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25.02.2014

06:35 Uhr

Insolventer TV-Hersteller

Loewe-Retter treten von Kaufvertrag zurück

Die Rettung des Fernsehherstellers Loewe gerät ins Wanken. Wie das Unternehmen bestätigt, tritt die Investorengruppe vom Kaufvertrag zurück – offenbar weil ihr das Geld ausgeht. Loewe nimmt das jedoch nicht einfach hin.

Der insolvente Fernsehhersteller Loewe: Die rettenden Investoren würde den Kauf gern rückgängig machen. AFP

Der insolvente Fernsehhersteller Loewe: Die rettenden Investoren würde den Kauf gern rückgängig machen.

Frankfurt, KronachDie Rettung des insolventen Fernseherbauers Loewe ist vorerst geplatzt. Die Münchner Investorengruppe um den Immobilienunternehmer Constantin Sepmeier habe den Rücktritt von der bereits einfädelten Übernahme der Geschäfte des Traditionsunternehmens erklärt, teilten die Oberfranken am Montagabend mit. Die Kronacher wollen das nicht ohne weiteres hinnehmen. „Loewe wird diesen Rücktritten widersprechen und die Erwerber zum Closing auffordern, weil nach Auffassung von Loewe die Rücktritte ohne jeglichen Rechtsgrund erfolgten.“ Loewe prüfe die Einleitung von rechtlichen Schritten. Zudem seien Gespräche mit einem anderen Investor aufgenommen worden.

Die Finanzinvestoren - zwei Münchner Unternehmer und ein dänischer Technikexperte - hatten den insolventen Fernseherbauer mit einem tiefgreifenden Sanierungsprogramm wieder neu beleben wollen. Als Käufer der Vermögensgegenstände trat die Münchner Panthera GmbH auf, die zu je einem Drittel dem Immobilienunternehmer Constantin Sepmeier, dem früheren Unternehmensberater Stefan Kalmund und dem einstigen Apple-Europachef Jan Gesmar-Larsen gehört.

Panthera hatte nach dem Kauf im Januar den Abbau von einem Viertel der aktuell noch 550 Loewe-Mitarbeiter angekündigt. Einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zufolge fehlte Panthera aber das Geld. Kennern zufolge geht es um einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Die Investoren und Loewe waren am Montagabend für eine weitergehende Stellungnahme nicht erreichbar.

Loewe steht unterdessen ohne echte Führung da. Der bisherige Chef Matthias Harsch war auf die Seite der nun abtrünnigen Investoren gewechselt. Der Ende Januar berufene neue Geschäftsführer Peter Orre meldete sich nicht zu Wort.

Kleines Fernseh-Glossar

Technologie verkauft Fernseher

Die TV-Hersteller arbeiten permanent an neuen Verfahren, um die Bildqualität weiter zu verbessern und die Funktionen zu erweitern – Technologie verkauft Geräte. Welche Schlagwörter sind derzeit angesagt?

Ultra HD (4K)

Ultra HD – oft auch als 4K bezeichnet – ist ein TV-Format mit sehr hoher Auflösung. Diese beträgt 3840 x 2160 Pixel, also 8,3 Megapixel. Das ist vier Mal so viel wie bei einem HD-Bild. Es mangelt noch an passenden Inhalten, allerdings werden herkömmliche Bilder hochgerechnet. Da die Geräte immer billiger werden, eignen sie sich langsam für den Massenmarkt.

OLED

OLED steht für Organic Light Emitting Diode, es handelt sich also um organische Leuchtdioden. Diese Technologie ermöglicht ein sehr kontrastreiches Bild und weite Blickwinkel, zudem verbraucht sie wenig Strom. Allerdings ist die Produktion der Paneele kompliziert und somit noch vergleichsweise teuer. Daher ist der Marktanteil der OLED-Geräte gering.

Gebogene Displays

Früher mussten Fernseher unbedingt flach sein – geht es nach einigen Herstellern, geht es heute nicht ohne gebogenes Display. Samsung, LG & Co. versprechen ein besseres Bild mit weniger optischen Verzerrungen. Der Vorteil liegt indes wohl eher im Design als im Seherlebnis. Dafür müssen Verbraucher einen hohen Preis in Kauf nehmen.

Smart TV

Fast alle neuen Fernseher sind inzwischen „smart“: Sie können nicht nur die herkömmlichen Kanäle, sondern auch Inhalte aus dem Internet darstellen, beispielsweise das Videoportal Youtube, Online-Videotheken oder extra für den großen Bildschirm programmierte. Dazu braucht es nur einen Breitbandanschluss. Allerdings nutzen viele Zuschauer diese Funktionen noch nicht. Zudem hapert es teils noch an der Bedienung – eine Kopplung mit Smartphone und Tablet soll Verbesserungen bringen.

Second Screen

Viele Fernsehzuschauer surfen nebenbei im Internet – entweder mit dem Smartphone oder dem Tablet-Computer. Dieses vergleichsweise junge Phänomen erlaubt TV-Herstellern, Filmemachern und Sendern, den zweiten, kleinen Bildschirm einzubinden. Etwa mit Informationen über die Sendung und Schauspieler oder Werbung. Zudem können die mobilen Geräte die klassische Fernbedienung ersetzen.

Indes äußerte der verbliebene Loewe-Finanz- und Sanierungsvorstand Rolf Rickmeyer eine letzte Hoffnung für den Erfinder des elektronischen Fernsehens. „Wenn wir jetzt schnell zu einem Abschluss kommen, kann es noch gelingen, die Zukunft von Loewe zu sichern“, erklärte er. Loewe habe wieder Verhandlungen mit einem weiteren Investor aufgenommen, der den Münchner Bietern zuletzt unterlegen war. „Da nun bereits ein ausverhandelter Kaufvertrag vorliegt, ist eine schnelle Einigung möglich“, hieß es. Ein Sprecher des Sachwalters, der Loewe in der Insolvenz in Eigenverwaltung betreut, erklärte, der Finanzbedarf sei bis ins Frühjahr gesichert.

Am Dienstag solle die Situation auf einer Sitzung des Gläubigerausschusses diskutiert werden, zitierte die FAZ einen Loewe-Sprecher. Um Zeit für die Investorensuche zu gewinnen, hoffe das schwer gebeutelte Unternehmen auf einen Aufschub der Gläubiger. Der zweite Investor habe die volle Rückendeckung der Gläubiger. Namen wollte der Sprecher des Sachwalters nicht nenne. In der Branche wird seit längerem der türkische Koc-Konzern als Bieter gehandelt, der seinerzeit die fränkische TV-Legende Grundig aus der Pleite übernommen hat und deren Namen mittlerweile als Handelsmarke für alle möglichen Arten von Elektrogeräten führt.

Von

rtr

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