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17.08.2016

10:35 Uhr

Intel und Microsoft

Datenbrillen statt veralteter Hardware

VonAxel Postinett

In den 1980er-Jahren beherrschten die beiden IT-Urgesteine Intel und Microsoft den PC-Markt. Nun versuchen sie gemeinsam, die Computerlandschaft der Zukunft zu erobern. Und ihre Chancen stehen nicht schlecht.

Die vierte Welle der Computerplattformen rollt. AP

Intel-Manager Navin Shenoy

Die vierte Welle der Computerplattformen rollt.

San FranciscoIntel-Chef Brian Krzanich hat ein Problem und eine Hoffnung: Das Problem sind die wegbrechenden PC-Verkäufe; seine Hoffnung trägt den Namen „Merged reality“ – eine neue Art virtueller Realität (VR), die gezielt um Details aus der realen Umwelt angereichert wird. So kann der Träger einer entsprechenden Brille in der virtuellen Welt etwa seine Hände als digitale Abbilder sehen, sie bewegen und als Werkzeuge nutzen, um etwa digitale Türen zu öffnen.

Hardware für virtuelle Realitäten, wie etwa Brillen, werden als neue Computerplattformen gehandelt. Als PCs der Zukunft sozusagen. Und da will Intel wieder wie in der Vergangenheit Hoflieferant für Chips und Prozessoren sein. Die Wall Street jedenfalls gibt schon mal Vorschusslorbeeren: An einem schwachen Tag stieg die Intel-Aktie um 0,86 Prozent auf 35,21 Dollar.

„Merged reality“, versprach Krzanich am Dienstag auf der jährlichen Entwicklerkonferenz in San Francisco, „wird eine dieser fundamentalen Veränderungen sein, die neu definieren wird, wie wir arbeiten, uns unterhalten lassen und wie wir kommunizieren“. Krzanich präsentierte das Project Alloy, eine Datenbrille für virtuelle Realität, die gleichzeitig mit Kameras, Mikrophonen und Sensoren die gesamte Umwelt in Echtzeit überwacht und analysiert. Da Alloy keine Kabel braucht und einen eigenen Computer eingebaut hat, bewegt sich der Nutzer frei im realen Raum, während er im virtuellen Raum agiert.

Alloy ist mit einer Sensortechnik von Intel ausgerüstet, die Hindernisse in der Umgebung der Nutzer erkennt. Bevor sie den Flachbildfernseher im Wohnzimmer umrennen oder in eine Glastür treten, warnt sie das System. Kommt ein Mensch in den Sichtbereich, erscheint er auch in der digitalen Welt. Mit Alloy sollen in Zukunft mehrere Nutzer vernetzt arbeiten oder spielen können.

Einen Markteintritt mit Wucht versprechen sich Intel und auch Microsoft von der Integration dieser Technik in Windows 10. Terry Myerson, Microsofts Windows-Chef, erschien auf der Bühne des Moscone Centers um mitzuteilen, Alloy werde auf der Windows Holographic-Plattform laufen. Mit diesem Betriebssystem betreibt Microsoft seine eigene „Hololens“, die Brille für augmented reality, eine Technologie, mit der die reale Umwelt um digitale Informationen angereichert wird.

Die Verbindung von Windows 10 und Alloy hat das Potenzial, die aufkeimende VR-Branche dramatisch zu verändern. So wie Microsoft und Intel bereits 1975 zusammen die IT-Welt verändert haben, als Bill Gates mit Paul Allen und Monte Davidoff die Programmiersprache Altair Basic für den Prozessor Intel 8080 schrieben.

Die größten Chiphersteller der Welt

Intel

Mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar ist Intel der mit Abstand größte Chiphersteller der Welt. Seit fast einem Vierteljahrhundert führt Intel die Rangliste nun schon an. Der Konzern aus dem Silicon Valley lebt vor allem von seinen Prozessoren. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners. Die Halbleiter des Unternehmens stecken insbesondere in PCs, Notebooks und Servern. Im Geschäft mit Smartphones konnte Intel nie so recht Fuß fassen. Alles in allem erreicht Intel auf dem Halbleitermarkt einen Anteil von mehr als 15 Prozent.

Samsung Electronics

Die Chipsparte des koreanischen Elektronikkonzerns ist nach Intel weltweit die Nummer zwei und kommt den Experten von Gartner zufolge auf gut elf Prozent Markanteil. Die Asiaten sind vor allem stark in Speicherchips. Samsung beliefert unter anderem auch Apple. Halbleiter sind freilich nur ein Geschäft von vielen von Samsung Electronics. Die Koreaner liefern auch viele andere elektronische Bauteile sowie Waschmaschinen, Smartphones, Fernseher und sogar Kühlschränke und Staubsauger.

SK Hynix

Der zweite große südkoreanische Halbleiteranbieter heißt SK Hynix und liegt in der Weltrangliste auf Platz drei. Der Umsatz: Mehr als 16 Milliarden Dollar. SK Hynix produziert insbesondere Speicherchips und wurde in der Vergangenheit vom Staat gestützt, um eine Insolvenz abzuwenden. Als einer der ganz wenigen großen Chipkonzerne ist SK Hynix 2015 gewachsen.

Qualcomm

In der Öffentlichkeit ist Qualcomm zu gut wie unbekannt, doch in der Halbleiterbranche sind die Kalifornier die Nummer vier mit zuletzt rund 16 Milliarden Dollar Umsatz. Die Firma liefert vor allem Chips für Smartphones. So stark ist Qualcomm auf diesem Feld, dass der Konzern wiederholt mit den Kartellämtern Probleme hatte. Das Unternehmen betreibt keine eigenen Fabriken sondern lässt alle seine Chips in sogenannten Foundries fertigen. Zudem verdient Qualcomm an Lizenzgebühren, weil jeder Handyhersteller auf geistiges Eigentum der Amerikaner zurückgreifen muss. 2015 war jedoch kein gutes Jahr für Qualcomm, der Umsatz ist kräftig gefallen. Mit einem Kurseinbruch von einem Drittel lief es auch auf dem Parkett alles andere als rund.

Micron Technology

Der US-Konzern arbeitet eng mit Intel zusammen und steht auf Rang fünf der Umsatzrangliste der Halbleiterindustrie. Zuletzt lagen die Erlöse bei rund 14,5 Milliarden Dollar. Micron verkauft hauptsächlich Speicherchips. Gemeinsam mit Intel hofft Micron derzeit auf eine ganz neue Generation an Speicherchips. Die neuen Chips sollen 1000 Mal schneller sein als die derzeit gebräuchlichen NAND-Speicherchips. Gleichzeitig können die fortschrittlichen Halbleiter zehn Mal mehr Daten fassen als die herkömmlichen Arbeitsspeicher, die sogenannten DRAMs. Im Gegensatz zu den DRAM-Chips, und ähnlich wie bei NAND, gehen die Informationen bei der neuen Technik nicht verloren, wenn der Strom erlischt. NAND hat in den vergangenen Jahren in vielen Rechnern die Festplatten verdrängt und wird jetzt womöglich selbst durch die neue Technik abgelöst. Intel und Micron haben die neue Technik 3D Xpoint genannt.

Texas Instruments

Vielen Menschen ist der US-Konzern vor allem wegen der Taschenrechner ein Begriff. Dabei lebt Texas Instruments vor allem von Chips und gilt als einer der verlässlichsten und über Jahrzehnte hinweg profitabelsten Anbieter. Der Umsatz lag zuletzt bei gut elf Milliarden Dollar, damit rangiert die Firma auf Platz sechs der Weltrangliste.

Toshiba Semiconductor

Der größte japanische Chiphersteller kam zuletzt auf Erlöse von 8,5 Milliarden Dollar, das reicht für Platz sieben in der Weltrangliste. Der Marktanteil beträgt fast drei Prozent.

Broadcom

Der US-Konzern ist der große Wettbewerber von Qualcomm im Geschäft mit Handychips und liegt auf Platz acht der größten Halbleiterhersteller. Allerdings wird es Broadcom nicht mehr lange geben. Arvago schluckt den Konkurrenten gerade und gibt dafür die Rekordsumme von 37 Milliarden Dollar aus. So viel wurde in der Industrie noch nie bei einer Übernahme auf den Tisch gelegt.

ST Microelectronics

Bislang der größte europäische Halbleiterhersteller, doch diese Position wird der Konzern nicht mehr lange behalten. Der Grund: NXP aus Eindhoven hat Ende 2015 den amerikanischen Rivalen Freescale übernommen und ist wird damit vom Umsatz her an ST Microelectronics vorbei ziehen. Das französisch-italienische Unternehmen ST Microelectronics erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von fast sieben Milliarden Euro, das ergab den Marktforschern von Gartner zufolge Platz neun. Die Firma mit Hauptsitz in Genf beliefert zahlreiche Industrien, tut sich aber seit Jahren wirtschaftlich schwer. Eine Bürde ist die Historie, weil es viele Standorte in den beiden Ursprungsländern Frankreich und Italien gibt.

Infineon

Der wichtigste deutsche Chipproduzent und der einzige Hersteller hierzulande in den Top-ten der Branche. Die Münchener sind 2015 um rund ein Drittel gewachsen, vor allem aufgrund der Übernahme des US-Rivalen International Rectifier. Auch an der Börse lief es vergangenes Jahr prächtig, mit einem Kursplus von gut 50 Prozent gehörte die ehemalige Siemens-Sparte zu den größten Gewinnern im Dax. Infineon wird seinen Platz unter den zehn größten Herstellern vermutlich bald verlieren, weil der holländische Wettbewerber NXP den amerikanischen Rivalen Freescale jüngst geschluckt hat.

Autor: Joachim Hofer

Nach heutigem Stand wird der Chiphersteller Intel Alloy nicht selbst produzieren und verkaufen, sondern macht sämtliche Pläne, Daten und Fertigungsanweisungen öffentlich zugänglich (Open Source). Das wird in der Branche als „Referenzdesign“ bezeichnet, eine Blaupause, die jeder nachbauen kann.

Das hat schon einmal prächtig funktioniert: Wer Motherboards für PCs mit Intel-Prozessoren bauen will, der kann sich ebenfalls an Referenzdesigns aus Santa Clara bedienen. Das versetzte Hersteller in den USA und Asien in den 80er-Jahren in die Lage, schnell und ohne großen Forschungsaufwand Intel-basierte PCs in Masse zu produzieren und den Markt zu überschwemmen.

Kommentare (6)

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Herr Toni Ebert

17.08.2016, 11:19 Uhr

ja, man sieht, wie sich unsere neue Zukunft aufbaut.

IN 10-20 Jahren sind 80% der westlichen Menschheit in der Matrix, die ihnen ALLES bietet, was sie brauchen.

- KI (Quantencomputer)
- VR - Brillen
- Tropf
- Urin-Abfluss

Was bisher noch nicht so bekannt ist, das wäre der VR-Anzug.

Und mit weniger als 100 € / Monat kann man die H4-Elite / Monat ruhig stellen.

G. Nampf

17.08.2016, 11:35 Uhr

Die RICHTIGE Welt bleibt analog, egal was uns Politiker/Verkaufsmanager/"Journalisten" weismachen wollen.

Herr Nehal Devanowitch

17.08.2016, 12:38 Uhr

Ja überlegen Sie mal. Der Propf und die Flüssignahrung kosten ja nicht viel. Einen Urlaub bekomme ich für Lau.

alleine die Märkte die sich bei 2.Live und WOW entwickelt haben sind Milliarden schwer. Ich denke man kann locker in der VR Arbeiten, da gibt es genug zu tun!

Und für einen Flachdenkenden Informatiker ist unser Leben nichts anderes wie eine XR

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