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24.07.2014

15:07 Uhr

Höhere Prognose

Nokia-Aktien zehn Prozent im Plus

Ein Silberstreifen am Horizont? Der kriselnde Technologiekonzern Nokia hat sich im vergangenen Quartal besser geschlagen als von Experten erwartet. Die Anleger reagieren begeistert.

Ein Nokia-Geschäft in Helsinki: Der finnische IT-Hersteller kann die Krise etwas eindämmen. dpa

Ein Nokia-Geschäft in Helsinki: Der finnische IT-Hersteller kann die Krise etwas eindämmen.

HelsinkiNach dem Verkauf der Handy-Sparte hat Nokia im vergangenen Quartal seinen Verlust deutlich reduziert. Das Minus im fortgeführten Geschäft schrumpfte von 58 Millionen Euro vor einem Jahr auf zuletzt 28 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz ging um 6,7 Prozent auf 2,94 Milliarden Euro zurück und übertrag damit die Erwartungen, ebenso die operative Gewinnmarge. Die Aussichten für das Gesamtjahr hätten sich verbessert, sagte der neue Chef Rajeev Suri.

Die Anleger reagiert begeistert: Nokia-Papiere kletterten an der Börse in Helsinki in der Spitze um 10,7 Prozent auf 6,33 Euro und waren damit so teuer wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. „Das war eine sehr starke Bilanz“, sagte Analyst Mikael Rautanen. „Die Profitabilität im Netzwerkgeschäft war über allen Erwartungen und als Sahnehäubchen wurde auch noch die Jahresprognose der Sparte angehoben.“ Das zweite wichtige Geschäft ist der Kartendienst Here.

So sieht das neue Nokia aus

Konzern im Wandel

Es ist eine Zeitenwende für Nokia: Der finnische Konzern hat sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkauft. In den letzten Jahren hatte er an Marktanteilen verloren und rote Zahlen geschrieben. Das neue Nokia ruht auf drei Säulen.

Netzwerktechnik

Die wichtigste Säule des Konzerns ist jetzt die Netzwerktechnik. Im Juli 2013 kaufte Nokia den Partner Siemens für 1,7 Milliarden Dollar aus dem Joint Venture heraus, um das Geschäft wieder allein zu betreiben. Angesichts des Smartphone-Booms wirkt der Aufbau von Netzen der Mobilfunk-Anbieter auf den ersten Blick als sicheres Geschäft, doch in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent und den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Der Preiskampf wird weiter anhalten, zumindest muss sich Nokia nicht mehr mit einem Partner über die Strategie streiten.

Landkarten

Das zweite große Nokia-Standbein sind die Kartendienste unter dem Markennamen Here. Hier kauften die Finnen bereits 2007 für gut acht Milliarden Dollar den Karten-Spezialisten Navteq und investierten seitdem massiv in den Aufbau eines vollwertigen Online-Angebots sowie Navigationsdiensten. Allerdings ist das Geschäft teuer und die Konkurrenz groß – gerade Google gibt viel Geld aus. Nokia will seine Kartendienste auf andere Betriebssysteme bringen, die Daten werden bereits in vielen Auto-Navigationssystemen genutzt. Zu einem großen Teil werden die Nokia-Kartendienste in Berlin entwickelt.

Patente

Nokia hält ein umfangreiches Patentportfolio – das Geschäft mit Lizenzen soll künftig die dritte Säule des neu ausgerichteten Konzerns werden.

Rückkehr möglich

Nokia hat sich gegenüber Microsoft verpflichtet, vorerst keine Mobiltelefone zu verkaufen. Nach Ablauf einer Frist wäre das allerdings durchaus erlaubt, andere Geräte wie Smartwatches dürfte das Unternehmen bereits jetzt auf den Markt bringen. Konkrete Pläne sind nicht bekannt, aber eine Rückkehr in das Geschäft mit Elektronik ist nicht ausgeschlossen.

Den Großteil des Geschäfts bei Nokia macht jetzt der Verkauf von Ausrüstung für Telekom-Netze aus. Der Sparte NSN machen die chinesischen Rivalen Huawei und ZTE zu schaffen. Sie preschen mit günstigeren Preisen in den Markt vor – und die Netzbetreiber achten angesichts des Umsatzdrucks in ihrem Geschäft aufs Geld.

Der Quartalsumsatz bei NSN sank im Jahresvergleich um acht Prozent auf 2,57 Milliarden Euro. In den meisten Regionen sank der Umsatz, vor allem weil das Dienstleistungsgeschäft zurückging. In China gab es dagegen ein kräftiges Plus von 18 Prozent auf 306 Millionen Euro dank des Aufbaus neuer Netze für den besonders schnellen Funkstandard LTE. Nokia und andere Anbieter setzen große Hoffnungen auf den LTE-Ausbau sowie die nächste Datenfunkgeneration, die unter dem Kürzel 5G entwickelt wird.

Beim Kartendienst Here stagnierte der Umsatz mit 232 Millionen Euro. Nach einem schmalen Gewinn von acht Millionen Euro vor einem Jahr gab es diesmal nur eine schwarze Null. Nokia will Here auch mit Zukäufen zu einer breit angelegten Plattform für die Autoindustrie und lokale Dienste ausbauen. Im vergangenen Quartal wurden Here-Lizenzen für 3,3 Millionen Fahrzeuge verkauft.

Nokia hatte seine lange verlustreiche Handy-Sparte für knapp 3,8 Milliarden Euro an Microsoft verkauft. Auch unter dem Dach des Software-Riese verlor der Bereich zuletzt noch 700 Millionen Dollar, rund jeder Zweite der 25.000 übernommenen Nokia-Mitarbeiter soll gehen.

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