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20.11.2012

13:09 Uhr

Insolvente Traditionszeitung

Mehrere Interessenten für „Frankfurter Rundschau“

Wie geht es mit der „Frankfurter Rundschau“ weiter? Nach dem Insolvenzantrag des Traditionsblattes haben sich mehrere Kaufinteressenten gemeldet – wer das ist, will das Unternehmen aber nicht verraten.

Schwierige Zeiten: Die bisherigen Haupteigentümer der „Frankfurter Rundschau“ sehen keine Perspektive für das Blatt. dapd

Schwierige Zeiten: Die bisherigen Haupteigentümer der „Frankfurter Rundschau“ sehen keine Perspektive für das Blatt.

FrankfurtFür die insolvente Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ (FR) gibt es erste Kaufinteressenten. Es liefen mehrere Gespräche, sagte ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters, Frank Schmitt, am Dienstag. Es handle sich dabei um „namhafte“ Verhandlungspartner. Die Insolvenzverwaltung habe „das Gefühl, dass es ernsthafte Interessenten“ seien.

Einzelheiten zu den möglichen Käufern wie etwa, aus welcher Branche sie kommen und ob es sich um Investoren aus Deutschland oder anderen Ländern handelt, wollte der Sprecher nennen. Grund hierfür sei, dass die Gespräche noch am Anfang stünden. Demnach wurden die Verhandlungen am Montag begonnen.

Die Zeitungskrise

Deutschland, Zeitungsland

Trotz aller Hiobsbotschaften aus der Medienbranche ist Deutschland immer noch ein Zeitungsland: Nach aktuellen Angaben des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gibt es hier 315 lokale und regionale Abonnementzeitungen, 10 überregionale Blätter sowie 8 Straßenverkaufszeitungen, vor allem die „Bild“.

Die Auflagen sinken

Doch die meisten Blätter verlieren von Jahr zu Jahr an Auflage. Im zweiten Quartal 2013 wurden pro Erscheinungstag 20,64 Millionen Tageszeitungen verkauft, wie aus einer Erhebung der IVW hervorgeht. Das sind rund 4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Darin sind rund 0,38 Millionen E-Paper-Ausgaben enthalten. Bei den Wochenzeitungen zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab: Die verkaufte Auflage sank um rund 20.000 auf 1,73 Millionen Exemplare.

Der Werbemarkt schwächelt

Die sinkende Auflage trifft die Zeitungen gleich doppelt: Zum einen sinken die Vertriebserlöse, wenn die Verlage den Verkaufspreis nicht anheben (was in den letzten Jahren aber viele getan haben). Zum anderen verdienen sie weniger mit den Anzeigen – deren Preis richtet sich nach der Reichweite. Während der Gesamtwerbemarkt 2012 um 0,9 Prozent schrumpfte, verzeichneten die Zeitungen einen Umsatzrückgang von 9,1 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Fürs laufende Jahr erwartet der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft, dass die Verlage maximal eine schwarze Null erreichen.

Rubrikenmärkte wandern ins Netz ab

Mit Kleinanzeigen, Stellenausschreibungen und Autoanzeigen haben die Verlage jahrzehntelang gutes Geld verdient. Doch die Rubrikenmärkte sind weitgehend ins Internet abgewandert – viele der Portale gehören nicht Verlagen, sondern anderen Akteuren. Hier gibt es nur wenige Ausnahmen. Im Online-Geschäft sehr aktiv ist beispielsweise der Axel-Springer-Verlag, ihm gehören das Immobilienportal Immonet und das Stellenportal Stepstone.

Digitale Produkte gleichen Minus nicht aus

Die große Hoffnung auf den Verkauf digitaler Ausgaben hat sich bislang nicht erfüllt. Zwar verkaufen sich E-Paper immer besser, im zweiten Quartal 2013 waren es rund 380.000 Exemplare. Doch das ist zu wenig, um den Rückgang der Printauflage aufzufangen. Die Reichweite der Web-Portale steigt zwar, doch die Werbeeinnahmen gleichen das Umsatzminus nicht aus. Viele Verlage hoffen, mit Bezahlmodellen im Netz mehr Geld zu erwirtschaften.

Hoffnung auf die große Reichweite

„Gedruckt, online und mobil erreichen die Zeitungen aktuell ein Publikum, das so groß ist wie nie zuvor“, erklärt der BDZV. Auf diese Reichweite hoffen die Verleger. Als Chancen nennt der Verband das Digitalgeschäft, aber auch neue Geschäftsfelder wie Aus- und Weiterbildung oder Veranstaltungsmanagement. Allerdings haben viele Verlage mit diversen Sparrunden das Personal stark ausgedünnt – das erschwert die Umsetzung neuer Ideen.

Bezahlinhalte als Ausweg?

Immer mehr Verlage hoffen, mit Bezahlinhalten den Umsatz steigern zu können. Beim „metered model“, das etwa die „Welt“ verwendet, dürfen die Leser nur eine bestimmte Zahl an Artikeln kostenlos lesen – danach müssen sie ein Abo abschließen. Und die „Bild“ stellt nur einen Teil der Artikel kostenlos ins Netz, andere Beiträge bekommen nur zahlende Kunden zu sehen.

Das Verlagshaus der „Frankfurter Rundschau“ hatte vergangene Woche beim Amtsgericht Frankfurt am Main überraschend Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Die bisherigen Haupteigentümer, die Kölner Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding DDVG, nannten als Grund massive Umsatzverluste, aufgrund derer sie keine Perspektive zur Fortführung der FR mehr gesehen hätten.

Neben der drohenden Pleite der FR sorgen in der deutschen Medienbranche derzeit weitere Ereignisse für Beunruhigung. Anfang Oktober meldete die Nachrichtenagentur dapd teilweise Insolvenz an. Daneben prüft Medienberichten zufolge der Hamburger Verlag Gruner+Jahr (G+J) das Aus für den Großteil seiner Wirtschaftstitel, darunter die renommierte Zeitung „Financial Times Deutschland“. Den Berichten zufolge soll der G+J-Aufsichtsrat am Mittwoch darüber beraten.

Auflagen überregionaler Zeitungen in Deutschland

Bild

Druckauflage: 3.482.808

Verkauf: 2.698.383

Abonnements: 50.043

Einzelverkauf: 2.580.272

Quelle: IVW, Zahlen für das 3. Quartal 2012

Süddeutsche Zeitung

Druckauflage: 522.600

Verkauf: 412.994

Abonnements: 281.772

Einzelverkauf: 67.796

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Druckauflage: 444.631

Verkauf: 354.317

Abonnements: 217.522

Einzelverkauf: 51.542

Die Welt

Druckauflage: 319.397

Verkauf: 250.959

Abonnements: 109.474

Einzelverkauf: 34.768

(inkl. Welt Kompakt, nur Mo.-Fr.)

Frankfurter Rundschau

Druckauflage: 149.688

Verkauf: 117.996

Abonnements: 64.682

Einzelverkauf: 17.046

Die Tageszeitung (taz)

Druckauflage: 72.300

Verkauf: 53.657

Abonnements: 45.078

Einzelverkauf: 4977

Handelsblatt

Druckauflage: 162.306

Verkauf: 137.725

Abonnements: 80.222

Einzelverkauf: 6052

Financial Times Deutschland

Druckauflage: 121.319

Verkauf: 102.101

Abonnements: 41.629

Einzelverkauf: 3102

Die Zeit (Wochenzeitung)

Druckauflage: 630.315

Verkauf: 501.415

Abonnements: 332.255

Einzelverkauf: 112.239

Von

afp

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