Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.04.2013

17:56 Uhr

Home-App für Android

Google geht nicht auf Konfrontation mit Facebook

Nach Android-Smartphones würde Facebook sich auch gerne auf Apples iPhones und Geräten mit dem Microsoft-System Windows Phone ausbreiten. Dafür muss das Online-Netzwerk jedoch erst mit den beiden Firmen verhandeln.

Smartphone-Bildschirm mit der neuen Software Facebook Home. Reuters

Smartphone-Bildschirm mit der neuen Software Facebook Home.

New YorkGoogle wird nicht gegen die neue App Facebook Home vorgehen, mit der sich das Online-Netzwerk in den Vordergrund auf Android-Geräten drängt. Das sagte Verwaltungsratschef Eric Schmidt am Dienstag auf einer Konferenz des Technologieblogs „All Things D“ in New York.

„So funktionieren nun einmal offene Systeme“, betonte Schmidt. Facebook habe die Regeln gelesen und die Möglichkeiten ausgeschöpft. Die neue Software zeige die Möglichkeiten der Android-Plattform. Mit Facebook Home kann man sich unter anderem statt des üblichen Sperrbildschirms die Neuigkeiten seiner Facebook-Freunde anzeigen lassen. Außerdem rückt mit ihr der Chatdienst des Online-Netzwerks in den Vordergrund, über den man in immer mehr Ländern auch telefonieren kann. Damit zieht die App die Aufmerksamkeit von Google-Diensten ab und verwandelt ein Android-Smartphone gewissermaßen in ein Facebook-Handy.

Facebook in Zahlen

Transparenz dank Börsengang

Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

Schon früh profitabel

In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

Werbung als wichtigste Geldquelle

Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

Beispielloses Wachstum

Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

Zuckerberg hat die Kontrolle

Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

Dominant in aller Welt

Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

Keine Chance für StudiVZ

Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

Riese Datenmengen

Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.

Zunächst ist Facebook Home nur für ein halbes Dutzend neue Geräte verfügbar, es sollen aber schnell mehr werden. Allerdings gehört das aktuelle Flaggschiff-Handy von Google selbst, das Nexus 4, derzeit nicht dazu. Zugleich spricht Facebook jetzt auch mit Apple über eine noch tiefere Integration in iPhones und iPads.

Ähnliche Verhandlungen gebe es auch mit Microsoft, sagte Facebooks Produktchef Adam Mosseri in einem Interview der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. „Wir haben ihnen gezeigt, was wir entwickelt haben und wir sind in fortlaufenden Gesprächen.“

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Eine App für Apples iOS-System könnte anders aussehen als die Android-Variante, schränkte Mosseri ein. Da Android ein offenes System ist, konnte das Netzwerk Facebook Home im Alleingang entwickeln. In der iPhone-Welt ist das nicht möglich, weil das iOS-Betriebssystem fest in der Hand von Apple liegt, betonte Chefentwickler Cory Ondrejka schon bei der Ankündigung der App. „Der einzige Weg, wie man einen Dienst tiefgreifend auf iPhone und iPad integrieren kann, ist, mit Apple zusammenzuarbeiten“, sagte er der dpa.

So funktioniert die Facebook-Werbeplattform

Spur im Netz

Ein Facebook-Nutzer informiert sich auf einer Website über ein Produkt. Ein Werbenetzwerk, das mit Facebook kooperiert, installiert einen „Cookie“, eine winzige Datei, die den Besuch dokumentiert. Etwa so: Nutzer interessiert sich für ein bestimmtes Mobiltelefon.

Auktion

Beim nächsten Facebook-Besuch informiert das Unternehmen das Werbenetzwerk. Der Nutzer bleibt dabei anonym. Der Werbedienstleister leitet binnen Sekunden eine Auktion ein. Hersteller bieten dafür, eine Anzeige zu präsentieren. Das beste Gebot bekommt den Zuschlag.

Für Facebook ist Home eine zentrale Säule der neuen mobilen Strategie. Immer mehr der über einer Milliarde Mitglieder greifen auf den Dienst inzwischen von Smartphones und Tablets zu. Facebook muss es schaffen, in großen Stil Geld mit Werbung auch auf diesen Geräten zu verdienen.

Das ist entscheidend für die finanzielle Zukunft des Online-Netzwerks und den schwächelnden Aktienkurs. Zuletzt kam rund ein Viertel der Anzeigenerlöse aus dem mobilen Geschäft. Home ist derzeit werbefrei. Facebook hat aber bereits angedeutet, dass künftig dort auch Werbung erscheinen soll.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×