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17.05.2016

13:33 Uhr

Insider Insights

Der Lufthansa wachsen digitale Flügel

VonChristian Miele

Die Digitalisierung ist Thema in vielen Großkonzernen – allerdings nur mit halbherzigen Maßnahmen, sagt Christian Miele. Die Traditionsmarke Lufthansa beweist, dass sich digital und Dax nicht ausschließen müssen.

Die deutsche Fluggesellschaft als Vorbild in Sachen Digitalisierung. dpa

Lufthansa

Die deutsche Fluggesellschaft als Vorbild in Sachen Digitalisierung.

BerlinWenn ich das Wort Großkonzerne höre, dann denke ich ketzerisch an graumelierte Herren, die an langen Konferenztischen den Status Quo verteidigen. Sie debattieren darüber, ob die sagenumwobene „Digitale Transformation“ auch ihr Geschäft beeinflussen wird, obwohl diese längst über sie hineingebrochen ist.

Gibt es nachhaltige Konzepte fernab von unbedeutenden Start-up-Sponsorings und Innovationsabteilungen? Fehlanzeige. Verheißungsvolle Digitaltalente? Diese gründen lieber gleich ihr eigenes Unternehmen nach dem Abschluss der Business-School, statt auf die Karriereleiter eines Konzerns zu steigen.

Weil den Großen mittlerweile das Wasser bis zum Hals steht, wächst deren Risikobereitschaft. Wer sich nach dem Stand der Digitalisierung von Großkonzernen in Berlin umhört, stößt in letzter Zeit immer öfter auf eine Traditionsmarke: Lufthansa. Die von Streiks geplagte Fluggesellschaft steckt bis zum Jahr 2020 gruppenweit 500 Millionen Euro in Innovation. Mit dem „Lufthansa Innovation Hub“ forscht der Luftfahrtmulti seit eineinhalb Jahren tief im Start-up-Ökosystem. Eine kleine Gruppe alteingesessener „Lufthanseaten“ und Start-up-Menschen testet neue Konzepte schnell, dreckig und kundenzentriert.

Christian Miele ist Investor beim globalen Venture Capital Fond e.ventures und Vorstandsmitglied beim Bundesverband Deutsche Startups.

Der Autor

Christian Miele ist Investor beim globalen Venture Capital Fond e.ventures und Vorstandsmitglied beim Bundesverband Deutsche Startups.

Was macht die Lufthansa anders? 2014 besuchte Sebastian Herzog, damals Assistent von Airline-Chef Carsten Spohr, Multiplikatoren in der deutschen Start-up-Szene. Sein Auftrag: Ergründen, wie der Kranich auch digital landen kann. Herzog hatte verstanden, dass der Konzern Talente aus der Szene braucht.

So verpflichtete die Lufthansa zum Beispiel Seriengründer Gleb Tritus für den gemeinsamen Aufbau der neuen Tochtergesellschaft. Tritus steuerte fortan Ideen, Methodik, Kontakte und vor allem Glaubwürdigkeit bei. Herzog übersetzte das Gründerjargon in die Sprache des Konzerns.

Die Mischung scheint zu stimmen: Obwohl der Hub konzernuntypisch leise auftritt – bislang finde ich keine Pressemitteilung – ist er erstaunlich präsent. Gleb Tritus pflegt den Kontakt zu zahlreichen Start-ups, die sich mit den Bereichen „Reise“ bis hin zur „Künstlichen Intelligenz“ beschäftigen. Darüber hinaus zieht er Talente an, die Dax-Konzerne ansonsten eher meiden.

Die Dienstleister, mit denen sein Team Prototypen umsetzt, teilt sich der Weltkonzern mit vielen bekannten Start-ups in der Hauptstadt. Ganz gleich, ob diese Initiative das nächste „Expedia“ hervorbringt oder ein Experiment bleibt, ist es ein authentischer Auftritt.

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

17.05.2016, 14:46 Uhr

"(...) beweist, dass sich digital und Dax nicht ausschließen müssen"

???!!

Ich glaube eher, dass sich in nicht allzu ferner (besser gesagt: in schon heute längst absehbarer) Zeit Dax und NICHT-Digital ausschließen WERDEN!



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