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25.02.2014

16:33 Uhr

Insolventer TV-Hersteller

Loewe sucht neuen Investor

VonPatrick Schwarz

Erst gerettet, dann fallen gelassen: Die Investoren wollen vom Kaufvertrag des Traditionsunternehmens Loewe zurücktreten. Unklar ist, ob den Rettern das Geld fehlt oder ob sich Gläubiger querstellen.

Dunkle Wolken über dem Betriebsgelände von Loewe: Die Existenz des TV-Herstellers hängt mit dem Rückzug der Investoren wieder am seidenem Faden. dpa

Dunkle Wolken über dem Betriebsgelände von Loewe: Die Existenz des TV-Herstellers hängt mit dem Rückzug der Investoren wieder am seidenem Faden.

Die Loewe-Mitarbeiter im oberfränkischen Kronach erleben momentan ein Wechselbad der Gefühle. Vor fünf Wochen noch sprachen die neuen Investoren von einem Neustart des insolventen TV-Herstellers. Die Immobilienunternehmer Constantin Sepmeier und Stefan Kalmund sowie der frühere Europa-Chef von Apple Jan Gesmar-Larsen hatten sich zu den Rettern des Traditionsunternehmens ernannt.

Doch nun will die Investorengruppe wieder vom Kaufvertrag zurücktreten. Medienberichten zufolge fehlt dem eigens für die Loewe-Übernahme gegründeten Unternehmen Panthera das Geld für die Übernahme. Co-Investor Kalmund dementierte am Dienstag diese Darstellung gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Es seien die Geldhäuser, die die Sicherheiten von Loewe - insbesondere die kostbaren Markenrechte sowie Patente - nicht freigeben wollten. Das Konzept von Panthera sei voll durchfinanziert gewesen. Sein Haus hätte einen zweistelligen Millionenbetrag aufgebracht, um den angeschlagenen Fernsehhersteller mit Kapital auszustatten und die Gläubiger abzulösen. Die Kreditgeber um die Deutsche Bank äußerten sich bislang nicht zu den Vorwürfen.

Loewe hatte nach geschäftlichen Einbußen im Oktober ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Die 1923 in Berlin gegründete Traditionsfirma ist eines der letzten vergleichbaren Unternehmen in Deutschland.

Deutsche TV-Hersteller

Blaupunkt

Das 1923 gegründete Unternehmen Blaupunkt produziert überwiegend Autoradios und Zubehör, stellt aber auch Fernseher her. Ursprünglich bot die Firma Kopfhörer an, die mit einem blauen Punkt als Prüfsiegel gekennzeichnet wurden. Aus dem Qualitätssymbol wurde bald das Markenzeichen Blaupunkt. Heute beschäftigt der Konzern mit Sitz in Hildesheim die meisten seiner Mitarbeiter in Malaysia.

Grundig

Der Konzern wurde 1930 in Fürth gegründet und stieg wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg zum größten Rundfunkgerätehersteller Europas auf. Als der Umsatz von Grundig zu Beginn der 1980er Jahre erstmals einbrach, stieg der Elektrokonzern Philips ein. Trotz Umsätze in Milliardenhöhe musste das Unternehmen 2003 Insolvenz anmelden. Der türkische Koc-Konzern bewahrte Grundig schließlich vor der Pleite.

Metz

Die Metz-Werke haben ihre Ursprünge ebenfalls im bayrischen Fürth. 1955 begann das Unternehmen Fernseher zu produzieren und konnte nach der Jahrtausendwende bei der rasanten Entwicklung von Plasma- und LCD-Geräten Schritt halten. 2008 feierten die Metz-Werke das 70. Jubiläum und produzieren ihre Fernseher noch immer in Zirndorf im Landkreis Fürth.

SABA

Die Wurzeln des Unternehmens gehen auf eine Uhrenfabrik zurück, die 1835 im Schwarzwald gegründet wurde. Ursprünglich auf Radioteile spezialisiert, begannen die Süddeutschen Tonbandgeräte und Rundfunkempfänger herzustellen. 1980 wurde die Firma an den französischen Thomson-Konzern verkauft und in TTE Germany umbenannt. Die Nachfolgefirma ging 2008 Pleite.

TechniSat

TechniSat gibt es seit 1987 und zählt damit zu den jüngeren deutschen TV-Herstellern. 2005 erhielt das Unternehmen Sendelizenzen für mehrere Radiokanäle und stellt seitdem auch Fernseher mit integrierten Digitalempfängern her. Geräte von TechniSat werden in zwei deutschen Standorten, in Polen und Ungarn produziert.

Das Kronacher Unternehmen will die Aufhebung des Kaufvertrags nicht hinnehmen, weil das aus ihrer Sicht ohne rechtlichen Grund erfolgt. Nichtsdestotrotz bleibt der Führung von Loewe keine andere Möglichkeit, als sich zeitgleich nach neuen Geldgebern umzusehen.

Denn ein Sprecher des Sachwalters, der Loewe in der Insolvenz betreut, erklärte, dass der Finanzbedarf nur bis in den Frühling gesichert sei. In der Branche wird seit längerem der türkische Koc-Konzern als möglicher Investor gehandelt, der bereits das fränkische TV-Unternehmen Grundig vor der Pleite bewahrt hatte.

Loewe konnte in den letzten Jahren kaum mit den Entwicklungen auf dem Fernsehmarkt Schritt halten. Ihre Geräte sind um ein vielfaches teurer als die von Konkurrenten wie Samsung oder LG. Das Unternehmen hatte im vergangenen Sommer Insolvenz angemeldet und bis zum Januar gebraucht, um einen Investoren zu finden. Auch Panthera wollte den Konzern weitreichend umbauen und nur 270 Mitarbeiter übernehmen.

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