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25.01.2016

09:34 Uhr

Insider Insights

Warum Rocket Internet wichtig für Deutschland ist

VonChristian Miele

Rocket Internet – das sind fehlende Gewinne, verschobene Börsengänge und eine abstürzende Aktie. Oder? Tatsächlich sind das Scheinwahrheiten von Phrasendreschern, meint Internet-Investor Christian Miele.

Der Unternehmer ist mit Rocket Internet derzeit in den Schlagzeilen. dpa

Oliver Samwer

Der Unternehmer ist mit Rocket Internet derzeit in den Schlagzeilen.

Alle schimpfen auf Rocket Internet: Journalisten, Analysten, Internet-Trolle. Liebe Analysten, Journalisten und Trolle sowieso: Ich kann Euch sagen: Ihr liegt voll daneben. Woher ich das weiß? Ich kenne Rocket, und ich kenne Oliver Samwer. Ich sage Euch jetzt, was wirklich los ist:

Samwer ist ein moderner Unternehmer, der Chuzpe hat. Ähnlich wie Ludwig Erhard, nur ohne Kanzlertitel, Reformen und dicken Bauch. Samwer steigt auf das ökonomische Gaspedal. Mit beiden Füßen. Auch deshalb bezeichnen ihn Kritiker in stillen Minuten als dankbaren Lieferanten für neue Nachrichten – „einer, an dem man sich reiben kann“. Wenn ich das höre, dann kommt es mir hoch. Eigentlich findet Ihr ihn nämlich gut, liebe Kritiker, und schaut zu ihm auf. Aber schlechte Schlagzeilen verkaufen sich halt besser. Wer ist hier eigentlich der Kapitalist?

Christian Miele ist Investor beim globalen Venture Capital Fond e.ventures und Vorstandsmitglied beim Bundesverband Deutsche Startups.

Der Autor

Christian Miele ist Investor beim globalen Venture Capital Fond e.ventures und Vorstandsmitglied beim Bundesverband Deutsche Startups.

Wir sind auf Persönlichkeiten wie Samwer angewiesen, die uns den Anschluss an die globalen Wirtschaftsentwicklungen ermöglichen. Selbst nach vielen Jahren verbindet mich mit dem Unternehmen, seinen Raketen – so werden intern die Mitarbeiter bezeichnet – und seinen Start-ups sehr viel. Rocket Internet hat vielen jungen Menschen eine neue Idee von Karrieren gegeben. Um genau zu sein, hat sogar das gesamte Berliner Start-up-Ökosystem hier seine Wurzeln, und nahezu jedes erfolgreiche Unternehmen mit Spatenstich in Deutschland ist mit dem Inkubator irgendwie verbunden.

Und ihr, die ihr immer alle meckert: Ihr bestellt eure Kleidung bei Zalando. Ihr lernt eure Lebenspartner bei E-Darling kennen. Ihr bestellt euer Essen bei Lieferheld. Ihr ewigen Kapitalismus-Gegner und neidbehafteten Schreibtischtäter geht mit euren Kritiken den leichten Weg. Ihr unterschlagt absichtlich die Tragkraft, die den Samwers als Väter eines deutschen, digitalen Wirtschaftswunders gebührt. „Ich mache jeden Tag drei Fehler, mache aber gleichzeitig auch fünf Dinge richtig“, sagt Samwer und das, liebe Hater, das ist Unternehmertum.

Ich erinnere mich an ein Mittagessen letztes Jahr mit Oli. Wir sprachen über das Missverständnis mit den Verlusten, die ein Unternehmen in der Anfangsphase schreibt. Oli bezeugte mir das am Beispiel von Zalando. Dass eben diese Verluste heute nötig sind, um Firmen im globalen Wettbewerb ins Rennen zu schicken, hat hierzulande leider immer noch ein Großteil nicht verstanden. Und dass dieser Mann und seine Brüder das Internet in Deutschland zu einem fruchtbaren Boden beackert haben, zigzehntausende Arbeitsplätze geschaffen haben, sie nicht nur in Berlin, sondern auch in Afrika, Südamerika und Südostasien Samen für Start-up-Ökosysteme gepflanzt haben und sie als Leitbilder einer Unternehmergeneration unter den Millennials gelten, wird ebenfalls nicht gewürdigt.

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer: „Ich mache jeden Tag Fehler“

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer

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Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer im Interview über unternehmerisches Risiko und die Kritik an seinem Kurs.

Weil sich diese Unwissenheit, gepaart mit Rockets Kommunikationsschwächen, im Börsenkurs spiegelt, habt Ihr nun eine ausreichend große Projektionsfläche und stürzt Euch darauf. Aber Eure Kritik ist hohl. Um heute auf dem Weltmarkt zu bestehen, müssen viele Firmen mit Hilfe von Investorengeld einige Jahre Verluste schreiben, bevor sie profitabel werden. Dass Ihr das nicht wisst, schadet denen, die auf dieses Geld angewiesen sind. Eure blamable Bildungslücke ist mitverantwortlich für die schleppende Akzeptanz eines modernen Unternehmens in Deutschland. Rocket ist nicht Siemens. Rocket ist nicht BMW. Rocket ist Rocket, und wir brauchen sie, um nicht das globale Wettrennen der digitalen Transformation zu verlieren. Und Oli? Er wird dazulernen und sich das Vertrauen zurückholen.

Christian Miele ist Investor beim globalen Venture Capital Fond e.ventures und Vorstandsmitglied des Bundesverbands Deutsche Startups. Miele symbolisiert den Dreh- und Angelpunkt zwischen der Old Economy und New Economy – dabei fühlt er sich Traditionen verbunden und Innovationen gegenüber verpflichtet. Alle zwei Wochen schreibt Miele die Kolumne „Insider Insights” aus dem Herzen der Gründerszene für Deutschlands führende Wirtschafts- und Finanzzeitung Handelsblatt.

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Kommentare (4)

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Herr Ribbentrop

25.01.2016, 12:36 Uhr

Schön geschrieben, doch leider stimmt es nicht so wie es gerne verkauft wird.
In Davos wurde zu Recht die Frage gestellt hat die Digitalisierung uns bisher einen Produktivitätsschub gegeben und keiner konnte dies wirklich bejahen!

Es wurden Arbeitsplätze geschaffen, doch in welchem Lohncluster? Im Untersten - willkommen in der Amerikanisierung unserer Gesellschaft!
Gegenfrage wieviele Arbeitsplätzer sind wegen Zalando und Co. verloren gegangen?
Bitte richtig verstehen, es geht nicht darum den Zug anzuhalten, was eh keiner kann. Doch jemanden der billige Geschäftsmodelle aus den USA kopiert und hier als was Neues auftischt, ist noch keine Heilsbringer, ausser für die eigene Tasche und seiner Finanzinvestoren, die im frühen Stadium eingestiegen sind. Am Ende werde die Schafe geschoren, die dann die überteurten Buden an der Börse kaufen - Prinzip der Letzte verbrennt sich die Finger am Streichholz!

Innovation heißt nicht, der Versuch vorhandene reale Kaufkraft neu zu verteilen, sondern Schaffung von Güter, die einerseits die Welt mit allen ihren Unzulänglichkeiten nach vorne bringt und einen wirkliche Mehrwert schafft.

Irgendwie erinneren mich die Brüder an die "Haffa Brüder" einer anderen It-Blase, nur daß Heute die Hausnummern größer geworden sind und der "Raub" perfektioniert wurde! Die hatten sich auch als Heilsbringer der Medienlandschaft postuliert und sind dann geplatzt.
Samwer als dei Besserwisser des Handels?! Sehr fraglich....!

Herr Julius Ceasen

25.01.2016, 13:07 Uhr

„Venture Capital“, in historischer Literatur nannten man solche Unternehmer noch Abenteuerkapitalisten, jene die die Welt umsegelten und zur Not auch direkt durch die Hölle fuhren um zu gewinnen derweil sie konnten. Nicht nur damals war das nichts für Jedermann. Ich weigere mich solche Leute, wie sie in der Dotcom Blase in jeder Garage Zauberkunststücke vorführten und seit Jahrhunderten immer wieder wellenartig als große Projektemacher in Erscheinung traten als „das Unternehmertum“ zu bezeichnen. Und da liegt auch der Grund warum solchen Leuten immer wieder große Skepsis entgegenschlägt. Es gibt zahlreiche Formen des Unternehmertyps und dem risikoaversen kleinen Mann, der ohne hin Zeit seines Lebens nie das Risiko der Verantwortung einer eigenen Unternehmung tragen wollte, sind solche Abenteuervisionen mit entsprechenden Risiko nicht zu vermitteln. Aber dafür gibt es auch entsprechende Investoren die entweder gewisse Charakterzüge vorweisen oder ein entsprechend dickes Portfolio haben um sich das Risiko leisten zu können. Die Allgemeinheit soll sich ruhig weiterhin wundern wie es dazu kommt, dass schon immer die reichsten 1% über die Hälfte des gesamten Vermögens verfügten und sich neidvoll übergangen fühlen, wenn sie in einem der Betriebe dieser Reichen arbeiten so wie es schon ihre Eltern und Großeltern taten und sich ihr Wohlstand genauso wie der ihrer Eltern und Großeltern stetig steigert. Wie gemein diese Welt doch ist.

Herr Julius Ceasen

25.01.2016, 13:18 Uhr

@ Ullrich Ribbentrop

Wenn die Kunden es dem althergebrachten vorziehen, erübrigt sich jede Spekulation über den Nutzen und eigensinnige Definitionsversuche von Innovation.

Der Buchhändler verliert seinen Laden und wird zum Lohnarbeiter und trotzdem erspart es seinen Kunden sehr viel Lebenszeit und Geld.
Die Wurzeln der Kritiker des Fortschritts stammen meist aus einer älteren Epoche, aus der guten alten Zeit.

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