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18.08.2011

22:40 Uhr

Hewlett Packard

PC-Geschäft ist Geschichte

VonAxel Postinett

In den Elektronikkonzern Hewlett Packard kommt kräftig Bewegung: Der IT-Konzern will sein PC-Geschäft abspalten und steht vor einer milliardenschweren Übernahme. Außerdem gibt HP das eigene Tablet-System webOS auf.

HP-CEO Leo Apotheker plant den Radikalschlag. Quelle: Reuters

HP-CEO Leo Apotheker plant den Radikalschlag.

Palo AltoDer weltgrößten IT-Konzerns Hewlett Packard plant, seine PC-Sparte abzuspalten. HP prüfe alle Optionen für den Geschäftsbereich inklusive einer kompletten oder teilweisen Abspaltung, so das Unternehmen. Der erst vor gut 16 Monaten begonnene Wiedereinstieg in das Smartphone-Business und der Aufbau eines Tablet-PC-Geschäfts wird ebenfalls beerdigt. Die Entwicklung von webOS, ein Betriebssystem, das zusammen mit Palm übernommen wurde, wird eingestellt. Damit ist die Investition von knapp 1,3 Milliarden Dollar in Palm ein Totalausfall, falls es nicht gelingt, einen Käufer für die Technologie zu finden. Kandidaten könnten unter anderem Samsung oder HTC sein. Beide Smartphoneriesen bauen auf das Betriebssystem Android von Google und sehen sich einer verschärften Konkurrenz gegenüber, seit der Webriese angekündigt hat für 12,5 Milliarden Dollar Motorola Mobility zu übernehmen. Mit webOS, könnten sie sich eine schlüsselfertige Alternative zu Android kaufen. Beide Konzerne haben ganz im Gegensatz zu HP langjährige Erfahrung mit Smartphones.

Außerdem will der Dell-Konkurrent das britische Software-Unternehmen Autonomy für zehn Milliarden Dollar übernehmen. Beide Unternehmen bestätigten die Gespräche. Autonomy ist spezialisiert auf Suchmaschinentechnik für Unternehmen und passt damit zumindest theoretisch hervorragend in das neu geschmiedete Kerngeschäft von HP, das sich ganz auf den Unternehmensbereich konzentriert.

Im dritten Quartal 2011, dessen Zahlen am Abend vorgelegt wurden, setzte HP mit 31,2 Milliarden Dollar kaum mehr um als im Vorjahr mit 30,7 Milliarden. Der Gewinn nach GAAP pro Aktie lag mit 0,93 Dollar pro Aktie über dem Vorjahreswert von 0,75 Dollar, was vor allem auf Kostenreduzierungen zurückzuführen ist. Für das vierte Quartal erwartet Apotheker nun einen Umsatz zwischen 32,1 und 32,5 Milliarden Dollar und einen Gewinn pro Aktie von 0,44 Dollar. Für das gesamte Finanzjahr wird die Umsatzerwartung von 129 bis 130 Milliarden Dollar abwärts korrigiert auf 127,2 bis 127,6 Milliarden Dollar. Damit scheint sicher, dass Apple nach dramatischen Zuwachsraten HP als weltgrößten IT-Konzern bereits 2011 wird ablösen können.

Apotheker reagiert mit der Radikalkur auch auf den Druck zahlreicher Großinvestoren, die seit längerem die Abspaltung des margenschwachen Computergeschäfts fordern und quasi eine Aufteilung in ein Business-orientiertes HP und eine eigenständige Consumer-Sparte. Nach einer Abspaltung des PC-Geschäfts könnte auch ein Verkauf folgen.

Die Logik hinter der Abspaltung ist nicht einfach zu erkennen, schließlich ist HP der Weltmarktführer im PC-Segment. Aber sie folgt dem Ansatz, den bereits IBM verfolgt hat als das PC-Geschäft Ende 2004 für 1,75 Milliarden Dollar an die chinesische Lenovo verkauft wurde. „Man habe erkannt“, so bekräftigte IBM CEO Sam Palmisano erst vergangene Woche bei einem Vortrag im kalifornischen Mountain View, „dass das PC-Geschäft 1981 eine Innovation war, zwanzig Jahre später aber nicht mehr. Es war Zeit, weiter zu gehen.“ Der Käufer Lenovo, spezialisiert ausschließlich auf Hardware, entwickelte sich gut, meldete

vergangene Woche sogar über Erwarten liegende Quartalsergebnisse in einem schwierigen Umfeld.

Kommentare (4)

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18.08.2011, 22:32 Uhr

Cloud Computing, ach diese Wolken...
Wer dort seine wichtigen Daten speichern möchte, dem ist nicht mehr zu helfen...

christian

18.08.2011, 22:55 Uhr

Was bringt denn die schöne Software in der Cloud zum Laufen?
Doch die "überflüssigen" Server oder ?
Diese neue Geschäftsidee klingt wenig orginell.

A.Postinett

19.08.2011, 01:37 Uhr

@ christian: Ein typischer Server in einem Unternehmen fährt mit irgendwo zwischen zehn und 20 Prozent seiner Leistungsfähigkeit. Der Rest verbraucht nur Energie und muss gekühlt werden. Der Kostenvorteil, mit Rechenzentren und "virtuellen" Rechnern und Servern zu arbeiten ist nicht zu unterschätzen. Siehe die Erfolgsgeschichtevon VMWare. Außerdem: Praktisch kein Start Up stellt sich heute noch eigene Serverfarmen für Millionen von Dollar in den Keller. Die wollen alle flexible Architekturen. HP sagte gerade im Anaylstencall, dass sie anhaltenden Druck auf die Budgets der öffentlichen Hände erwarten. Die kaufen derzeit nix, sondern expandiert wird nur zur Miete.

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