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28.01.2003

10:40 Uhr

HP-Chefin Fiorina dämpft Hoffnungen

"Nie wieder 40-prozentige Wachstumsraten"

Die Vorstandschefin des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP), Carly Fiorina, rechnet auf Dauer mit einem abgeschwächten Wachstum in der Informationstechnologie-Branche.

HP-Chefin Carly Fiorina

HP-Chefin Carly Fiorina

HB/dpa STUTTGART. „Wir werden niemals mehr zu den Wachstumsraten von 20, 30 oder 40 Prozent zurückkehren“, sagte Fiorina, die als eine von wenigen Frauen an der Spitze eines Weltkonzerns steht, am Dienstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Die IT-Branche hat ein Reifestadium erreicht, das von den Unternehmen Größe und Breite erfordert“, sagte die 48-jährige Topmanagerin. „Der Preisdruck ist unerbittlich. Es wird andauernde Kämpfe zwischen immer weniger und immer fähigeren Mitspielern geben.“ HP hatte im Mai 2002 für 25 Milliarden Dollar (23 Milliarden Euro) den Konkurrenten Compaq übernommen.

Die gesamte Branche werde bei einer normalen Konjunkturentwicklung künftig nur noch etwa doppelt so stark wie das Bruttosozialprodukt zulegen, sagte Fiorina. Für HP strebe sie langfristig Umsatzzuwächse von sieben bis neun Prozent pro Jahr an. „Aber ich bezweifle sehr, dass es in diesem Jahr dazu kommen wird.“ Fiorina betonte, die Aufstellung und die Kostenstrukturen des Unternehmens müssten stets so angepasst werden, dass HP seine Zukunftsinvestitionen in Forschung und Entwicklung von rund vier Milliarden Dollar pro Jahr aufrecht erhalten könne.

Als wichtigsten Trend der Informationstechnologie in den kommenden Jahren sieht Fiorina die Digitalisierung von Abläufen im Privat- und Geschäftsleben. Ein Beispiel sei die Ablösung der klassischen Fotografie durch Digitalkameras, die schneller, flexibler und inzwischen auch besser in der Qualität seien. „Und dieses Beispiel lässt sich auf alle anderen Bereiche der Branche übertragen.“

Die Kunden seien allerdings nicht mehr an dem neuesten technischen Produkt um seiner selbst willen interessiert, sondern an langfristigen Einsparungen durch den Einsatz von Informationstechnologie. Einen großen Bedarf sieht Fiorina im öffentlichen Bereich, beispielsweise in Verwaltungen: „Dort geht es um Sicherheit, mehr Service und mehr Transparenz für die Bürger zu geringeren Kosten. Das funktioniert nur mit IT.“

Mit Sorge blickt Fiorina auf die schwache wirtschaftliche Dynamik in Deutschland. „Die deutsche Wirtschaft ist ein zu starker Motor, um im Leerlauf stecken zu bleiben“, sagte die HP-Chefin. „Für uns besteht derzeit die größte Chance darin, den Marktanteil in Deutschland zu steigern - in einem stagnierenden Markt für Informationstechnologie.“ Für neue Investitionen sei das Land „weniger und weniger wettbewerbsfähig“. Notwendig seien Reformen auf politischer Ebene.

Die Globalisierung der Wirtschaft ist nach Fiorinas Einschätzung unvermeidlich. „Dieser Prozess kann und sollte nicht gestoppt werden“, sagte die Managerin. Es gelte, die Vorteile der Globalisierung für alle Regionen der Welt nutzbar zu machen und Herausforderungen wie etwa den Umweltschutz gemeinsam anzugehen.

HP werde verstärkt Informationstechnologien speziell für die am wenigsten entwickelten Länder anbieten. „Nur 10 Prozent der Menschen auf der Erde können es sich heute leisten, unsere Produkte zu kaufen“, sagte Fiorina. „Wir müssen auch an den Rest denken.“ Zum Beispiel habe HP für Indien ein mit Sonnenenergie betriebenes digitales Fotostudio entwickelt, das lokale Existenzgründer als neues Geschäftsmodell einsetzen. Damit könnten Bürger auf dem Land das für sie vorgeschriebene Passfoto machen lassen, ohne dazu extra in eine Großstadt zu fahren.

Fiorina betonte, dass die Welt durch die Globalisierung auch verwundbarer geworden sei. Terroristen nutzten Netzwerke wie etwa die Verkehrsinfrastruktur oder das Internet für ihre Zwecke. „Solche Netzwerke sind weitreichend, schwer zu kontrollieren und wirken sich auf viele Menschen aus.“ Die Aufgabe von IT-Unternehmen sei es daher, die benutzte Technik vor dem Zugriff Unbefugter besser zu schützen, zum Beispiel durch die Kontrolle von Fingerabdrücken.

HP erzielt Jahresumsätze von rund 75 Milliarden Dollar und gilt nach IBM als zweitgrößter IT-Konzern der Welt. Die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2002/2003 werden am 25. Februar vorgestellt. Fiorina steht seit 1999 an der Spitze des Unternehmens.

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