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26.02.2014

17:14 Uhr

Instant Messenger

Chinesen pfeifen auf WhatsApp

VonFinn Mayer-Kuckuk

Facebook hofft, mit dem milliardenschweren Zukauf von WhatsApp international durchzustarten – doch die Kunden im weltgrößten Mobilmarkt zeigen kein Interesse. Sie haben eine Alternative.

WhatsApp ist den Chinesen zu „dürftig und langweilig“. Sie nutzen lieber den einheimischen Messenger WeChat. Reuters

WhatsApp ist den Chinesen zu „dürftig und langweilig“. Sie nutzen lieber den einheimischen Messenger WeChat.

PekingSo richtig enttäuscht wirkt Wang Xiaomei erst, als sie das Handy schüttelt und sich nichts tut. „Irgendwie fehlt es völlig an coolen Funktionen“, klagt die 29-jährige Lehrerin, als sie zum ersten Mal in ihrem Leben die Chat-Anwendung WhatsApp ausprobiert. „Das Ding ist irgendwie ziemlich dürftig.“ Nachdem sie eine Weile in der App herumgetippt hat, fallen ihr zwei weitere Nachteile auf: „Es gibt keine Timeline. Und ich finde meine Freunde nicht.“ Nein, sie bleibt lieber bei WeChat, da ist immer was los.

Chinesen mögen es lebhaft – das gilt auch für Handy-Software. WhatsApp ist ihnen einfach zu statisch. Schade für Mark Zuckerberg, dessen Internet-Konglomerat Facebook die Firma gerade für 19 Milliarden US-Dollar gekauft hat. Einer der Gründe für den Zukauf mag die Hoffnung auf eine Ausdehnung der internationalen Reichweite seines Unternehmens sein – vor allem nach China hinein, wo Facebook bisher null Marktanteil hat.

Zuckerberg mag zwar mit 29 Jahren genauso alt sein wie Wang Xiaomei, doch die chinesischen Handy-Nutzer hat er nicht unbedingt verstanden. Ein Wechsel zu WhatsApp erscheint den meisten von ihnen schlicht undenkbar. „Eindeutig ein veraltetes Produkt“, urteilt ein Blogger auf der Twitter-ähnlichen Plattform Sina Weibo über den Zukauf. „Die Oberfläche ist hässlich und einfallslos.“

Welch ein Kontrast zum chinesischen Marktführer WeChat. Auf Chinesisch heißt er „Weixin“, was so viel heißt wie „Mikro-Botschaft“. Doch Weixin kann viel mehr als nur Textnachrichten  versenden. Für viele junge Chinesen ist es WhatsApp, Facebook, Twitter und Spieleplattform in einem. „Wenn ich WeChat nicht gehabt hätte, wäre ich über die Neujahrsfeiertage bei meiner Familie an Langeweile gestorben“, sagt die junge Lehrerin Wang. 

Instant Messenger: Nutzer-Ansturm bei der WhatsApp-Konkurrenz

Instant Messenger

Nutzer-Ansturm bei der WhatsApp-Konkurrenz

Kurznachrichtendienste wie Threema oder Telegram boomen. Binnen weniger Tage vervielfachten die Messenger ihre Nutzerzahlen. WhatsApp dürfte der Ansturm aber kaum schaden – dafür ist der Platzhirsch zu mächtig.

WeChat hat bereits 600 Millionen registrierte Nutzer, WhatsApp kommt auf weniger als 450 Millionen. Die Funktionsvielfalt der China-App ist kreativ und faszinierend. Nachrichten lassen sich nicht nur tippen, sondern auch sprechen. Deshalb ist der Anblick von Leuten, die ihre Handy senkrecht vor den Mund halten und hineinsprechen, in China schon Alltag geworden.

In einen „Zeitstrahl“ lassen sich Fotos und Gedanken einstellen. Das Ergebnis ähnelt stark der Chronik von Facebook. Wer sich einsam fühlt, kann sein Handy schütteln und wird mit einem zufällig ausgewählten Nutzer in der Nähe verbunden. Auf diese Weise soll die App schon Ehen gestiftet haben. Auch Bezahlen im Restaurant oder am Cola-Automaten ist möglich, dafür ist Anfang des Jahres die Funktion „WeChat Payment“ hinzugekommen.

Kommentare (2)

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alexmii

26.02.2014, 18:00 Uhr

Der Punkt "Soziale Kontrolle" ist nicht ganz richtig. Die Funktion kann man bei WhatsApp ausschalten, so dass weder die letzte Aktivität bei den anderen Nutzer, noch die eigene letzte Aktivität sichtbar ist.
Außerdem wird in dem Artikel auch nicht hinterfragt was Facebook mit der Akquisition vor hat. Vielleicht möchte ja Facebook nach dem Vorbild von WeChat Whatsapp weiterentwickeln, um dann schließlich Anteile auf dem asiatischen Markt zu generieren. Dass Facebook zu dumm ist den chinesischen (oder asiatischen) Markt zu analysieren, kann ich mir persönlich nicht vorstellen. Aber warten wir mal ab...

Account gelöscht!

26.02.2014, 19:30 Uhr

Der Kauf von WhatsApp zu diesem Preis ist eine große Torheit. Allerdings sind es ja nur 19 Mrd. gedruckte USD. Die FED druckt ja schon seit knapp zwei Jahren mehr als 65 Mrd. USD pro Monat. Von dem Neugedruckten können sich dann die Amis viele Value Unternehmen kaufen, so z. B. Nokia für weniger als 10 Mrd. USD.

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