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20.11.2013

11:03 Uhr

Hilfe von Staatskonzern

SAP drängt in die China-Cloud

SAP will in China Fuß den Markt mit Cloud-Diensten erobern. Die Nutzerzahlen sollen von einigen Hunderttausend auf eine Million steigen. Hilfe bekommt das Softwareunternehmen vom Staatskonzern China Telecom.

SAP will in China Fuß fassen: „Der Markt ist aber dabei, abzuheben - und wir wollen die ersten sein.“ dpa

SAP will in China Fuß fassen: „Der Markt ist aber dabei, abzuheben - und wir wollen die ersten sein.“

Stuttgart/PekingDas Softwarehaus SAP will gemeinsam mit dem Staatskonzern China Telecom das Geschäft mit Cloud-Diensten vorantreiben. Über das seit 2011 bestehende Gemeinschaftsunternehmen mit dem Telekomkonzern werde SAP künftig als erstes Cloud-Produkt Software für Personalmanagement anbieten, teilte SAP am Mittwoch vor einer Kundenmesse in Peking mit. Das unterstreiche die Strategie von SAP, Produkte für China vor Ort zu entwickeln, erklärte SAP-Co-Chef Bill McDermott. „Ich bin fest davon überzeugt, dass chinesische Unternehmen infolge dieser Zusammenarbeit schneller Cloud-Lösungen einsetzen werden“, betonte der Präsident von China Telecom, Yang Jie.

Ausländische Konzerne können Dienste in der Datenwolke, mit denen Kunden gegen Miete über das Internet Daten und Programme auf externen Rechnern nutzen können, bisher nur mit Servern anbieten, die nicht in China stehen. Der NSA-Späh-Skandal lässt in China aber das Misstrauen gegenüber ausländischen IT-Anbietern wachsen. Über das Gemeinschaftsunternehmen kann SAP die Rechenzentren des einheimischen Telekom-Riesen im Inland nutzen.

Zukäufe von SAP

Wachstum dank Zukäufen

Der Walldorfer Software-Konzern SAP hat in den vergangenen Jahren hohe Milliardenbeträge für Großübernahmen ausgegeben. Damit verstärkte sich das Unternehmen für zukunftsträchtige Geschäftsfelder.

Business Objects

2007 übernahmen die Deutschen den französischen Softwarehersteller Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. SAP kauft sich damit Analyse-Software, die Daten aus einzelnen Geschäftsbereichen von Unternehmen auswertet – und ist inzwischen Marktführer.

Sybase

Den Datenbankspezialisten Sybase übernimmt SAP im Jahr 2010 für 5,8 Milliarden Dollar und erwirbt damit Expertise für den Mobilfunkmarkt. Mit Hilfe der Sybase-Plattform lassen sich die SAP-Programme leichter auf Smartphones und Tablets spielen. Die Software von Sybase stellt außerdem den Grundstock für das wachsende Datenbankgeschäft von SAP.

Success Factors

2012 geht SAP die Übernahme von Success Factors für 3,4 Milliarden Dollar an. Software, die nicht mehr auf Firmenservern lagert, sondern nach Bedarf „on Demand“ über das Internet abgerufen wird, ist bereits heute ein Milliardenmarkt.

Ariba

Mit der Handelsplattform Ariba, die SAP ebenfalls 2012 für 4,3 Milliarden Dollar übernahm, sicherte sich der Softwarekonzern weitere Fähigkeiten. Ariba ist nicht nur eine Art Ebay für Unternehmen. Die Firma verkauft auch Software, zum Beispiel Programme, mit deren Hilfe Firmen ihren Lieferanten digitale Rechnungen stellen können.

Der Weltmarktführer für Firmensoftware setzt auf starkes Wachstum in China. Das Cloud-Geschäft stecke derzeit in China noch in den Kinderschuhen, sagte der Chef des SAP-China-Geschäftes Alex Atzberger. „Der Markt ist aber dabei, abzuheben - und wir wollen die ersten sein.“ Experten gingen davon aus, dass das Cloud-Geschäft bis Ende dieses Jahres auf Erlöse von umgerechnet knapp zehn Milliarden Euro wachsen werde. SAP will binnen zwei Jahren die Zahl der Cloud-Nutzer in China von derzeit einigen Hunderttausend auf eine Million steigern, wie Atzberger sagte. Die Zahl der Kunden ist allerdings viel niedriger als die der Nutzer: So bringt als ein Kunde die China-Telecom-Tochter China Communication Services die ersten 12.000 Nutzer für die Personalmanagement-Software ein.

China ist bisher der sechstgrößte Einzelmarkt von SAP. Genaue Angaben zu Umsatz und Gewinn pro Land macht der mit IBM , Oracle und Salesforce konkurrierende Softwarekonzern nicht. Bis 2015 will SAP den Umsatz in China auf eine Milliarde Euro steigern bei einem angepeilten Gesamtumsatz von 20 Milliarden Euro - im vergangenen Jahr waren es 16,2 Milliarden Euro.

Von

rtr

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