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06.10.2014

17:56 Uhr

HP spaltet PC-Geschäft ab – zu spät

Und Léo hatte doch Recht

VonAxel Postinett

Einst musste der ehemalige HP-Chef Léo Apotheker seinen Posten räumen, weil er das PC-Geschäft verkaufen wollte. Die neue Chefin Meg Whitman sollte genau das verhindern. Doch auch sie scheitert an diesem Vorhaben.

Léo Apotheker während einer Pressekonferenz: Der ehemalige HP-CEO sieht, wie die neue Chefin Meg Whitman seine Strategie fortsetzt. dapd

Léo Apotheker während einer Pressekonferenz: Der ehemalige HP-CEO sieht, wie die neue Chefin Meg Whitman seine Strategie fortsetzt.

San FranciscoIm Dezember ist es genau zehn Jahre her, seit IBM die Abspaltung und den Verkauf seines PC-Geschäfts an Lenovo bekanntgegeben hat. Dann wird es auch knapp vier Jahre her sein, dass Léo Apotheker als Kurzzeit-CEO von Hewlett Packard diese Radikallösung für HP vorgeschlagen hat und dafür von US-Presse, Analysten und HP-Aufsichtsgremium gesteinigt wurde. Meg Whitman übernahm seinen Posten und blies den PC-Verkauf als erstes einmal ab. Jetzt macht sie am Ende doch noch den Apotheker und gibt zu, wo die wirkliche Weitsicht lag. Sie wird HP aufspalten in einen Bereich aus PC und Printer und einen aus Unternehmenssoftware und -dienstleistungen. Am Ende des Prozesses wird es gut elf Jahre her sein, seit IBM die Signale für eine ganze Branche gesetzt hat.

Es ist eine späte Genugtuung für den unglücklich agierenden, früheren SAP-Co-CEO Léo Apotheker, dessen große Strategie bei HP genau das war, was jetzt kommt. Weg mit dem Hardwaregeschäft, Hinwendung zu Software und Internet. Aber so etwas kann man nicht wie der Elefant im Porzellanladen verkünden. Trotzdem: ironischerweise bekam Whitman ihren Job um nicht das zu machen, was Apotheker machen wollte. Nun macht sie es doch, aber ob das im Jahre 2014 noch funktioniert, das ist die große Frage.

Das vor 75 Jahren in einer Garage in Palo Alto gegründete HP ist ein qualmendes Wrack am Straßenrand. Ohne Unterlass beteuerte Whitman seit 2011 Jahr für Jahr, die Geschäfte werden besser, gleichzeitig stieg die Zahl der Entlassungen aber von rund 10.000 auf zuletzt 55.000. In 2012 versprach sie einen neuen Anlauf im Smartphone-Geschäft, den in 2013 niemand entdecken konnte. Je schwieriger der PC-Markt wurde, desto stärker betonte sie, man werde an dem Geschäft festhalten, welches „niemand so verstehe wie HP“. Heute ist Lenovo die Nummer eins weltweit.

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Meg Whitman soll HP umbauen

Projekt Konzernumbau: Meg Whitman soll HP umbauen

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Das passt alles einfach nicht zusammen. Jetzt kommt das Wrack auf den Schrottplatz und die Aktionäre dürfen sich aussuchen, welchen Teil, wenn überhaupt einen, sie behalten wollen. Sie werden Aktien der „neuen“ Gesellschaften bekommen, beide mit je rund 50 Milliarden Dollar Jahresumsatz auf den ersten Blick Giganten.

Doch die Entscheidung wird nicht leicht sein. Als erstes bleibt abzuwarten, wie die rund 20 Milliarden Dollar Schulden aufgeteilt werden, die trotz immenser Sanierungsmaßnahmen immer noch drücken. Erbitterte interne Verteilungskämpfe werden entscheiden, wer die beste Startposition bekommt. Whitman, die als Chefin des Unternehmensbereichs weitermachen wird, oder Dion Weisler, die die Aufgabe bekommt, den PC-Bereich, der sich zuletzt leicht erholen konnte, über Wasser zu halten.

Das PC-Hardwaregeschäft ist von extremen Margenkämpfen geprägt. Maximale Innovation mit geringstmöglicher Investition ist die Quadratur des Kreises. Nur wer am preisgünstigsten anbietet, hat noch eine Chance. Lenovo hat den Bogen raus, ist mittlerweile nicht nur PC-Marktführer, sondern kauft gerade auch noch das Server-Geschäft von IBM. Dell hat seine Aktien von der Börse genommen, saniert in aller Stille. HP-PCs, ohne das Unternehmensgeschäft im Rücken, werden einen schweren Stand haben.

Kommentare (1)

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Herr Georg Triplos

06.10.2014, 20:48 Uhr

Als Carly Fiorina CEO von HP wurde hat sie versucht dem Unternehmen eine Traumhochzeit zu bescheren.

Doch sie wurde Opfer Ihres eigenen Marketing-Wahns und die Traumhochzeit mit PwC war am Ende noch bevor sie stattfinden konnte.

Es war diese PwC, die kurz danach IBM aufkaufte..!

Es musste schnell ein Ersatz her und der war schnell identifiziert.
Compaq!
Die Firma, die vom Aussterben bedroht war, weil sie nichts mehr zu präsentieren hatte. Keine Innovationen.
Das war die Firma, die es geschafft hatte innovative Unternehmen zu kaufen und sie zu vernichten. (Tandem & Digital)
Compaqs fusionserprobte Manager traten zur Flucht nach vorne. Sie wussten zu gut, wie sie sich aufstellen mussten um Ihre Macht zu erhalten. Das hatten sie schon zwei mal durchgemacht und alle guten Dinge sind bekanntlich drei!!!
Sie hatten es schnell geschafft die "alten" HP-ler von wichtigen Führungsplätzen zu verdrängen und so begann der Untergang.
Hierbei sollte man nicht vergessen, dass Compaq deswegen seinen Wert verloren hatte, weil es NIE geschafft hatte in den Dienstleistungs- und Softwarebereich Fuss zu fasen. Digital wäre damals eine ausgezeichnete Startplattform gewesen aber die "alten" Digital manager waren schnell weg, bzw. hatten keinen Handlungsspielraum. Zu gutmütig und gutgläubig.
Und so kam, was kommen musste. Compaq hat so weitergemacht wie immer, die Digital und Tandem Integrationen waren gescheitert und Compaq wurde zu einem Sanierungsfall.

Diesen Sanierungsfall hat Carly Fiorina übernommen.
Sie hat damit Umsatz und Personal aufgekauft aber auch die noch immer lebendigen Gründe des Scheiterns der Tandem und Digital Übernahmen.
Die Compaq Manager haben das gemacht, was sie immer taten. Taktiert. Sie haben auch HP mit dem "alten" Compaq-Virus infiziert und HP heute genau dahin gebracht, wo Compaq 2002 stand. Vor dem Ruin... Vor dem GLEICHEN Ruin!!!

Hat denn noch niemand, nach über 12 Jahren etwas daraus gelernt?

Schade um das Unternehmen...

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