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27.02.2014

18:29 Uhr

In eigener Sache

Viele Leser begrüßen den Schritt aus der Anonymität

Wir wollen mehr Debattenkultur, Offenheit und Toleranz. Unsere Entscheidung, nur noch registrierte Nutzer kommentieren zu lassen, wird bislang überwiegend positiv aufgenommen.

Wir bitten unsere Leser, aus der Anonymität hervorzusteigen. Die meisten Reaktionen darauf sind positiv. Reuters

Wir bitten unsere Leser, aus der Anonymität hervorzusteigen. Die meisten Reaktionen darauf sind positiv.

DüsseldorfEhrlich gesagt: Wir hatten mit mehr Protest gerechnet, als wir uns entschlossen, die Kommentarfunktion auf Handelsblatt Online in Zukunft nur noch registrierten Nutzern anzubieten. Doch die Reaktionen auf unsere Ankündigung sind bisher tendenziell positiv.

Der Schritt ist uns nicht leicht gefallen, viel Überlegung stand dahinter. Denn in jedem Fall sind wir an einer Debatte rund um unsere Berichterstattung und an der Meinung unserer Leser sehr interessiert. Die Erfahrung hat aber leider häufig gezeigt, dass selbst unter erwachsenen Menschen eine sachliche Diskussion nicht immer möglich ist. Wo es an Argumenten fehlt wird gelegentlich im Schutz der Anonymität beleidigt, diffamiert und digital so viel Lärm erzeugt, dass von der eigentlichen Debatte nicht mehr viel übrig bleibt. Viele unserer Leser fühlten sich dadurch gestört.

In eigener Sache: Gehört wird, was sich gehört

In eigener Sache

Gehört wird, was sich gehört

Demokratie und Meinungsfreiheit brauchen Offenheit und Toleranz. Handelsblatt Online stellt um: Kommentare von registrierten Leserinnen und Lesern sind willkommen.

Umso mehr freuen wir uns über die größtenteils positiven Rückmeldungen unter unseren Artikeln und im Kurznachrichtendienst Twitter, wo unser Entschluss diskutiert wird. „Eine gute Entscheidung und längst überfällig“, nennt etwa Kommentator Martin Zühlke die Neuerung. Beleidigungen und Verschwörungstheorien hätten in letzter Zeit ein unerträgliches Maß angenommen.  Auch Leser Klaus Matern begrüßt den Schritt. „Große Klappe haben, uns sich hinter einem Pseudonym verbergen kann jeder. Dadurch ist doch der Meinungsmanipulation Tür und Tor geöffnet. Ich stehe zu meiner Meinung. Das ist doch hier kein Flirtportal“, schreibt er. „Ein guter Ansatz“, schreibt Nutzer „wachsamer“, der sich aber sofort als Gregor Scharf zu erkennen gibt. Sein Grund für Klarnamen: „Die Anonymität hat doch zu viele dazu verleitet, hier ihren ganz persönlichen Frust abzulassen oder sich ganz bewusst einfach nur ein wenig Streit zu suchen.“

Auch im Kurznachrichtendienst Twitter sind wir Gegenstand der Diskussion. Gunnar Jans fragt: „Das Handelsblatt lässt nur noch registrierte Nutzer mit Klarnamen kommentieren. Keine anonymen Pöbeleien mehr. Gangbar für alle?“

Zahlreiche Twitterer diskutieren mit. Die meisten äußern den Wunsch nach mehr Debattenkultur. So zum Beispiel Wolfgang Krüll: „richtig und gut !!! der anonyme wahnsinn in deutschland muss aufhören“ (sic!), schreibt er.

Andere Nutzer sehen unsere Entscheidung etwas zwiespältig. Einerseits begrüßen sie den Versuch, mehr Qualität und Sachlichkeit in die Debatte zu bekommen. Andererseits wünschen Sie keine Pflicht zum Klarnamen. „Ich empfehle Ihnen aber dringend den sogenannten Nickname auf Wunsch des Users beizubehalten“, schreibt Kommentator „behling100“. Den Wunsch nach Anonymität begründet er mit dem Datenschutz und der Sorge vor Nachteilen bei der Arbeitssuche. „So ist es in Personalabteilungen schon lange üblich, auch Bewerber im Vorwege zu googeln“, schreibt er. Nutzer „framu“ hält es mit Oscar Wilde. „Gib einem Menschen eine Maske und er wird Dir die Wahrheit sagen“, schreibt er. Er wünscht sich statt Registrierungspflicht und Klarnamen lieber technische Möglichkeiten, um Störer und Trolle zu stoppen.

Mit unserer Entscheidung hin zu mehr Offenheit in der Debatte stehen wir übrigens nicht alleine dar. Mehr und mehr Nachrichtenseiten lassen nur noch Kommentare von registrierten Nutzern zu. Auch Google hat erst jüngst die Kommentarfunktion des für seine unterirdische Debattenqualität bekannten Videoportals Youtube umgestellt. Dort können Nutzer nun nur noch kommentieren, wenn Sie registriert und angemeldet sind. Also: Registrieren Sie sich. Handelsblatt Online Chefredakteur Oliver Stock lädt Sie auch weiterhin ein, sich mit Ihrem Namen anzumelden und uns und den anderen Lesern Ihre Meinung zu sagen. Falls Sie noch kein registrierter Nutzer sind: Hier geht es zur Anmeldung.

Von

tsn

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

27.02.2014, 19:20 Uhr

Die Entscheidung passt in unsere Zeit. Sie ist ein Schritt Richtung Demokratieabbau. So wie anonyme Anzeigen mit Mißfallen gesehen werden, so auch anonyme Meinungsäußerungen.
Wo führt das hin? Schlussendlich wird es wie in allen Diktaturen: Wer eine mißliebige Meinung vertritt kann dann offen bekämpft werden. Dies bedeutet hierzulande z.B. Jobverlust. Welcher Arbeitnehmer kann es sich beispielsweise leisten, seinen Chef zu kritisieren. Bereits heute durchforsten Peronalchefs das Netz nach Hinweisen über potentielle oder vorhandene Arbeitnehmer. Die werden dann auch hier fündig.

Demokratie Ende, Diktatur der Reichen eben!

Account gelöscht!

27.02.2014, 19:33 Uhr

Der Kommentarbereich des HB war vor 2 Jahren noch recht offen. Seitdem wird dieser immer mehr eingeengt. Gerade Sozialismus- und ökokritische Kommentare werden gerne zensiert.

Eine gewisse Anonymität ist sehr hilfreich. Links- und Oekoradikale schrecken nicht davor zurück Vertreter unpassender Ansichten Schwierigkeiten zu bereiten. Eine Rechtsanwältin aus Landshut hatte unter Klarnamen in der FAZ zahlreiche Sozialismus- und Oekokritische Kommentare veröffentlich und erhielt böse E-mails und Anrufe.

Account gelöscht!

27.02.2014, 19:43 Uhr

@Holger29
Das ist nicht grundsätzlich falsch, was Sie da schreiben. Aber mir sind hier immer wieder zahlreiche Kommentare aufgefallen, die in völlig unbegründeter, lächerlicher Weise einen Hass auf die USA reflektiert haben. Alle nicht angemeldet. Es ist immer mein Verdacht gewesen, dass hier einige wenige unter einer Vielzahl von Nicks geschrieben haben. Muß man sich deren Müll wirklich antuen?

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