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16.01.2009

13:47 Uhr

Insolvenz

Konkurrenz nutzt Nortels Probleme

VonHelmut Steuer, Joachim Hofer

Mit Mobilfunknetzen der nächsten Generation wollte Nortel eigentlich wieder zur Konkurrenz aufschließen. Statt dem kanadischen Telekom-Ausrüster sammeln jetzt aber die Wettbewerber die Aufträge für die neuen Netze ein, nachdem Nortel am Mittwoch Gläubigerschutz beantragen musste.

Der Telekom-Ausrüster Nortel steckt schon seit Jahren in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und machte zudem wegen eines Bilanzskandals Schlagzeilen. Foto: reuters Reuters

Der Telekom-Ausrüster Nortel steckt schon seit Jahren in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und machte zudem wegen eines Bilanzskandals Schlagzeilen. Foto: reuters

STOCKHOLM/MÜNCHEN. Weltmarktführer Ericsson verkündete am Donnerstag stolz, mit dem Bau des weltweit ersten kommerziellen Mobilfunknetzes der vierten Generation beauftragt worden zu sein. Die Schweden werden für den Telekom-Konzern Telia Sonera ein sogenanntes LTE-Netz im Großraum Stockholm aufbauen. Die superschnelle Mobilfunkverbindung, die selbst Übertragungen von hochauflösendem Fernsehen ermöglicht, soll kommendes Jahr in Betrieb gehen.

Wenige Minuten nach Ericsson teilte der chinesische Konkurrent Huawei mit, in der norwegischen Hauptstadt Oslo von Telia Sonera ebenfalls einen Auftrag zum Bau eines LTE-Netzes erhalten zu haben. In der Branche tobt ein erbitterter Wettbewerb um neue Aufträge. Im Rennen sind dabei neben Ericsson und Huawei auch das deutsch-finnische Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks sowie Alcatel Lucent, die chinesische ZTE – und bis zuletzt auch Nortel.

Analysten spekulierten am Donnerstag bereits heftig darüber, welcher der Konkurrenten von der Insolvenz am meisten profitieren könnte. Nortel-Chef Mike Zafirovski hingegen versicherte, das Geschäft werde während der Restrukturierung ohne Unterbrechung weiter laufen. Die Firma mit Sitz in Toronto musste Gläubigerschutz beantragen, weil ihr die Schulden über den Kopf gewachsen waren.

Nortel steckt schon seit Jahren in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und machte zudem wegen eines Bilanzskandals Schlagzeilen. Wegen der weltweiten Krise war die Insolvenz jetzt offenbar nicht mehr abzuwenden. Das Unternehmen leidet unter einer Schuldenlast von 6,3 Mrd. Dollar und sah sich nicht in der Lage, am Donnerstag fällige Zinszahlungen in Höhe von 103 Mio. Dollar zu leisten.

Dabei geht es den Netz-Herstellern derzeit im Vergleich zu den Handy-Produzenten relativ gut. „Ich glaube, Ericsson wird einen starken Quartalsbericht vorlegen“, sagte Telekom-Analystin Helena Nordman-Knutson vom Stockholmer Börsenmakler Öhman. Den erwarteten Auftragseinbruch werde der Weltmarktführer erst später merken.

Ericsson selbst rechnet wie die Konkurrenten mit einem stagnierenden Markt in diesem Jahr. Dennoch gibt es für die Netzausrüster Lichtblicke: „Wir spüren zwar eine gewisse Unruhe in den Diskussionen mit unseren Kunden, haben aber bislang noch keine Konsequenzen in Form von Abbestellungen bemerkt“, sagte der Chef der Ericsson-Netzsparte, Johan Wiberg, Ende vergangenen Jahres. Zu den Hoffnungsträgern zählen Indien und China. Dort erwarten die Anbieter Großaufträge.

Dennoch: In den vergangenen drei Monaten veröffentlichte Ericsson nur zwölf Aufträge – so wenige wie seit drei Jahren nicht mehr. Nokia Siemens kämpft nach wie vor mit roten Zahlen und Alcatel Lucent versucht immer noch, die französisch-amerikanische Fusion zum Laufen zu bringen. Selbst der chinesische Aufsteiger Huawei hat Probleme.

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