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19.04.2013

14:55 Uhr

Interne Kreise

Blackstone steigt angeblich aus Bieter-Rennen um Dell aus

Michael Dell ist offenbar gewichtige Konkurrenz los: Blackstone führt den massiven Absatzeinbruch in der PC-Branche als Grund an. Die Chancen des Gründers steigen damit, das Unternehmen zurückkaufen zu können.

Michael Dell will sein Unternehmen wieder zurückkaufen – er plant, den PC-Hersteller von der Börse zu nehmen und abseits der Kapitalmärkte zu sanieren. ap

Michael Dell will sein Unternehmen wieder zurückkaufen – er plant, den PC-Hersteller von der Börse zu nehmen und abseits der Kapitalmärkte zu sanieren.

New YorkIm Übernahmekampf um den schwächelnden US-Computerbauer Dell ist Konzerngründer Michael Dell einen schwergewichtigen Rivalen los. Das Unternehmen teilte am Freitag mit, ein von Blackstone geführtes Konsortium sei aus dem Rennen ausgestiegen. Der New Yorker Finanzinvestor werde kein verbindliches Angebot abgeben. Damit steigen die Chancen von Michael Dell, sein Unternehmen wie geplant von der Börse zu nehmen und dann in aller Ruhe zu sanieren. Weil immer weniger klassische Computer verkauft werden, soll das Service-Geschäft des Branchendritten ausgebaut werden - einen Weg, den IBM bereits erfolgreich gegangen ist.

Großaktionär: Icahn bekommt Anteilslimit für Dell

Großaktionär

Icahn bekommt Anteilslimit für Dell

Der US-Computerbauer Dell hat sich mit Investor und Milliardär Carl Icahn geeinigt. Er und seine direkten Mitstreiter dürfen nicht mehr als ein Zehntel der Anteile kaufen. Für Firmengründer Dell ist es ein Teilerfolg.

In einem Brief an das Dell-Management wurden als Gründe für Blackstones Rückzug der Absatzeinbruch der PC-Branche im ersten Quartal 2013 sowie die schwächere Gewinnprognose von Dell - statt 3,7 Milliarden Dollar wird operativ 2013 nur noch mit 3,0 Milliarden gerechnet - angegeben. Dell-Aktien verloren vorbörslich mehr als zwei Prozent. Blackstone hatte sein Interesse an Dell vor nicht einmal einem Monat angemeldet.

Die Geschichte von Dell

Firmengründung

Michael Dell gründet seine erste Firma 1984 – da ist er gerade 19 Jahre alt und bereitet sich auf ein Medizinstudium in Austin im US-Bundesstaat Texas vor. PC's Limited baut Computer zusammen, die die Kunden – Firmen und Bastler – selbst konfigurieren können. Nach einem Jahr bricht der Jungunternehmer die Uni ab und macht sich mit einem Zuschuss der Familie selbständig.

Erster Computer

1985 gestaltet die Firma ihren ersten eigenen Computer, den Turbo PC. Er hat einen acht Megahertz schnellen Intel-Prozessor und eine Zehn-Megabyte-Festplatte an Bord, außerdem ein Floppy-Laufwerk für 5,25-Zoll-Disketten. Michael Dell verkauft die Geräte direkt an die Nutzer – in Fachmagazinen wirbt er mit niedrigen Preisen. Bestellt wird per Telefon.

Börsengang

Der Direktverkauf zieht dank niedriger Preise viele Kunden an – die Firma wächst rasant und geht bereits 1988 unter dem Namen Dell Computer an die Börse. Sie sammelt 30 Millionen Dollar ein und wird mit 85 Millionen Dollar bewertet.

Erstes Laptop

Das erste Laptop der Firma Dell kommt 1989 auf den Markt: Das 316LT wiegt rund 6,8 Kilogramm. Bei den bald sehr populären mobilen Rechnern setzen allerdings zunächst andere Hersteller die Trends.

Vertrieb übers Internet

Als eines der ersten Unternehmen nutzt Dell die Möglichkeiten des World Wide Web, bereits 1996 geht die Website dell.com online. Schon bald macht die Firma damit ordentliche Umsätze.

Die Nummer 1

Anfang des Jahrtausends macht Dell alles richtig: Die Lieferkette ist schlank, der Vertrieb effizient. Im Jahr 2000 ist Dell der größte PC-Hersteller der Welt. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Konkurrenz dazulernt.

Der Gründer tritt ab und kehrt zurück

2004 zieht sich Michael Dell aus dem operativen Geschäft der Firma zurück. Den Chefposten übernimmt Kevin Rollins. Er hat allerdings wenig Glück: Die Resultate enttäuschen. 2007 muss er gehen – und Gründer Michael Dell kehrt an die Spitze zurück.

Der Konsument im Fokus

Der neue alte Chef versucht, attraktive Geräte für Verbraucher zu entwickeln. Zudem verkauft Dell seine Rechner nun auch im Einzelhandel – allerdings zulasten der Marge. Im Wettbewerb mit Hewlett-Packard, Apple und etlichen asiatischen Anbietern verliert Dell allerdings immer mehr an Boden. Den Trend zu Smartphones und Tablets verschläft Dell fast komplett.

Vorstoß ins Service-Geschäft

Um sich breiter aufzustellen, kauft Dell mehrere Anbieter von IT-Dienstleistungen. So übernimmt der Konzern 2009 Perot Systems für 3,9 Milliarden Dollar.

Firmengründer Dell will die Übernahme im Volumen von 24,4 Milliarden Dollar zusammen mit der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake realisieren. Dabei bietet Silver Lake in bar 13,65 Dollar je Dell-Aktie. Blackstone hatte auf vorläufiger Basis eine Offerte von mehr als 14,25 Dollar pro Anteilsschein für die komplette Firma in Aussicht gestellt. Seinen Hut hat auch der Investor und Dell-Großaktionär Paul Icahn in den Ring geworfen. Er könnte für 58 Prozent der Anteile 15 Dollar pro Aktie auf den Tisch legen.

Auch wenn die Karten von Michael Dell nun gestiegen sind, ist der Deal noch lange nicht in trockenen Tüchern. So macht unter anderem der Vermögensverwalter Southeastern, der 8,4 Prozent der Dell-Anteile hält, Stimmung gegen die Pläne, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Und auch Icahn ist dafür bekannt, sich in die Unternehmenspolitik seiner Beteiligungen einzumischen. Allerdings hatte sich Michael Dell zuletzt mit ihm darauf geeinigt, dass dieser nicht mehr als ein Zehntel der gesamten Anteile halten darf. Nach Dell-Angaben hat Icahn zudem zugesichert, mit weiteren Verbündeten maximal auf einen Anteil von 15 Prozent zu kommen.

Michael Dell will mit der Übernahme sein Lebenswerk retten. Denn der einstige Branchenprimus hinkt derzeit bei Innovationen hinterher. Dell hatte das Unternehmen mit 19 Jahren und einem Kapital von nur 1000 Dollar gegründet. Weil Kunden immer mehr auf Smartphones und Tablets umsteigen - Bereiche, die andere Firmen wie Apple und Samsung dominieren - soll bei Dell nun das Service-Geschäft gestärkt werden. Vorbild ist dabei IBM: Der ehemalige Rivale verkaufte sein Computergeschäft an den chinesischen Konkurrenten Lenovo und mutierte zu einem erfolgreichen IT-Dienstleistungsriesen.

Von

rtr

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