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17.01.2003

08:37 Uhr

HP und IBM verlieren Marktanteile

Acer und Dell sind Gewinner der Krise

Die Durststrecke der Computer-Hersteller geht weiter: Die Analysten von Dataquest erwarten für das laufende Jahr in Europa ein Wachstum von lediglich sechs bis sieben Prozent. Für die erfolgsverwöhnte Branche ist das äußerst mager. Der US-Konzern Dell sowie Acer aus Taiwan sind die großen Gewinner der Krise.

jojo MÜNCHEN. Der lange erwartete Aufschwung im Computer-Geschäft muss einmal mehr vertagt werden. Mehr als sechs bis sieben Prozent Wachstum seien in Europa auch 2003 nicht zu erwarten, dämpft die Marktforschungsgesellschaft Gartner Dataquest die Hoffnungen der Hersteller. Immerhin: „Dies ist gegenüber dem schwachen Vorjahr bereits eine Verdoppelung“, sagt Dataquest-Analyst Ranjit Atwal. An die zweistelligen Wachstumsraten der 90er Jahre kann die Industrie damit nicht anknüpfen.

Vor allem der Verkauf an Unternehmenskunden macht den Computerbauern zu schaffen. „Die Firmen ersetzen ihre Computer nur, wenn es wirklich nicht mehr anders geht“, bedauert Brian Gammage von Dataquest. Atwal ergänzt: „Es fehlt einfach eine Anwendung, für die Unternehmen neue Computer kaufen müssten.“ Lediglich kleine und mittlere Unternehmen würden nach wie vor stark in neue Computer investieren.

So sind es seit Monaten vor allem Privatleute, die sich mit neuen Maschinen eindecken und für Belebung in der Branche sorgen. Ranjit Atwal: „Viele steigen vom Desktop-PC auf mobile Geräte um, weil diese immer billiger werden.“

Davon profitiert vor allem der taiwanesische Konzern Acer, der im vergangenen Jahr seinen Vertrieb in Europa stark ausgebaut hat. So konnten die Asiaten 2002 rund 20 % Marktanteil gewinnen. Im vierten Quartal hat die Firma in Europa sogar erstmals mehr PC verkauft als der Technologieriese IBM. Dabei hat Acer vor allem mit preisgünstigen Laptops gepunktet.

Auch der US-Konzern Dell hat mit einem aggressiven Marktauftritt mächtig zugelegt. Weltmarktführer Hewlett-Packard (HP) dagegen verlor an Boden. Experten hatten dies wegen der Fusion mit dem Wettbewerber Compaq allerdings erwartet. „Angesichts der enormen Herausforderungen durch den Merger mit Compaq hat HP gar nicht so schlecht abgeschnitten“, heißt es bei Dataquest.

Europas größter Hersteller, Fujitsu Siemens Computers (FSC), musste 2002 leicht Marktanteile abgeben. Dabei hat das Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Fujitsu in Deutschland verloren, im Ausland dagegen Boden gut gemacht.

Die Experten von Dataquest gehen davon aus, dass Acer und Dell auch im laufenden Jahr zu den Gewinnern gehören werden. FSC erwartet nach eigenen Angaben einen weitgehend stabilen Umsatz. Da die Preise weiter fallen, versucht die Firma, kräftig die Kosten zu senken, um den schmalen Gewinn zumindest zu halten. So streichen die Münchener in den kommenden Monaten nochmals 350 Stellen. Bereits vergangenes Jahr mussten 300 Leute gehen.

Die trüben Aussichten der Computerbauer machen auch die Hoffnungen auf einen baldigen Aufschwung in der Halbleiter-Industrie zunichte. Die Computerhersteller sind die größten Kunden von Chipproduzenten wie Intel und Infineon. Vor allem auf dem Speicherchip-Markt liegen die Preise wegen riesiger Überkapazitäten weit unter den Produktionskosten.

Gleichzeitig spüren aber auch Software-Firmen wie Weltmarktführer Microsoft die Schwäche. Fast jeder neu ausgelieferte Computer ist mit einem Betriebssystem der Amerikaner bestückt. Microsoft versucht deshalb seit einigen Jahren, in neue Bereiche vorzudringen, etwa in das Geschäft mit Software für Mobiltelefone oder Autos.

Dataquest-Experte Atwal bezweifelt, dass die Computerindustrie jemals wieder das hohe Wachstumstempo der 90er Jahre erreichen wird. „Das ist jetzt eine erwachsene Branche, da sind sechs bis sieben Prozent Wachstum schon nicht schlecht.“ In der Tat: Die deutsche High-tech-Branche wäre mit solchen Wachstumsraten mehr als zufrieden. Die gesamte Informations- und Telekommunikationsindustrie in Deutschland wird 2002 nach Angaben des Branchenverbands Bitkom um lediglich 0,4 % zulegen.

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