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08.03.2004

08:34 Uhr

Hohe Nettoliquidität

Mobilcom hat wieder eine gut gefüllte Kasse

VonGREGORY LIPINSKI

Die Büdelsdorfer Firma scheiterte bei geplantem Erwerb der Talkline-Gruppe an den Preisvorstellungen des dänischen Mutterkonzerns.

HAMBURG. Der Büdelsdorfer Telekomkonzern Mobilcom AG hat nach eigenen Angaben wieder eine gut gefüllte Kriegskasse. „Wir besitzen eine Nettoliquidität im Konzern in einer Größenordnung von 250 Mill. Euro, die wir aber nur zu einem kleinen Teil für das organische Wachstum einsetzen werden“, erklärte Mobilcom- Vorstandschef Thorsten Grenz. Noch vor etwas mehr als einem Jahr stand Mobilcom knapp vor der Insolvenz.

Von den Barmitteln liegen 113 Mill. Euro bei derTochter Freenet, sagt Grenz. 2004 dürfte das freie Kapital weiter anwachsen. Die Investmentbank Kepler Equities, früher Julius Bär, erwartet 347 Mill. Euro.

Was Mobilcom mit dem Geld anfängt, ist unklar. An Übernahmen scheint Grenz kaum zu denken. „Die Zahl der Zukaufsmöglichkeiten zu vernünftigen Preisen ist begrenzt“, sagt er. Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, hatte Mobilcom im Dezember 2003 noch vergeblich mit der dänischen Tele Danmark über einen Erwerb der Elmshorner Talkline GmbH verhandelt. Doch der Einstieg scheiterte an den Preisvorstellungen der Dänen. Grenz wollte dies nicht kommentieren.

Ein Talkline-Sprecher erklärte, dass der Beschluss der Muttergesellschaft aus dem Dezember 2001 weiterhin gelte, sich von Talkline nicht zu trennen. Er habe keine Kenntnis davon, dass es Gespräche mit Mobilcom gegeben habe.

Ob Mobilcom eine Dividendenzahlung für 2003 aus den Barmitteln zahlt, wollte Grenz nicht erläutern. Thomas Karlovits, Analyst bei Kepler Equities, rechnet hingegen erst mit einer Ausschüttung für 2004. Werner Stäblein, Analyst bei der BHF-Bank, spekuliert indes, dass Grenz ein Aktienrückkaufprogramm startet: „Es ist vorstellbar, dass Mobilcom die freie Liquidität verwendet, um bis zu 10 % des Kapitals vom Großaktionär France Télécom zu erwerben.“ Die Franzosen halten 28,5 % an Mobilcom. Diese hatte zuletzt für 1999 rund 0,19 Euro je Aktie gezahlt.

Um die Kundenbasis zu verbreitern, planen die Büdelsdorfer 2004 die Zahl der Shops auf 240 (200) auszuweiten. „Mit den Läden wollen wir unter anderem unser Ziel für 2004 von 4,4 Mill Kunden erreichen“, sagte Grenz. Dabei geht er von 1,2 Mill. Neukunden aus, um die rund 1 Mill. auslaufenden Verträge zu kompensieren.

Im Kerngeschäft Mobilfunk hat sich Mobilcom 2003 durch den massiven Abbau von 1 250 Stellen sowie die Schließung von drei Standorten gesundgeschrumpft. Finanzkreise erwarten deshalb, dass Mobilcom im Service- Providergeschäft ein positives Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erwirtschaftet. Grenz wollte sich hierzu nicht äußern. Im Geschäftsjahr 2002 hatte Mobilcom hier noch einen Verlust auf Ebitda-Basis von 148,2 Mill. Euro erzielt.

Beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) werde Mobilcom im Kerngeschäft 2003 mit einem leicht negativen Ergebnis abschließen, betonte Grenz. In Finanzkreisen wird hier von einem Fehlbetrag von rund 20 Mill. Euro ausgegangen. In 2002 lag der Betriebsverlust hier noch bei 372,4 Mill. Euro. Mobilcom präsentiert am 16. März die Bilanzzahlen für 2003. Der Mobilcom-Kurs stieg am Freitag um 0,37 % auf 18,80 Euro.

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