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20.04.2015

06:18 Uhr

Herausforderer Instagram und Snapchat

Von wegen Facebook stirbt

VonLaura Waßermann

Wird es Facebook in zehn Jahren noch geben? Der Trend geht zu Snapchat und Instagram, glaubt man Teenagern. Social-Media-Experten zweifeln zwar an dieser Einschätzung. Doch das Rennen ist nicht wirklich ausgemacht.

Facebook wird nicht mehr verschwinden, glauben Experten.

Von wegen alt

Facebook wird nicht mehr verschwinden, glauben Experten.

DüsseldorfDie „Generation Facebook“ ist alt, so scheint es. Aus dem hippen, lifestyle-trächtigen Social Network ist eine soziale Klitsche geworden, ein Kanal für Informationen und politische Debatten. Fotos werden heute bei Instagram gepostet oder via Snapchat verschickt. Erst kürzlich schrieb ein 17-Jähriger, er würde sich wünschen, Facebook würde „sterben“: „Und daran sind auch unsere Eltern schuld.“ Denn die tummelten sich zunehmend in dem sozialen Netzwerk und machten es daher für Jugendliche unattraktiv.

Die 15-jährige Lisa* ist seit Anfang 2013 bei Facebook angemeldet, bei Instagram und Snapchat seit 2014. Die beiden letzteren Netzwerke nutzt sie lieber als Facebook: „Der Aufbau ist einfach viel besser, dort werde ich nicht so von Werbung zugespamt.“ Wirklich aktiv sei sie aber nur bei Snapchat. Sie schickt sich mit ihren Freundinnen Fotos hin und her – schöne Fotos, lustige oder welche mit Grimassen. Die Hauptsache für die 15-Jährige sei, dass es Spaß macht.

Die Monopolisten in Zahlen - Soziale Netzwerke

Platz 10

Tumblr (Bilder-Blogs)

Marktanteil in Deutschland: 2,7 Prozent

Stand: 1. Halbjahr 2013. Marktanteile gemessen an der Zahl der Unique User.

Quelle: Bayerische Landeszentrale für neue Medien und Nielsen NetView via statista.com

Platz 9

Xing (Karrierenetzwerk)

Marktanteil in Deutschland: 2,9 Prozent

Platz 8

Twitter (Kurznachrichten)

Marktanteil in Deutschland: 2,9 Prozent

Platz 7

Werkenntwen (Freundesnetzwerk)

Marktanteil in Deutschland: 3 Prozent

Werkenntwen schließt zum 1. Juni 2014.

Platz 6

Cosmiq (Frage-Antwort-Portal)

Marktanteil in Deutschland: 3,2 Prozent

Platz 5

Wordpress (Blogs)

Marktanteil in Deutschland: 5 Prozent

Platz 4

Stayfriends (Alumni-Netzwerk für Absolventen)

Marktanteil in Deutschland: 5,1 Prozent

Platz 3

Google+ (Freundesnetzwerk)

Marktanteil in Deutschland: 5,9 Prozent

Platz 2

Blogger (Blogs)

Marktanteil in Deutschland: 9,7 Prozent

Platz 1

Facebook (Freundesnetzwerk)

Marktanteil in Deutschland: 39,1 Prozent

Die Nutzerzahlen der Portale zeigen: Facebook ist bisweilen zwar das wichtigste Netzwerk im Social Web, denn mehr als 1,4 Milliarden Menschen sind derzeit bei Facebook aktiv. Instagram kommt auf 300 Millionen Nutzer, Snapchat auf 200 Millionen. 

Allerdings ist der Kampf um die junge Zielgruppe entscheidend, da sie die Nutzerbasis der Zukunft darstellen. Nicht umsonst hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vor knapp drei Jahren Instagram für eine Milliarde gekauft. Anfang 2014 folgte dann Whatsapp als großer Messenger-Dienst – doch an Snapchat-Gründer Evan Spiegel biss er sich die Zähne aus. Drei Milliarden US-Dollar hatte Zuckerberg geboten, doch der 23-jährige Spiegel lehnte dankend ab.

Wenn Lisa Snapchat benutzt, füttert sie Zuckerbergs Datensammlung also nicht. Noch nicht zumindest. Lisa zählt aufgrund ihres Alters zu den sogenannten „Digital Natives“, die in einer Welt mit sozialen Netzwerken und der Allgegenwärtigkeit des Internets aufwachsen. Trotzdem starrt sie nicht den ganzen Tag auf ihr Smartphone. Sie reitet und trifft sich mit Freunden. „Ich habe gar keine Zeit, jeden Tag ein Foto von meinem Essen zu posten.“ Wenn sie ihre Freundinnen dann fragt, welche Social-Media-Plattform ihnen von Facebook oder Instagram besser gefällt? „Instagram. Weil sie finden, dass es übersichtlicher ist und sich geschützter anfühlt.“

Auch der Social-Media-Experte Ibrahim Evsan hat erkannt, dass sich die Kultur bei Facebook verändert hat. „Anfangs fand alles auf der Party- und Freizeit-Ebene statt. Heute überwiegen Business-Themen in den Timelines der Nutzer“, sagt er. Evsan ist Unternehmer und Blogger. Vornehmend beschäftigt er sich mit Strategien fürs Social Web und wird mit Netzkolumnist Sascha Lobo in einer Riege gesehen. Evsan glaubt jedoch, dass Facebook nicht so bald „out“ sein wird: „In zehn Jahren wird es eine riesige Plattform geben. Und diese wird von Facebook dominiert werden.“

Jedes Foto, jeder Post und jeder Kommentar, den die 1,4 Milliarden Nutzer seit ihrer Anmeldung bei Facebook veröffentlicht haben, bilden laut Evsan ein großes digitales Tagebuch. „Mit diesem Tagebuch voller Daten wird es schwierig sein, noch einmal umzuziehen.“ Vor allem, weil in zehn Jahren nicht 40 Prozent aller Menschen, so wie es im Moment der Fall ist, online sein sollen, sondern 100 Prozent.

Laut dem GlobalWebIndex ist allerdings momentan Snapchat die App mit dem größten prozentualen Nutzerzuwachs. 2014 waren das 57 Prozent. Instagram teilt sich mit 43 Prozent den dritten Platz mit Pinterest, einem Sozialen Netzwerk, das ebenfalls auf Fotos ausgelegt ist. Facebook ist nicht unter den ersten zehn. Wenngleich Instagram, der Facebook Messenger (Platz 2) und Whatsapp (Platz 4) natürlich zum Firmennetz von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gehören.

*Name von der Redaktion geändert

Kommentare (1)

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Herr Peter Gollong

20.04.2015, 10:07 Uhr

„Anfangs fand alles auf der Party- und Freizeit-Ebene statt. Heute überwiegen Business-Themen in den Timelines der Nutzer“. Was ist da so schlimm daran? Was soll dieses ewige Geschwätz über die Qualität oder den Bestand eines sozialen Netzwerkes, nur weil sich ein paar pickelige Gestalten dort nicht mehr so wohl fühlen oder es gar als uncool bezeichnen? Facebook ist halt erwachsen geworden – na und? Heute kann ich weltweiten Kontakt zu Freunden und Kollegen halten, ohne mich für Facebook entschuldigen zu müssen. Es ist ein selbstverständliches Kommunikationsmittel geworden, das viele Möglichkeiten bietet – ob in Wort, Bild oder Ton.
Viel wichtiger bleibt die Aufgabe, mit großer Aufmerksamkeit die Datenwege zu beobachten und daraus seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Facebook und Konsorten Vorwürfe wegen des Missbrauchs von Daten zu machen, ist geradezu naiv. Jeder ist selbst verantwortlich für das, was er von sich gibt. Und es gibt genügend Möglichkeiten, seine Daten zu schützen. Man muss sich nur mal tiefer mit Facebook etc. beschäftigen. Niemand fährt ohne Führerschein auf die Straße (außer vielleicht Hr. Reus). Das gilt eben auch für die Datenautobahnen (sonst kann's natürlich teuer werden, siehe ebenfalls Hr. Reus ;-).
Also, Facebook wird keinesfalls sterben, nur weil Teenies Snapchat oder Instagram cooler finden. Das Internet und seine sozialen Netze sind nicht für halbwüchsige Spaßvögel erfunden worden, sondern sind heute Teil unserer Kultur. Das ist auch nicht zu bedauern, sondern mit Verantwortung und Intelligenz voran zu treiben...

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