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22.02.2016

11:46 Uhr

Insider Insights

Die Internetblase platzt – na und?

Derzeit spukt mal wieder das Gespenst von der platzenden Techblase durch die Medien. Doch eine bevorstehende Korrektur ist kein Grund zur Panik – sondern eine große Chance, meint Internet-Investor Christian Miele.

Christian Miele ist Investor beim globalen Venture Capital Fond e.ventures und Vorstandsmitglied beim Bundesverband Deutsche Startups.

Der Autor

Christian Miele ist Investor beim globalen Venture Capital Fond e.ventures und Vorstandsmitglied beim Bundesverband Deutsche Startups.

Das Schreckgespenst der platzenden Internetblase spukt seit Jahren durch die globalen Wirtschaftsmedien. Ende 2015 bekamen es auch Investoren mit der Angst zutun. Die aktuelle Bewertung umjubelter Tech-Stars, die angesichts ihrer Erträge absurd anmuteten, machte ihnen Sorge.

So senkten etwa die Investoren von Fidelity die Bewertung ihres eigenen Portfolios. Die US-Amerikaner radierten damit mehrere Milliarden an Firmenwert des Messaging-Dienstes Snapchat, des Software-Anbieters Zenefits, des Cloud-Anbieters Dropbox und des Kurznachrichtendienstes Twitter aus.

Ein apokalyptisches Signal für die Tech-Welt? Nein. Mir jagt dieses Schreckgespenst keine Angst ein. Warum: Diese Marktkorrekturen sind längst überfällig. Und die Tech-Blase platzt nicht mit einem lauten Knall, sondern es sind eher viele leise Geräusche, die uns aufhorchen lassen sollten.

Ehrlich gesagt, langweilt mich die ständige Nostalgie, was die Dotcom-Blase angeht. Auch von den Untergangsszenarien habe ich genug. Lasst uns doch den Blick nach vorne richten!

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Der Jahreswirtschaftsbericht zeigt: Sigmar Gabriel will es Start-ups erschweren, Fusionen und Übernahmen einzugehen. Ein schizophrener und kontraproduktiver Schachzug, meint Internet-Investor Christian Miele.

Die Vorzeichen dafür stehen gut. In Europa wird es in den kommenden Jahren eine Renaissance an Venture Capital Investments geben. Nie zuvor ist so viel frisches Kapital in diese Assetklasse geflossen. Deutschland gewinnt als Zielmarkt für Kapital zusehends an Attraktivität.

Derzeit beziehen Mitarbeiter zahlreicher neuer Fonds Büros in Berlin. Darunter sind auch bekannte Silicon-Valley-Größen, die stets beteuerten, niemals die „Bay Area“ zu verlassen. Es gibt viele Gründe, warum sie nun doch in Deutschland mit dabei sein wollen.

Täglich treffe ich als Investor engagierte Gründer, die mir ihre Ideen präsentieren. Wenige von ihnen finden Geldgeber, die ihre Start-ups finanziell unterstützen wollen. Das heißt aber nicht, dass ihre Ideen schlecht sind.
Investoren wie ich sind einfach darauf bedacht, sich die Erfolgsmodelle unter den noch jungen Firmen auszusuchen. Jene Start-ups, die eine hohe Skalierung und zeitnah positive Cash-Flows – also messbare Performance-Kennziffern – versprechen. Sie suchen Start-ups mit Gewinnerpotenzial.

Jedes Jahr lesen mein Team und ich etwa 10.000 Businesspläne. Letztlich investieren wir im Schnitt in sechs Unternehmen. Das bedeutet nicht, dass die restlichen Pläne schlecht sind – bis auf wenige Ausnahmen. Ganz im Gegenteil. Die Zahl junger Firmen mit guten Geschäftsideen nimmt zu. Auch das Know-how von Gründerteams wird besser, die Ideen innovativer. Oft stehen sie jenen im Silicon Valley in nichts mehr nach.

Die wesentlichen Unterschiede: Zum einen fallen die Investments dort im Vergleich zu Deutschland höher aus. Zum anderen entsteht dadurch ein Hype um Tech-Firmen, der dann utopische Unternehmensbewertungen auslöst. Aus Investorensicht finde ich das attraktiv. In Europa kann ich für weniger Geld als in den USA in vergleichbare Deals investieren. Darüber hinaus erlebe ich hierzulande bodenständige Gründer, die sich konzentriert um ein gutes Geschäftsmodell bemühen. Auch das tun sie teilweise besser als ihre US-Kollegen. Das gefällt mir.

Kommentare (1)

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Herr Tom Schmidt

22.02.2016, 11:57 Uhr

Ein wohltuender Artikel!

Nur sollte der Autor aufpassen, dass er sich nicht mit seinen Kollegen aus der Finanzwirtschaft anlegt! Letztendlich ist er ja ein Radikaler: er will Marktwirtschaft, er will Eigenverantwortung von Firmen und Investoren, ...

Dabei haben seine Kollegen es doch gerade so schön erreicht, dass der Steuerzahler für ihre Verluste haftet, und sie als systemkritisch eingestuft wurden... und jetzt kommt er!!!

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