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20.04.2016

16:02 Uhr

Intel

Chipkonzern streicht weltweit 12.000 Stellen

Intel kämpft wegen der Schwäche des PC-Geschäfts bereits seit Monaten mit Problemen. Nun reagiert der weltgrößte Chipkonzern mit einem Stellenkahlschlag und einer strategischen Neuausrichtung. Analysten sind skeptisch.

Der Hauptsitz von Intel im kalifornischen Santa Clara, California. Weltweit will der Chiphersteller massiv Stellen kürzen. dpa

Intel spart

Der Hauptsitz von Intel im kalifornischen Santa Clara, California. Weltweit will der Chiphersteller massiv Stellen kürzen.

Bangalore/BerlinDer weltgrößte Chipkonzern Intel begegnet dem Abstieg der PC-Industrie mit einem Stellenkahlschlag und einer strategischen Neuausrichtung. Weltweit baut das US-Unternehmen 12.000 Arbeitsplätze ab und damit elf Prozent der Belegschaft. Wie viele Jobs in Deutschland betroffen sind, wollte Intel am Mittwoch nicht mitteilen. Zudem ändert der Konzern aus Santa Clara wie Hewlett Packard und Microsoft seine Strategie: Statt Halbleiter für PCs soll die Produktion von Chips für Rechenzentren und für am Körper tragbare Kleingeräte zum Brot-und-Butter-Geschäft aufsteigen.

Hewlett Packard hatte sich im vergangenen Jahr sogar aufgespalten. Dell, Microsoft & Co. konzentrieren sich vor allem auf das zukunftsträchtige Cloud-Geschäft. Analysten sind allerdings skeptisch, ob die Neuorientierung von Intel gelingen wird. Hans Mosesmann vom Finanzberater Raymond James sagte, die Stellenstreichungen hingen eher mit Intel-Problemen zusammen als mit der gesamten Technologie-Industrie. Die Intel-Aktie stieg dennoch zum Handelsauftakt in New York um 0,1 Prozent.

Die größten Chiphersteller der Welt

Intel

Mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar ist Intel der mit Abstand größte Chiphersteller der Welt. Seit fast einem Vierteljahrhundert führt Intel die Rangliste nun schon an. Der Konzern aus dem Silicon Valley lebt vor allem von seinen Prozessoren. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners. Die Halbleiter des Unternehmens stecken insbesondere in PCs, Notebooks und Servern. Im Geschäft mit Smartphones konnte Intel nie so recht Fuß fassen. Alles in allem erreicht Intel auf dem Halbleitermarkt einen Anteil von mehr als 15 Prozent.

Samsung Electronics

Die Chipsparte des koreanischen Elektronikkonzerns ist nach Intel weltweit die Nummer zwei und kommt den Experten von Gartner zufolge auf gut elf Prozent Markanteil. Die Asiaten sind vor allem stark in Speicherchips. Samsung beliefert unter anderem auch Apple. Halbleiter sind freilich nur ein Geschäft von vielen von Samsung Electronics. Die Koreaner liefern auch viele andere elektronische Bauteile sowie Waschmaschinen, Smartphones, Fernseher und sogar Kühlschränke und Staubsauger.

SK Hynix

Der zweite große südkoreanische Halbleiteranbieter heißt SK Hynix und liegt in der Weltrangliste auf Platz drei. Der Umsatz: Mehr als 16 Milliarden Dollar. SK Hynix produziert insbesondere Speicherchips und wurde in der Vergangenheit vom Staat gestützt, um eine Insolvenz abzuwenden. Als einer der ganz wenigen großen Chipkonzerne ist SK Hynix 2015 gewachsen.

Qualcomm

In der Öffentlichkeit ist Qualcomm zu gut wie unbekannt, doch in der Halbleiterbranche sind die Kalifornier die Nummer vier mit zuletzt rund 16 Milliarden Dollar Umsatz. Die Firma liefert vor allem Chips für Smartphones. So stark ist Qualcomm auf diesem Feld, dass der Konzern wiederholt mit den Kartellämtern Probleme hatte. Das Unternehmen betreibt keine eigenen Fabriken sondern lässt alle seine Chips in sogenannten Foundries fertigen. Zudem verdient Qualcomm an Lizenzgebühren, weil jeder Handyhersteller auf geistiges Eigentum der Amerikaner zurückgreifen muss. 2015 war jedoch kein gutes Jahr für Qualcomm, der Umsatz ist kräftig gefallen. Mit einem Kurseinbruch von einem Drittel lief es auch auf dem Parkett alles andere als rund.

Micron Technology

Der US-Konzern arbeitet eng mit Intel zusammen und steht auf Rang fünf der Umsatzrangliste der Halbleiterindustrie. Zuletzt lagen die Erlöse bei rund 14,5 Milliarden Dollar. Micron verkauft hauptsächlich Speicherchips. Gemeinsam mit Intel hofft Micron derzeit auf eine ganz neue Generation an Speicherchips. Die neuen Chips sollen 1000 Mal schneller sein als die derzeit gebräuchlichen NAND-Speicherchips. Gleichzeitig können die fortschrittlichen Halbleiter zehn Mal mehr Daten fassen als die herkömmlichen Arbeitsspeicher, die sogenannten DRAMs. Im Gegensatz zu den DRAM-Chips, und ähnlich wie bei NAND, gehen die Informationen bei der neuen Technik nicht verloren, wenn der Strom erlischt. NAND hat in den vergangenen Jahren in vielen Rechnern die Festplatten verdrängt und wird jetzt womöglich selbst durch die neue Technik abgelöst. Intel und Micron haben die neue Technik 3D Xpoint genannt.

Texas Instruments

Vielen Menschen ist der US-Konzern vor allem wegen der Taschenrechner ein Begriff. Dabei lebt Texas Instruments vor allem von Chips und gilt als einer der verlässlichsten und über Jahrzehnte hinweg profitabelsten Anbieter. Der Umsatz lag zuletzt bei gut elf Milliarden Dollar, damit rangiert die Firma auf Platz sechs der Weltrangliste.

Toshiba Semiconductor

Der größte japanische Chiphersteller kam zuletzt auf Erlöse von 8,5 Milliarden Dollar, das reicht für Platz sieben in der Weltrangliste. Der Marktanteil beträgt fast drei Prozent.

Broadcom

Der US-Konzern ist der große Wettbewerber von Qualcomm im Geschäft mit Handychips und liegt auf Platz acht der größten Halbleiterhersteller. Allerdings wird es Broadcom nicht mehr lange geben. Arvago schluckt den Konkurrenten gerade und gibt dafür die Rekordsumme von 37 Milliarden Dollar aus. So viel wurde in der Industrie noch nie bei einer Übernahme auf den Tisch gelegt.

ST Microelectronics

Bislang der größte europäische Halbleiterhersteller, doch diese Position wird der Konzern nicht mehr lange behalten. Der Grund: NXP aus Eindhoven hat Ende 2015 den amerikanischen Rivalen Freescale übernommen und ist wird damit vom Umsatz her an ST Microelectronics vorbei ziehen. Das französisch-italienische Unternehmen ST Microelectronics erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von fast sieben Milliarden Euro, das ergab den Marktforschern von Gartner zufolge Platz neun. Die Firma mit Hauptsitz in Genf beliefert zahlreiche Industrien, tut sich aber seit Jahren wirtschaftlich schwer. Eine Bürde ist die Historie, weil es viele Standorte in den beiden Ursprungsländern Frankreich und Italien gibt.

Infineon

Der wichtigste deutsche Chipproduzent und der einzige Hersteller hierzulande in den Top-ten der Branche. Die Münchener sind 2015 um rund ein Drittel gewachsen, vor allem aufgrund der Übernahme des US-Rivalen International Rectifier. Auch an der Börse lief es vergangenes Jahr prächtig, mit einem Kursplus von gut 50 Prozent gehörte die ehemalige Siemens-Sparte zu den größten Gewinnern im Dax. Infineon wird seinen Platz unter den zehn größten Herstellern vermutlich bald verlieren, weil der holländische Wettbewerber NXP den amerikanischen Rivalen Freescale jüngst geschluckt hat.

Autor: Joachim Hofer

Intel kämpft bereits seit Monaten mit Problemen und bekam zuletzt auch Schwierigkeiten in seinem Hoffnungsgeschäft – der Produktion von Prozessoren für Rechenzentren. Nun musste der Konzern auch seine Umsatzprognose für das laufende Jahr senken. Demnach wird nun nur noch ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet. Bislang lautete das Ziel auf eine mittlere bis hohe einstellige Rate. Laut den Marktforschern von Gartner ist der weltweite PC-Absatz im ersten Quartal um fast zehn Prozent gesunken. Es war das sechste Quartal in Folge mit einem Rückgang und das erste Mal seit 2007, dass weniger als 65 Millionen Geräte ausgeliefert wurden.

Laut Intel-Chef Brian Krzanich werden die Einbußen durch die Konjunkturabkühlung in China und anderen Schwellenländern noch verschärft. Bei Intel kommt hinzu, dass es dem Konzern bisher nicht gelungen ist, sich ein starkes zweites Standbein aufzubauen. Den Trend zu Tablets und Smartphones hatte das Unternehmen verschlafen. Jüngste Bemühungen, in diesem Bereich mit der Chip-Produktion aufzuschließen, liefen angesichts der Dominanz von Qualcomm, Samsung Electronics und auch ARM eher ins Leere.

Für die Finanzierung der Restrukturierung veranschlagt Intel im laufenden Quartal vor Steuern 1,2 Milliarden Dollar. Der Stellenabbau soll bis Mitte 2017 beendet sein. Intel will Mitarbeiter mit freiwilligen Abfindungen zum Austritt bewegen und plant zudem Kündigungen. In den nächsten 60 Tagen sollen die betroffenen Mitarbeiter dazu mehr erfahren. Wie viele Leute Intel in Deutschland beschäftigt, wollte der Konzern nicht angeben.

Zu Jahresbeginn stagnierte der Gewinn bei zwei Milliarden Dollar. Die Erlöse hingegen legten leicht um sieben Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar zu. Darüber hinaus sucht Intel jetzt auch einen neuen Finanzchef. Stacy Smith wird sich künftig um die Bereiche Vertrieb, Fertigung und Betriebsabläufe kümmern.

Von

rtr

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