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05.04.2006

15:03 Uhr

Inside: VNU

Vom Jäger zum Gejagten

VonMaike Telgheder

Der Showdown ist erst in zwei Wochen, aber schon jetzt rasseln die Hauptakteure im Übernahmekampf um den niederländischen Marktforschungs- und Informationsanbieter VNU kräftig mit den Säbeln. Kaum hat das Konsortium der sechs Finanzinvestoren sein offizielles Übernahmeangebot von rund 7,5 Milliarden Euro vorgelegt, da wollen sich schon einige Vertreter der Käufergruppe von der Hauptversammlung am 18. April in den Aufsichtsrat wählen lassen.

FRANKFURT. Das provoziert natürlich den VNU-Aktionär Knight Vinke. Der Fonds hat das Kaufangebot längst als zu niedrig abgelehnt, ruft die Mitaktionäre zum Widerstand auf und will nun seinen Chairman und Mitgründer Eric Knight ebenfalls in den Aufsichtsrat wählen lassen. Die VNU-Hauptversammlung verspricht unterhaltsam zu werden.

Derweil bleibt VNU-Chef Rob van den Bergh, der nur noch im Amt ist, weil sich kein anderer fand, in Deckung. Finanzchef Rob Ruijter wagt sich weiter vor und droht per Zeitungsinterview quasi mit dem Rücktritt des Managements für den Fall, dass die VNU-Aktionäredas Übernahmeangebot nicht annehmen. Die Situation ist verfahren, die Zukunft von VNU ungewiss.

Das hätte sich Rob van den Bergh vor einem Jahr kaum träumen lassen. Mit dem Kauf des Pharmadatenlieferanten IMS Health wollte er damals seiner Strategie, den weltgrößten Marktforschungs–Konzern aufzubauen, die Krone aufsetzen. Seit den 90ern hatte er in diversen Führungspositionen den Umbau des einstigen Verlagshauses VNU zum Dienstleister für Marketing- und Medieninformationen mit vorangetrieben.

Zentraler Grund für die Neuorientierung des börsennotierten Konzerns waren sinkende Margen im Verlagsgeschäft. Noch vor zehn Jahren machte VNU 86 Prozent seines Umsatzes mit Zeitungen, Zeitschriften und Verbraucherinformation. 2005 kamen 80 Prozent der 3,5 Milliarden Euro Umsatz aus der Markt- und Mediaforschung, der Rest von Fachinformationen mit Titeln wie „Adweek“ und „Hollywood Reporter.“ Dazwischen liegen milliardenschwere Zu- und Verkäufe wie der Kauf des Marktforschungsinstituts AC Nielsen, der Verkauf der Zeitschriftensparte und der Telefonbücher „Gelbe Seiten“.

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