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03.01.2008

08:38 Uhr

Inside: Qimonda

Im freien Fall

VonJoachim Hofer

Es ist kaum zu glauben, was dem Münchener Speicherchiphersteller Qimonda 2007 widerfahren ist. Innerhalb eines Jahres sind die Preise, die Qimonda für Speicherchips, so genannte Drams, erzielt, um 80 Prozent eingebrochen. Die Hersteller der Chips leiden schwer unter dem enormen Einbruch - nun versucht Qimonda die Produktionskosten zu senken.

MÜNCHEN. Auf dem Weltmarkt zahlen die Kunden derzeit etwa einen Dollar für einen Standard-Dram-Chip, wie ihn Qimonda produziert. Analysten gehen aber von Produktionskosten aus, die bei drei Dollar liegen. Dabei haben es die Dram-Hersteller gleich doppelt schwer, denn die Anbieter können nicht einfach die Produktion zurückfahren, um die Verluste einzudämmen. Ein Speicherchip-Werk läuft - oder es steht. Die Abläufe sind so komplex, dass es Wochen dauert, die Fertigung einzustellen oder wieder in Gang zu bringen. Deshalb produzieren die meisten Anbieter in schlechten Zeiten unter Volldampf weiter.

Qimonda hat in den vergangenen Quartalen wegen des Preisverfalls hohe Verluste eingefahren. Unklar ist aber, wie es nun weiter geht. Experten rechnen damit, dass die Preise leicht steigen werden, weil wichtige Anbieter in Taiwan ihre jährliche Inspektion der Maschinen beginnen und damit weniger produzieren.

Qimonda, die frühere Infineon -Sparte, versucht seit langem, von den heftigen Preisausschlägen unabhängiger zu werden und sich breiter aufzustellen. Denn die niedrigen Preise betreffen vor allem die Chips, die Qimonda an die Computerindustrie verkauft. Besser sieht es hingegen im Geschäft mit den Herstellern von Unterhaltungselektronik oder den Mobilfunkern aus.

Aber Qimonda steht mit dieser Strategie nicht alleine da. Und auch die Konkurrenz arbeitet unter Hochdruck daran, die Produktion günstiger zu machen. Qimonda produziert darüber hinaus viel in Europa. Wegen des starken Euros drückt das auf den Ertrag. Denn auf dem Weltmarkt wird in Dollar gehandelt. Zudem ist der Konzern im Geschäft mit Flash-Speicherchips gar nicht vertreten. Doch in der Computerbranche werden Flash-Halbleiter immer öfter eingesetzt, um Festplatten zu ersetzen. Experten rechnen damit, dass der Markt in den nächsten Jahren boomt.

Noch ist es aber zu früh, Qimonda verloren zu geben. Der koreanische Konkurrent Hynix hat bewiesen, dass in dieser Branche auch schwer angeschlagene Unternehmen wieder auf die Beine kommen können. Allerdings ist Hynix stark vom Staat gestützt worden, um eine Pleite abzuwenden. Eine solche Rückendeckung hat Qimonda hierzulande nicht zu erwarten.

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