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30.03.2006

22:15 Uhr

IG Metall beäugt Prozess kritisch

SAP bekommt bald einen Betriebsrat

„Wir haben einen Wahlvorstand“, berichtete ein SAP-Sprecher am Donnerstag nach einer Betriebsversammlung in der Zentrale des Konzerns in Walldorf bei Heidelberg.

HB STUTTGART. Der größte europäische Softwarekonzern SAP bekommt nun doch erstmals einen Betriebsrat. Neun Mitarbeiter seien von den gut 3 200 anwesenden Beschäftigten in das Gremium gewählt worden, das nun die Betriebsratswahl innerhalb der nächsten vier bis acht Wochen vorbereiten soll. Der Vorstand - aber auch die meisten Mitarbeiter - hatten sich lange gegen die Einrichtung des Gremiums gewehrt, das einige Beschäftigte mit Hilfe der IG Metall gerichtlich erzwingen wollten.

Unternehmenskreisen zufolge gehören dem Wahlvorstand alle acht Arbeitnehmervertreter im SAP-Aufsichtsrat an, die sich seit 1988 als auch vom Vorstand legitimierte Interessenvertretung der inzwischen 36.000 Mitarbeiter weltweit sieht. Die drei SAPler, die Anfang März den ersten, zunächst gescheiterten Vorstoß unternommen hatten, seien dagegen nicht gewählt worden. Der SAP-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. „Der Wahlvorstand kommt aus der Mitte des Unternehmens“, sagte er nur.

Auf einer Betriebsversammlung Anfang des Monats hatten sich 91 Prozent der Mitarbeiter gegen die Wahl eines Betriebsrats ausgesprochen. SAP pocht auf eine besondere Firmenkultur, die ohne die nach dem Betriebsverfassungsgesetz vorgesehenen Gremien auskommt. Als sich die Wahl dennoch juristisch nicht verhindern ließ, nahmen die acht Arbeitnehmervertreter im SAP-Aufsichtsrat den Prozess selbst in die Hand. Vorstandschef Henning Kagermann sagte, es solle ein Betriebsrat „aus der Mitte des Unternehmens entstehen, der sich der Firmenkultur verpflichtet fühlt“.

IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Bernd Knauber, der die ursprüngliche Initiative unterstützt hatte, bewertete in Heidelberg die Wahl als „sehr positiv und als einen Schritt in die richtige Richtung“. Allerdings bleibe abzuwarten, wie das Gremium seine Rolle ausfüllen werde. „Die bisherige Arbeitnehmervertretung hat ihre Rolle nicht so ernst genommen, wie ich es mir gewünscht hätte“, sagte er. IG Metall und Verdi hatten in den vergangenen Jahren mehrfach vergebliche Anläufe zu einer Betriebsratswahl bei SAP genommen.

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