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14.01.2005

09:41 Uhr

Interesse an Ten Network - Unternehmen hoffen auf Reform des Medienrechts

Australischer Verlag Fairfax plant Expansion ins Fernsehgeschäft

VonUrs Wälterlin

Der australische Medienkonzern John Fairfax Holdings hat offenbar Interesse an einer Beteiligung am drittgrößten privaten australischen Fernsehsender Ten Network. Der Wert der Beteiligung könne eine Mrd. australische Dollar (umgerechnet rund 578 Mill. Euro) betragen, berichtet die überregionale Tageszeitung "The Australien".

HB SYDNEY. Network Ten gehört zum kanadischen Medienkonzern Canwest. Der sucht seit Wochen nach Interessenten für einen Anteil an seinem australischen Boulevardsender. An der australischen Börse stimulierte die Meldung gestern beide Titel. Bei einem Aktienpreis von 4,16 A-Dollar hat Ten Network gegenwärtig einen Marktwert von 1,6 Mrd. A-Dollar.

John Fairfax war 1987 aus dem Fernsehgeschäft ausgestiegen. Bis dahin kontrollierte der Konzern den Fernsehsender Seven Network. Sollte der Einstieg bei Ten Network zu Stande kommen, würde dies in der von einer Hand voll Unternehmen kontrollierten Medienlandschaft Australiens eine deutliche Verschiebung des Gleichgewichts bedeuten - und das nur Monate vor der erwarteten Liberalisierung der strikten Mediengesetze.

Heute darf ein Unternehmen in einer Großstadt nicht gleichzeitig die Mehrheit der Zeitungen und gleichzeitig elektronische Medien wie Fernsehen und Radio kontrollieren. Auch das Engagement ausländischer Medienfirmen im australischen Markt wird limitiert. Beobachter erwarten aus, dass die konservative Regierung im Verlauf der neuen Legislaturperiode dem Senat einen Gesetzesvorschlag unterbreiten wird, der die bestehenden Vorschriften ablöst.

Konzerne wie Rupert Murdochs News Corp. und Kerry Packer s Publishing & Broadcasting - die Mutter des Fernsehsenders Nine Network und mehrerer Druckmedien - fordern von der Regierung seit Jahren die Aufhebung der Einschränkungen. Die konservative Regierung stellte sich schon vor längerem auf die Seite der Verlage.

Der Gesetzesvorschlag zu Abschaffung der Restriktionen dürfte beinhalten, dass Unternehmen der Kreuzbesitz mit einer Einschränkung erlaubt wird. Wer in einer Stadt sowohl eine Zeitung herausgibt als auch einen Fernseh- oder Rundfunksender betreibt, wird wahrscheinlich zwei von einander unabhängige Redaktionen unterhalten müssen. Dass die Gesetzesänderung vom Senat abgelehnt wird, ist unwahrscheinlich.

Sollte die Beteiligung an Ten Network gelingen, könnte sich Fairfax damit auf einen Schlag eine wesentliche Position im Markt der elektronischen Medien schaffen. Der expansionsfreudige Verlag hatte in den vergangenen Jahren seine Lust auf Wachstum mit dem Kauf von Printmedien in Neuseeland befriedigt.

Ten Network geht damit aber einmal mehr auf Kollisionskurs mit der Regierung, wo bereits die aktuelle Besitzerstruktur der Fernsehkette als Weg gesehen wird, die Mediengesetze zu umgehen. Canwest hatte unter ihrem Konzernchef Leonard Asper eine Unternehmensstruktur aufgebaut, die den Stimmrechtsanteil der kanadischen Firma an Ten Network zwar auf 14,5 Prozent beschränkt, ihr aber einen wirtschaftlichen Anteil von 57,5 Prozent gibt.

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