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23.10.2012

23:43 Uhr

Hohe Kosten

Facebook meldet Verlust im dritten Quartal

Es scheint unlogisch: Facebook schreibt Verluste und die gebeutelte Aktie steigt. Der Grund ist, dass das Soziale Netzwerk mehr Geld durch Werbung eingenommen hat als erwartet. Die Zweifel weichen für einen Moment.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg steht unter Druck. dapd

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg steht unter Druck.

Menlo ParkDas soziale Netzwerk Facebook muss abermals einen Verlust hinnehmen. Grund sind galoppierende Kosten und hohe Steuern. Die Anleger sind von den Geschäftszahlen fürs dritte Quartal dennoch begeistert. Denn es scheint, dass das Soziale Netzwerk im problematischen mobilen Geschäft Fortschritte macht. Die Aktie schoss am Dienstag nachbörslich um mehr als 8 Prozent nach oben.

Wegen hoher Steuern auf Aktien, mit denen das Unternehmen seine Mitarbeiter entlohnt, fiel unterm Strich ein Minus von 59 Millionen Dollar (45 Millionen Euro) an. Auch die Kosten fürs Marketing, die Verwaltung oder die Entwicklung neuer Produkte schnellten nach oben. Bereits im Vorquartal hatte der Börsenneuling rote Zahlen geschrieben. Im Vorjahreszeitraum hatte Facebook noch 227 Millionen Dollar verdient.

Die größten Sorgen von Facebook

Die Nutzer bleiben aus

Facebook ist seit seinen Anfängen im Februar 2004 rasend schnell gewachsen. Das Soziale Netzwerk hat mehr als eine Milliarde aktive Nutzer, knapp 600 Millionen schauen sogar täglich vorbei. „Die Größe unserer Nutzerbasis und ihre Bindung an uns ist entscheidend für unseren Erfolg“, erklärt Facebook. Es gebe aber keine Garantie dafür, dass neue Funktionen gut ankämen und die Mitglieder bei Laune hielten. „Auch eine ganze Reihe anderer sozialer Netzwerke hat schnell an Popularität gewonnen, seitdem ist die Zahl der aktiven Nutzer aber zurückgegangen, in manchen Fällen sogar jäh.“ Facebook spielt damit auf den einst großen Rivalen MySpace an; auch die deutschen Konkurrenten SchülerVZ und StudiVZ bekommen den Facebook-Hype drastisch zu spüren.

Die Werbung bleibt aus

Emsige Nutzer sind gut und schön, aber das Geld bringen erst die Werbekunden. Knapp 90 Prozent der Einnahmen stammten im vergangenen Jahr aus Anzeigen. Bislang tut sich die Werbebranche aber noch schwer damit, den Wert von Facebook-Anzeigen zu erkennen, in vielen Unternehmen gelten sie eher als Experiment denn als fester Bestandteil der Kampagnen. Überdies besuchen immer mehr Nutzer Facebook mit dem Smartphone oder Tablet-Computer. Auf den kleinen Bildschirmen der mobilen Geräte lässt sich Werbung jedoch schlechter platzieren. Immerhin konnte das US-Unternehmen bei den mobilen Anzeigen zuletzt deutlich zulegen – ein Hoffnungszeichen für die Investoren.

Die Konkurrenz schläft nicht

Facebook ist zwar die unumstrittene Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken, doch das Internet ist groß. „Wir sehen uns in nahezu jedem Bereich unseres Geschäfts Konkurrenz gegenüber, darunter von Firmen wie Google, Microsoft und Twitter“, erklärt Facebook in einem Bericht an die Börsenaufsicht SEC. So hat Google mit Google+ ein eigenes Soziales Netzwerk aufgezogen, das allerdings noch deutlich kleiner ist als der blaue Riese. Es gibt auch starke regionale Netzwerke, Facebook führt namentlich Cyworld in Korea, Mixi in Japan, die Google-Tochter Orkut in Brasilien und Indien sowie vKontakte in Russland auf. Auf dem chinesischen Markt, wo Facebook noch gar nicht vertreten ist, warten die Platzhirsche Renren, Sina und Tencent. „Einige unserer aktuellen und künftigen Rivalen haben deutlich mehr Ressourcen und eine bessere Stellung in bestimmten Märkten als wir.“

Die Staatsmacht greift durch

Die Regierungen haben Facebook im Blick: „Es ist möglich, dass die Regierungen in einem oder mehreren Ländern die Inhalte von Facebook zensieren oder den Zugang zu Facebook einschränken“, weiß das Unternehmen. Denn das Soziale Netzwerk kann ungeahnte Kräfte entfalten – wie der arabische Frühling zeigte. Die jungen Menschen, die auf die Straße gingen, hatten sich nicht zuletzt über Facebook organisiert. Es habe bereits Zensur unter anderem in Iran, Nordkorea und Syrien gegeben, zählt Facebook auf. Alles große Märkte. In anderen Ländern wie Deutschland musste sich Facebook wiederum Kritik an einem laschen Umgang mit dem Datenschutz vorhalten lassen.

Die Nerds untergraben das Geschäft

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt, ihm gehe es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Er wolle das Netzwerk vorantreiben. Auf diese Linie hat er auch seine mehr als 3000 Mitarbeiter eingeschworen. „Wir haben eine Kultur, die die Mitarbeiter dazu ermuntert, schnell neue Produkte zu entwickeln und sie rasch einzuführen.“ Diese Firmenkultur vertrage sich aber nicht immer mit dem Geschäftlichen, räumt Facebook ein. „Wir treffen regelmäßig Produktentscheidungen, die unseren Umsatz und unsere Profitabilität kurzfristig schmälern können.“

Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hob am Sitz in Menlo Park die Fortschritte im mobilen Geschäft hervor, das als Schwachpunkt gilt. Es könnten über mobile Geräte mehr Menschen erreicht werden und diese würden öfter vorbeischauen als am Computer, sagte er in einer Telefonkonferenz.

Mittlerweile nutzen 604 Millionen Nutzer ihre Smartphones oder Tablet-Computern, um mit ihren Facebook-Freunden in Kontakt zu bleiben. Das sind 61 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Gesamtzahl der monatlichen Nutzer lag zuletzt bei mehr als 1 Milliarde, ein Zuwachs von 26 Prozent. Mehr als die Hälfte davon schaut sogar täglich bei Facebook vorbei.

Die größten Börsengänge der Welt

General Motors

General Motors: 23,1 Mrd. Dollar (2010, USA)

Agricultural Bank of China

Agricultural Bank of China: 22,1 Mrd. Dollar (2010, China)

ICBC

ICBC: 21,97 Mrd. Dollar (2006, China)

Visa Inc

Visa Inc: 19,65 Mrd. Dollar (2008, USA)

NTT Mobile Communications

NTT Mobile Communications: 18,05 Mrd. Dollar (1998, Japan)

Enel SpA

Enel SpA: 16,59 Mrd. Dollar (1999, Italien)

Nippon Telegraph and Telephone

Nippon Telegraph and Telephone: 13,75 Mrd. Dollar (1986, Japan)

Deutsche Telekom

Deutsche Telekom: 12,49 Mrd. Dollar (1996, Deutschland)

Bank of China

Bank of China: 11,19 Mrd. Dollar (2006, China)

Dai-ichi Life Insurance

Dai-ichi Life Insurance: 11,16 Mrd. Dollar (2010, Japan)

Die Nutzer sind der Schatz von Facebook, denn diese Masse macht das soziale Netzwerk für die Werbetreibenden interessant. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 32 Prozent auf 1,26 Milliarden Dolar. Die Werbung machte daran 86 Prozent aus, der Rest ist vor allem Facebooks Anteil an kostenpflichtigen Online-Spielen.

Die Zahlen sind ein Lichtblick für Facebook: Nach dem Börsengang im Mai war die Aktie von 38 Dollar auf bis zu 17,55 Dollar abgestürzt, weil die Sorge Überhand nahm, dass Facebook im mobilen Geschäft kein Geld verdient. Der Smartphone-Bildschirm bietet weniger Platz für Werbung als ein Computermonitor. Doch Facebook steuerte mit neuen Werbeformen gegen. Die aufgezeigte Entwicklung ließ die Anleger hoffen. Nachbörslich kostete das Papier mehr als 21 Dollar.

Von

dpa

Kommentare (4)

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krake

23.10.2012, 23:18 Uhr

Facebook zeigt sein wahres FAKE-FACE! (98 Prozent=FAKE´s!!)

Sebastian

23.10.2012, 23:21 Uhr

Wenn die Aktie jetzt nachbörslich steigt,zeigt dass nur, dass sich viele Altaktionäre ,die zu 45 US-Dollar zeichneten, sich nicht mit ihrem Verlust abfinden wollen und wiederum "gutes Geld dem Schlechten hinterherwerfen".

ein_Liberaler

24.10.2012, 09:24 Uhr

Warum machen Sie immer noch kostenlose Werbung für diese nichtige Bude? Der Jahrmarkt der Eitelkeiten hat es nicht nötig, noch verdient, von der Presse hochgejubelt zu werden. Facebook ist nicht interessanter als die Verklap-pung von Atommüll.Viele deutsche Mittelständler und Start-Ups haben die Aufmerksamkeit und Berichterstattung verdient, nicht dieses abgezockte Nichts.

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