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16.01.2007

15:02 Uhr

Inside: SAP

Modellwechsel mit Folgen

VonJens Koenen

Der Softwarekonzern SAP schreibt miese Zahlen. Gleichzeitig wird einer Vertragsverlängerung von Vorstandschef Henning Kagerman vorzeitig der Weg bereitet. Gibt es da womöglich einen Zusammenhang? Ja und Nein.

FRANKFURT. Beginnen wir mit dem Nein. Kagermanns Zukunft steht sowieso in diesen Wochen zur Diskussion. Personelle Entscheidungen auf der höchsten Managementebene stehen bei SAP traditionell zu Jahresbeginn auf der Tagesordnung des Aufsichtsrats. Das ist bekannt, und so wäre in den nächsten Wochen mit Sicherheit eine Welle an Spekulationen und Gerüchten über den weltgrößten Anbieter von Firmensoftware hereingebrochen.

Eine solche Phase ist aber für jedes Unternehmen kritisch. In anderen Fällen wurden auf diesem Weg schon Manager abgeschossen, ehe sich die Gremien überhaupt mit den Personalien befasst hatten. Um das zu vermeiden, war es nur logisch, rechtzeitig Druck aus dem Kessel abzulassen.

Noch dazu mag es sein, dass die enttäuschenden Zahlen nichts mit SAP, sondern mit einer allgemeinen Investitionszurückhaltung der Kunden zu tun haben. Schließlich hat auch der SAP-Rivale Oracle in seiner Firmensoftwaresparte nicht gerade brilliert. Allerdings – und das gibt Anlass zu Zweifeln an einer solchen Interpretation – stehen dem die Erkenntnisse renommierter Marktforscher entgegen. So läuft das Geschäft mit Firmensoftware derzeit rund. Auch im gerade begonnenen Jahr sieht es gut aus – die Experten von IDC erwarten weltweit ein Marktwachstum bei Software von immerhin acht Prozent.

Es wäre also naiv, jegliche Verbindung zwischen der Personalie Kagermann und der aktuellen Geschäftsentwicklung von SAP zu leugnen. Allerdings reicht diese weit über die schnell vergänglichen Quartalszahlen hinaus, ist eher langfristiger Natur.

Die enttäuschenden Zahlen haben nämlich eines wieder ins Gedächtnis gerufen: Der Walldorfer Softwareriese befindet sich immer noch in der Übergangsphase von alter zu neuer Technologie. Seine alten, monolithischen Programme werden von neuen, modular aufgebauten Systemen abgelöst.

Dass es in solchen Zeiten hier und da klemmt, ist normal. Auch ein Automobilkonzern spürt die letzten Wochen und Monate vor einem Modellwechsel bei den Absatzzahlen. Warum sollten die Gesetze des Marktes bei Software anders funktionieren?

Die Transformation der SAP wird noch bis Ende des Jahres dauern. Dann ist die komplette Produktpalette auf die neue Technologieplattform gehoben. Grob fahrlässig wäre es deshalb, mitten im Rennen die Pferde zu wechseln.

Zumal SAP-Chef Kagermann gerade wegen der jüngsten Zahlen mehr denn je in der Pflicht ist, zu beweisen, dass der Strategieschwenk richtig war. So sticht ins Auge, dass das wichtige Geschäft mit Softwarelizenzen in Nordamerika so schwach ausgefallen ist wie seit zwei Jahren nicht mehr. Das könnte auf eine erstarkende Konkurrenz hindeuten. Branchenkenner warnen schon seit längerem, dass die neue modulare SAP-Welt den Wettbewerbs- und damit auch den Preisdruck auf die Walldorfer erhöhen könnte.

Noch hat SAP freilich nur erste Eckdaten vorgelegt, ein abschließendes Urteil ist also noch nicht möglich. Schon jetzt stellt sich allerdings eine ganz andere, zentrale Frage: Kann SAP die Skeptiker und Zweifler am Ende mit einem Vorstandschef überzeugen, der sich von einem Jahresvertrag zum nächsten hangelt? Vor allem hierauf muss der Softwareriese schnell eine Antwort finden.

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