Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.10.2015

23:02 Uhr

IBM kauft Weather Company

Big Blue sagt ab jetzt das Wetter voraus

VonAxel Postinett

IBM übernimmt die gesamten Digitalaktivitäten des US-Wetterprofis Weather Channel – der Sender muss fortan seine eigenen Wetterdaten zurückkaufen. Der Schachzug ist zudem eine kalte Dusche für Amazon.

Die weiteren Aussichten für IBM: Der Computerkonzern stärkt seine Cloud-Pläne mit dem Kauf eines Wetterdienstes. AFP

IBM

Die weiteren Aussichten für IBM: Der Computerkonzern stärkt seine Cloud-Pläne mit dem Kauf eines Wetterdienstes.

San Francisco14 Quartale Umsatzrückgang in Folge: Es sind zweifellos stürmische Zeiten für IBM, so manches Mal schlägt auch der Blitz ein ins Geschäft. Aber muss IBM-Chefin Ginni Rometty deshalb gleich einen Wetterdienst kaufen?

Offenbar schon. Der Abschluss sei Teil einer Gesamtinvestition von insgesamt drei Milliarden Dollar in Cloud-Unternehmen, die Anfang 2015 angekündigt wurde, teilt IBM mit. Zum Kaufpreis schweigt die Computerfirma mit dem Spitznamen „Big Blue“.

The Weather Company ist im Grunde bereits ein Unternehmen des Zukunftsmarktes „Internet-of-Things“ (IoT). Über drei Milliarden Sensoren und Wetterbeobachtungspunkte, darunter Wetterdaten von 50.000 Flügen, liefern heute schon ganze Gigabytes an Daten pro Tag in die Cloud-Speicher.

Neues Milliardengeschäft: IBM und Apple stürzen sich auf Krankendaten

Neues Milliardengeschäft

IBM und Apple stürzen sich auf Krankendaten

Mit Künstlicher Intelligenz gegen Krebs und Diabetes: IBM gründet eine Firma, die mit 2000 Mitarbeitern Gesundheitsinformationen aus verschiedensten Quellen auswertet. Auch die Daten von iPhone-Nutzern sollen einfließen.

Diesen Datenschatz will IBM nun mit seiner jüngst gegründeten IoT-Sparte rund um den selbstlernenden Supercomputer Watson heben. Watson soll in Zukunft die Wetterdaten analysieren und den über 5000 IBM-Geschäftskunden dann auch Vorschläge für Handlungsoptionen unterbreiten.

Damit erweist sich der Kauf als eine ideale Ergänzung für die Großkundenangebote bei IBM. Zum Beispiel könnte das Unternehmen mit Hilfe von Watson nun Hinweise an Versicherungen schicken, in welchen Gegenden mit Glatteis oder Hagel zu rechnen ist. Diese wiederum könnten dann ihre Kunden warnen und damit Schadensfälle verhindern. Schließlich belaufen sich nach Berechnungen von IBM allein die Schäden durch normale Wetterphänomene wie Gewitter oder Schneefall auf rund 500 Milliarden Dollar.

Der Weather Channel läuft in den USA nicht nur rund um die Uhr im Fernsehen, sondern er liefert zudem auf digitalem Wege täglich 26 Milliarden Wettervorhersagen aus. Die Wetter-App des Fernsehkanals ist die viertmeist genutzte App in den USA. Die Übernahme bringt IBM deshalb auch ein Netzwerk mit 82 Millionen monatlichen Nutzern zur Werbevermarktung ein.

IBM übernimmt alle Digitalaktivitäten des Wetterdienstes. Das umfasst die Webseite, alle Cloud-Aktivitäten, die Marke „The Weather Company“, das digitale Privatkundengeschäft sowie die Sparte WSI, die Wettervorhersagen für Industriekunden von Reedereien über Getränkehersteller bis Flughafenbetreiber erstellt.

Das eigentliche TV-Netzwerk Weather Channel dagegen lässt IBM links liegen. Schließlich ist IBM kein Medienunternehmen und will es auch nicht sein. Wer heute wissen will, wie das Wetter wird, der wirft eben einen schnellen Blick auf das Smartphone, statt den Fernseher einzuschalten. Der Sender bleibt deshalb in der Hand der Verkäufer, einem TV-Netzwerk und zwei Hedgefonds. Und der Fernsehkanal muss jetzt seine eigenen Daten von IBM zurückkaufen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×