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30.06.2016

00:26 Uhr

Indien und das Freedom 251

Das Drei-Euro-Smartphone kommt

VonFrederic Spohr

Im Februar kündigte ein indischer Hersteller das billigste Smartphone der Welt an. Jetzt sollen überraschend die ersten Geräte des Freedom 251 ausgeliefert werden. Doch die Zweifel am Geschäftsmodell bleiben.

Damals wurde einfach ein älteres Smartphone-Modell überklebt. dpa

Präsentation des Freedom 251 im Februar

Damals wurde einfach ein älteres Smartphone-Modell überklebt.

BangkokDie Nachricht versetzte Indien kurzzeitig in Euphorie: Der bis dato vollkommen unbekannte indische Hersteller Ringing Bells versprach im Februar, ein Smartphone für umgerechnet rund 3,30 Euro herauszubringen. Doch die Begeisterung schlug wegen zahlreicher Ungereimtheiten schnell in Wut und Häme um. Kaum jemand rechnete noch mit einem Erfolg des Vorhabens.

Ohne alle Fragen klären zu können, meldet sich der Hersteller Ringing Bells jetzt wieder zu Wort: Die ersten Smartphones vom Typ Freedom 251 seien fertig produziert, verspricht Firmenchef Mohit Goel. Einer Redakteurin des britischen TV-Senders BBC drückte er auch gleich ein Testgerät in die Hand. Ihr Fazit: „Es scheint wie ein normales Smartphone zu funktionieren.“ Wegen weniger installierter Apps sei ein Test allerdings nur eingeschränkt möglich gewesen.

Indien in Zahlen

Bruttoinlandsprodukt

1,877 Milliarden US-Dollar: Indien gehört neben Russland und China zu den drei größten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2013/2014 laut Auswärtigem Amt bei 1.229 US-Dollar.

Wirtschaftswachstum

6,8 Prozent im Jahr 2014: Die Wirtschaft ist weitgehend liberalisiert und das Wachstum seit Jahren auf recht hohem Niveau. Der Export stieg im Jahr 2012 um 20 Prozent.

Handelsvolumen mit Deutschland

16.1 Milliarden Euro: Die Bundesrepublik ist der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der EU. Der deutsche Handelsüberschuss lag 2012/13 bei 3,4 Milliarden Euro. Der Warenwert der Exporte nach Deutschland lag bei gut 9 Milliarden.

Kredite

1 Milliarde Euro Kredit kamen im Jahr 2013 allein aus Deutschland. Vorgesehen sind sie für Investitionen in erneuerbare Energien und andere nachhaltige Projekte der Energieeffizienz.

Migration

3.000 zu 45.000: Laut Auswärtigem Amt sind ca. 3.000 Deutsche in Indien ansässig, arbeiten in der Wirtschaft, im Bildungswesen, in Kultur und Missionen. Deutlich mehr Inder zieht es nach Deutschland; rund 45.000 leben in der BRD.

Einwohner

1,2 Milliarden: Die Gesellschaft höchst gegensätzlich: fortschrittsorientiert und traditionell, arm und reich.

Armut

820 Millionen in Armut: Davon gelten laut Weltbank fast 35 Prozent als absolut arm. Armuts- und Wirtschaftswachstum scheinen in Indien Hand in Hand zu gehen. In keinem anderen Land leben mehr Menschen in absoluter Armut, es sind mehr als in ganz Afrika. Sozialprogramme der Regierung greifen nur bedingt.

Landesfläche

3.287.000 Quadratkilometer: Das entspricht gut neunmal der Fläche Deutschlands.

Zumindest auf dem Papier hat das Freedom 251 für seinen niedrigen Preis beeindruckende Leistungsmerkmale: Das Android-Smartphone mit einem 4-Zoll-Display verfügt über je eine Kamera auf der Vor- und Rückseite, ein Gigabyte Arbeitsspeicher, einen Speicherplatz von acht Gigabyte, der auf 32 Gigabyte erweiterbar ist, und einen Quadcore-Prozessor.

Sollte Ringing Bells tatsächlich erfolgreich sein, würde das den indischen Handy-Markt revolutionieren. 2015 besaßen laut einer Analyse des schwedischen Technologie-Unternehmens Ericsson erst rund 200 Millionen der rund 1,2 Milliarden Inder ein Smartphone. Ein Gelingen wäre auch im Interesse der indischen Regierung, die mit ihrer Kampagne „Digital India“ den Subkontinent ins 21. Jahrhundert befördern will. Zahlreiche Projekte, wie beispielsweise die Eröffnung von Bankkonten für arme Bauern, könnten deutlich schneller erreicht werden.

Doch nun stiftet Ringing Bells wieder Verwirrung. Erst hieß es, die ersten Geräte würden am 28. Juni verschickt, dann wurde der 30. Juni genannt. Jetzt sollen die ersten Kunden das Freedom 251 am 6. Juli erhalten.

Chaos hat bei der jungen Firma Tradition: Bei der Ankündigung im Februar präsentierten die Macher ein altes Smartphone einer anderen Marke und überklebten einfach deren Logo. Die Bestell-Website brach regelmäßig zusammen. Schließlich geriet das Unternehmen sogar ins Visier von Ermittlern – bisher jedoch ohne Konsequenzen. Um Betrugsvorwürfe auszuräumen, überwies das Unternehmen alle Zahlungen der Kunden wieder zurück.

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