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08.06.2013

00:15 Uhr

Insider

Softbank liebäugelt mit T-Mobile US

Die Deutsche Telekom arbeitet an einem Plan B für ihre US-Tochter. Die will eigentlich den Rivalen Nextel übernehmen. Falls der Deal scheitert, könnte es einen Retter aus Japan geben. Am Mittwoch kommt es zum Showdown.

Der japanische Telekom-Konzern SoftBank plant eine Übernahme - aber mit wem? Reuters

Der japanische Telekom-Konzern SoftBank plant eine Übernahme - aber mit wem?

New YorkDer japanische Mobilfunk-Konzern Softbank führt nach Angaben von Insidern Gespräche mit der Deutschen Telekom über einen Kauf der US-Tochter T-Mobile US. Der Konzern sehe sich nach Alternativen für den Fall um, dass die geplante Übernahme von Sprint Nextel nicht zustande komme, berichteten drei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag.

Softbank und die Deutsche Telekom führten zwar bereits seit vergangenem Jahr regelmäßig Gespräche über die US-Tochter. Die Gespräche seien jedoch intensiviert worden, seitdem Dish Network die Softbank-Offerte für Sprint Nextel übertrumpft habe, hieß es. Die beteiligten Firmen lehnten eine Stellungnahme ab oder waren zunächst nicht zu erreichen.

Der Telekom käme ein Verkauf von T-Mobile US wohl gelegen, weil die Bonner auf längere Sicht den Rückzug aus Amerika antreten wollen. T-Mobile US war erst vor wenigen Wochen aus der Fusion zwischen T-Mobile USA und MetroPCS entstanden. Die Telekom wollte mit dem vor gut einem halben Jahr angekündigten Deal ihrem kriselnden US-Ableger die nötige Größe verleihen, um auf dem hart umkämpften Mobilfunkmarkt in den USA mithalten zu können.

Der erste Versuch eines Rückzugs aus den USA war Ende 2011 geplatzt: Damals hatten die US-Behörden den Verkauf von T-Mobile USA für 39 Milliarden Dollar an AT&T in letzter Minute gestoppt. Die Deutsche Telekom hält 74 Prozent an T-Mobile US. Daher sei eine Möglichkeit, dass Softbank diesen Anteil übernehmen könnte, erklärte die Insider weiter.

Die Aussicht auf eine Übernahme durch Softbank ließ Börsianer umgehend aufhorchen: Die Aktie von T-Mobile US kletterten am Freitag um gut drei Prozent, während Sprint-Titel in einem starken Gesamtmarkt gut ein Prozent nachgaben. T-Mobile US hat einen Börsenwert von rund 15 Milliarden Dollar. Softbank hat für 70 Prozent an Sprint 20,1 Milliarden Dollar geboten. Der Abschluss der Übernahme ist jedoch völlig ungewiss, weil der US-Satelliten-TV-Anbieter Dish 25,5 Milliarden Dollar auf den Tisch legen will.

Die Nachrichten über die Verhandlungen zwischen Softbank und der Telekom erreichen die Sprint-Aktionäre wenige Tage, bevor sie am 12. Juni über die Softbank-Offerte abstimmen sollen. Ein Analyst sagte, dass SoftBank mit dem Schritt möglicherweise die Sprint-Anteilseigner unter Druck setzen wolle.

Das Angebot von Softbank ist viel weiter fortgeschritten als die Offerte von Dish. So hat Softbank bereits einige behördliche Hürden genommen. Softbank halte auch grundsätzlich an der Sprint-Übernahme fest, hieß es. Die Japaner betrachteten T-Mobile US nur als "Plan B".

Falls Softbank sich gegen die Übernahme von Sprint entscheiden sollte, winkt den Japanern ein Gewinn von rund fünf Milliarden Dollar durch Devisen-Absicherungsgeschäfte und frühere Käufe von Sprint-Aktien, hieß es weiter.

Von

rtr

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