsbewegung zum Zusammenbruch des Regimes in Ostberlin beigetragen.
"Es ist ganz falsch, so zu tun, als wäre da plötzlich der heilige Geist über die Plätze in Leipzig gekommen und hat die Welt verändert", sagte Kohl. <<

Wo die Birne Recht hat, hat er eben auch Recht !

Die "Friedliche Revolution der Ossis" ist einem Volksschulhirn Thierse entsprungen !´===> Volltreffer !

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/helmut-kohl-ex-cdu-chef-und-altkanzler-rechnet-mit-parteifreunden-ab-a-995299.html

Herr C. Falk

06.10.2014, 14:12 Uhr

Es wäre wesentlich interessanter von Kohl einmal etwas zur gegenwärtigen politischen Lage in Europa zu hören, als dass er olle Kamellen neu aufbereitet.

Wirkliche Menschenkenntnis scheint Kohl in der Tat nicht zu besitzen sonst hätte er gegenüber einem Journalisten nicht so aus dem Nähkästchen geplaudert wie er es offenbar für richtig empfunden hat in der irrigen Annahme Herr Schwan werde schon dicht halten und "ewiges" Schweigen bewahren.

Herr Manfred Schäfer

06.10.2014, 15:02 Uhr

Mein Kommentar:
Zensur oder verschlafen?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×