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03.01.2007

15:01 Uhr

Inside: Axel Springer

Fragiles Glück im Ausland

VonH.-P. Siebenhaar

Mit seinem Widerstand hatte das Kartellamt vor knapp einem Jahr die Übernahme des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 durch Axel Springer verhindert. Im Nachhinein erscheint der geplatzte Kauf fast wie ein Glücksfall für den Printkonzern.

DÜSSELDORF. Hollywood-Milliardär Haim Saban hat sich beim Kartellamt nochmals ausdrücklich bedankt, als er vor kurzem den Verkauf seines Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 an die beiden Finanzinvestoren KKR und Permira besiegelte. Denn die Bonner Wettbewerbshüter hatten mit ihrem Widerstand die Übernahme der Sendergruppe durch den Printkonzern Axel Springer vor knapp einem Jahr erfolgreich verhindert.

Für Haim Saban hat sich die Entscheidung als höchst lukrativ erwiesen. Denn er konnte später Pro Sieben Sat 1 rund eine halbe Milliarde Euro teurer verkaufen. Für Springer-Chef Mathias Döpfner war es hingegen die bisher größte Niederlage.

Knapp zwölf Monate danach erscheint die geplatzte Übernahme fast wie ein Glücksfall für Springer. Denn erst sie veranlasste den „Bild“-Konzern, sein Heil im Ausland zu suchen. So stieg Döpfner bei der türkischen Fernsehgruppe Dogan TV mit 25 Prozent ein. Außerdem beteiligte sich der engste Vertraute der Verlegerwitwe Friede Springer mit 25 Prozent am polnischen Fernsehkonzern Polsat. Zuletzt hatte der gelernte Zeitungsredakteur den Schweizer Zeitschriftenverlag Jean Frey („Bilanz“, „TV Star“ „Beobachter“) übernommen.

Die Kasse für weitere Zukäufe ist bei Springer immer noch gut gefüllt. Experten gehen davon aus, dass noch rund 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Die drei Engagements im Ausland haben schließlich zusammen nur rund ein Viertel des geplanten Kaufpreises von Pro Sieben Sat 1 gekostet. Für Polsat hatte Springer Anfang Dezember 250 Millionen Euro gezahlt. Zuvor hatte sich der Konzern für 375 Millionen Euro an Dogan TV beteiligt. Die Übernahme von Jean Frey kostete 87 Millionen Euro.

Doch Döpfner muss aufpassen, sich bei seiner publikumswirksamen Einkaufstour quer durch Europa nicht zu vergaloppieren. Denn weder in der Türkei noch in Polen hat er als Minderheitsgesellschafter große Mitspracherechte. Er ist auf Gedeih und Verderb seinen Partnern, den Medienunternehmern Aydin Dogan und Zygmunt Solorz, ausgeliefert. Ob sich die Zukäufe wirtschaftlich dauerhaft auszahlen, wird sowieso noch zu beweisen sein. Wie riskant und kompliziert Beteiligungen in TV-Wachstumsmärkten sind, davon kann der Konkurrent RTL Group ein Lied singen.

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