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21.01.2008

09:53 Uhr

Inside: AMD

Die Freude über den Verlust

VonJoachim Hofer

Am vergangenen Donnerstag verkündete AMD einen Quartalsverlust von 1,7 Milliarden Euro, dennoch stieg die Aktie. Ein Rätsel? Mitnichten. Denn anders als beim ewigen Rivalen und Marktführer Intel sind die Analysten bei AMD schon zufrieden, wenn ein Ende der roten Zahlen absehbar ist - und das ist jetzt tatsächlich der Fall.

MÜNCHEN. Manchmal ist schwer zu verstehen, wie die Anleger auf Unternehmenszahlen reagieren. Nehmen wir nur das Beispiel von AMD und Intel, der zwei Rivalen im Geschäft mit Prozessoren. Die kleinen Halbleiter sind das Gehirn eines jeden Computers. Intel legte vergangenen Dienstag beachtliche Zahlen für das abgelaufene Quartal vor: Der Umsatz kletterte um mehr als zehn Prozent, der Gewinn um über die Hälfte. Trotzdem stürzte der Aktienkurs um zwölf Prozent ab.

Ganz anders AMD. Der Konzern aus Kalifornien verkündete am Donnerstag einen Quartalsverlust von mehr als 1,7 Milliarden Dollar. Eine gewaltige Summe. Was passiert daraufhin? Der Kurs steigt.

Ein Rätsel? Keineswegs, denn beim seit Jahren erfolgreichen Marktführer Intel hatten die Investoren einfach noch bessere Zahlen erwartet. Außerdem war der Ausblick verhalten. Bei AMD hingegen haben die Anleger mit einem viel höheren Verlust gerechnet.

Während die Analysten bei Intel stets enorme Ansprüche stellen, sind sie bei AMD schon zufrieden, wenn ein Ende der roten Zahlen absehbar ist. Und das ist jetzt tatsächlich der Fall. Denn der Riesenverlust hängt hauptsächlich mit einer Wertberichtigung von rund 1,7 Milliarden Dollar auf den Kauf des Grafikchipherstellers ATI zusammen. Im angestammten Geschäft mit PC-Prozessoren dagegen war AMD wieder profitabel.

Das ist nicht selbstverständlich, denn in den vergangenen Jahren ist AMD immer wieder in die roten Zahlen gerutscht. Oft waren es hausgemachte Fehler, die dazu führten. In den letzten Monaten kämpfte das Unternehmen zum Beispiel mit Lieferverzögerungen seiner wichtigsten Produktneuheit des Jahres 2007, dem Vierkern-Prozessor "Barcelona". Den leistungsstarken Chip für Großrechner hatten die Amerikaner zwar im Sommer vorgestellt, konnten die Kunden dann aber nicht wie geplant bedienen.

Mitte November hat das US-Unternehmen schließlich den Hoffnungsträger "Spider" auf den Markt gebracht. Dies ist die erste Plattform, auf der AMD Hauptprozessor und Grafikkarten integriert hat. Die Grafikbausteine stammen dabei von ATI. "Wir sind die einzige Firma, die so eine integrierte Lösung anbieten kann. Intel fehlen die Möglichkeiten einer solchen Optimierung", heißt es stolz bei AMD.

Allerdings muss das Unternehmen nun beweisen, dass die Kunden dafür auch bereit sind zu zahlen. Denn ATI hat 5,6 Milliarden Dollar gekostet - viel Geld für eine Firma, die bis jetzt AMD jetzt nur gigantische Verluste beschert hat.

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