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30.05.2016

16:10 Uhr

Insider Insights

Jan Böhmermann und Peter Thiel sind keine Vorbilder

VonChristian Miele

TV-Satiriker Jan Böhmermann und Paypal-Gründer Peter Thiel könnten als Vorbilder für eine ganze Generation taugen. Daraus wird nun nichts mehr, sagt Christian Miele. Und rauft sich die nicht vorhandenen Haare.

Taugt der Satiriker und Moderator zum Vorbild? dpa

Jan Böhmermann

Taugt der Satiriker und Moderator zum Vorbild?

Ich habe mir an diesem Wochenende sprichwörtlich meine nicht vorhandenen Haare auf dem Kopf gerauft. Der Grund: Mir ist klar geworden, dass zwei Männer, die ich überaus bewundere, nicht als Leitfiguren einer Generation taugen. Es handelt sich dabei um Peter Thiel, einer der ersten Investoren von Facebook, und den TV-Satiriker Jan Böhmermann.

Der ZDF-Mann hat mit einem satirischen Gedicht mal eben die Gesellschaft gespalten und unserer Demokratie den Spiegel vorgehalten. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan hat daraufhin einen Strafantrag wegen Beleidigung gegen den Satiriker gestellt. Dieser aufgeblasene Klingelstreich wirkt auf mich wie ein Befreiungsschlag.

Einfach so. Zack! Chapeau, Jan. Deutsche und ausländische Medien haben über die Böhmermann-Affäre und den schlechten Verlierer aus der Türkei geschrieben. Von derartigen Stunts sollten sich Start-up-Gründer hierzulande etwas abschauen. Mich beeindruckt es sehr, welche Dynamik dieses vermeintliche Schmähgedicht genommen hat – und ich habe großen Respekt davor.

Christian Miele ist Investor beim globalen Venture Capital Fond e.ventures und Vorstandsmitglied beim Bundesverband Deutsche Startups.

Der Autor

Christian Miele ist Investor beim globalen Venture Capital Fond e.ventures und Vorstandsmitglied beim Bundesverband Deutsche Startups.

Trotzdem bin ich enttäuscht: Ich habe Böhmermanns Sendungen danach intensiv geschaut, ihm zugehört, immer in der Hoffnung in ihm eine Leitbildfigur zu finden. Doch als Vorbild taugt auch er nicht.

Leider musste ich feststellen, dass er kein Genie, sondern nur ein raffinierter Pöbler ist. Das Niveau seiner Späßchen erleben wir auch in den Duschräumen lokaler Fußballvereine. Ab und zu gelingt ihm tatsächlich ein gutes Stück. Beispiele sind die Aktion mit dem Mittelfinger des griechischen Ex-Finanzministers Varoufakis, das Schmähgedicht über Erdogan und meinetwegen auch „Verafake“. Böhmermann hatte in seiner Sendung aufgedeckt, wie die Macher der Reality-Doku „Schwiegertochter gesucht“ mit ihren Protagonisten umgehen.

In der Gesamtheit seines Wirkens ist er aber leider nicht das Vorbild, von dessen Format wir in diesem Land mehr brauchen. Nachdem ich seine Sendung auf ZDFneo gesehen und seine Radioshow auf Spotify gehört habe, ist mir das klar geworden.

Schade, dass es sich solch ein talentierter Mensch so einfach macht – und sich nicht seiner Verantwortung bewusst wird, um seinen Einfluss für das Gute zu nutzen. Doch am Ende des Tages ist Böhmermann einfach nur ein Comedian. Das gibt er auch unumwunden zu, was ich zumindest ehrlich finde.

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