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02.01.2008

11:43 Uhr

Inside: Motorola

In der Zwickmühle

VonJens Eckhardt

Ein Sack voller Probleme: Wenn Gregory Brown, 47, heute ins Chefbüro von Motorola einzieht, übernimmt er von seinem Vorgänger Ed Zander, 60, ein lahmendes Unternehmen und eine schwache Produktpalette. Derzeit bereitet vor allem der wichtigste Geschäftsbereich des traditionsreichen Technologiekonzerns Sorgen.

PORTLAND. Die wichtigste Konzernsparte, Mobiltelefone, hängt am Fliegenfänger, die Ergebnisse sind schlecht, der Aktienkurs lahmt und in New York wetzt Großanleger Carl Icahn die Messer. Icahn, mit 3,3 Prozent der Anteile der drittgrößte Motorola-Aktionär, fordert seit geraumer Zeit die Aufspaltung des traditionsreichen Technologiekonzerns. Während Zander sich bislang dagegen sperrte, könnte sich das neue Management flexibler zeigen. Icahns rosige Rechnung, wonach die Einzelteile um die Hälfte mehr Wert wären als der ganze Konzern, dürfte indessen kaum aufgehen.

Motorola hat noch drei große Bereiche: Handys, Mobilnetzwerk-Ausrüstungen sowie die „Home and Networks Division“, die Kontrollboxen fürs Kabelfernsehen und Geräte für Telekom-Festnetze liefert. Bei Radio- und Sprechfunkausrüstungen für Regierungsstellen, vor allem für Katastrophenschutz und innere Sicherheit, hat Motorola ein Fast-Monopol. Doch das lukrative, wachsende Geschäft ist nach Umsatz der kleinste Bereich.

Die Handy-Sparte, der bei weitem wichtigste Geschäftsbereich, krankt. Motorola ruhte sich zu lange auf dem rauschenden Erfolg des Razr-Handys aus und verschlief den Trend zu kompakten Smarthandys. Im dritten Quartal brach der Umsatz ein: Aus 843 Millionen Dollar Betriebsgewinn wurden 248 Millionen Dollar Verlust.

Icahn argumentiert, dass Motorola das Handy-Geschäft für 20 Milliarden Dollar, dem Äquivalent eines Jahresumsatzes, abstoßen und die beiden übrigen Konzernteile für 29 Milliarden Dollar versilbern könnte. Zusammen mit dem Kassenbestand von 4,2 Milliarden Dollar ergäbe das einen Wert von 24 Dollar pro Aktie, fast 50 Prozent mehr als der gegenwärtige Kurs.

Wer würde aber so viel Geld für ein lahmes Unternehmen mit schwacher Produktpipeline und mächtigen Konkurrenten zahlen? Um die Handysparte überhaupt verkaufsfähig zu machen, müsste Motorola kräftig investieren und erfolgreiche neue Handys auf den Markt bringen. Dann wäre aber ein Verkauf nicht mehr sinnvoll, Icahn könnte allenfalls noch mit einem Spekulationsgewinn rechnen.

Zander, noch bis zur Hauptversammlung im Mai Vorsitzender des Verwaltungsrates und danach bis Januar 2009 für über 15 Millionen Dollar pro Jahr strategischer Berater von Konzernchef Brown, übergibt ein stark geschwächtes Unternehmen.

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