Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.11.2015

19:58 Uhr

Interne Recherche im Unternehmen

Spurensuche im eigenen System

VonIna Karabasz

Immer mehr Unternehmen spüren mit Such-Tools versteckte Informationen, die in Intranet und Emails schlummern, auf. Der Markt für Softwarefirmen ist riesig. Nun greifen kleine Anbieter HP, Coveo & Co. an.

Spezielle Softwareprogramme durchsuchen für Unternehmen Intranet, Emails und Dateien automatisch und werten die Daten aus. dapd

Schluss mit manueller Informationssuche

Spezielle Softwareprogramme durchsuchen für Unternehmen Intranet, Emails und Dateien automatisch und werten die Daten aus.

DüsseldorfDas Wissen der Welt ist immer nur wenige Mausklicks entfernt. Kurz ein Stichwort in eine Suchmaschine eingetippt und schon ist es da. Wer wissen will, welchen Wert das für die Menschheit hat, muss sich nur die Bilanz von Google ansehen: Der Internetgigant hat im vergangenen Jahr rund 66 Milliarden Dollar eingenommen – und gehört zu den größten und mächtigsten Konzernen der Welt. Er ist so groß geworden, weil er einen Algorithmus entwickelt hat, der aus der Unmenge an Informationen im Internet ziemlich genau die rausfiltert, die gerade tatsächlich gesucht werden.

Diesen schnellen Zugang zu Informationen wollen auch immer mehr Unternehmen für sich nutzen - und durchforsten dazu statt dem Internet ihre eigenen internen Systeme. Unter den Stichwort „Enterprise Search“, also „Suche im Unternehmen“ bieten diverse Softwarehersteller an, Daten, die bisher oft in alten Emails, im Intranet oder in Dateien ungesehen vor sich hin schlummern, leicht auffindbar und somit nutzbar zu machen.

Wofür steht Big Data?

Der Hype um die Daten

Unter Big Data versteht man Technologie zur Verknüpfung und Auswertung riesiger Datenmengen. Ziel ist es, neue Erkenntnisse zu gewinnen – etwa welche Produkte einem Kunden gefallen oder wo unentschlossene Wähler wohnen.

Riese Datenmengen

Das Datenaufkommen verdoppelt sich ungefähr alle zwei Jahre. Viele der Informationen erzeugen nicht Menschen, sondern Maschinen – beispielsweise Smartphones, intelligente Stromzähler oder Autos. Gerade Bewegungsdaten sind fürs Marketing relevant.

Vielfältige Quellen

Big Data bedeutet auch: Es werden Daten aus verschiedensten Quellen miteinander verknüpft und zu einem Profil verschmolzen. Marketing-Experten setzen beispielsweise auf klassische Kundendatenbanken, Bewegungsdaten von Smartphones sowie Informationen aus Sozialen Netzwerken. Auch die Wettervorhersage kann nützlich sein, um bestimmte Produkte zu verkaufen.

Ergebnisse in Echtzeit

Besonderen Reiz gewinnt Big-Data-Technologie durch ihre Geschwindigkeit: In vielen Fällen spucken die Superrechner die Ergebnisse in Echtzeit aus, oder sie beschleunigen zumindest die Berechnungen im Vergleich zu herkömmlichen Technologien deutlich.

Korrelation statt Kausalität

Big Data führt zu einer Veränderung im Denken: Wer große Datenmengen auswertet, kann statistische Zusammenhänge entdecken, ohne die Gründe dafür zu verstehen – Korrelation statt Kausalität. Das könnte langfristig verändern, wie wir Menschen Probleme lösen.

Die Software scannt also alle im Unternehmen befindlichen Dokumente und Emails, einige können sogar Mitschnitte von Telefonaten auswerten. Wer dann beispielsweise nach einem speziellen Kunden sucht, findet nicht nur die Dokumente aus der eigenen Abteilung, sondern auch aus anderen. Damit entsteht ein umfassenderes Bild des Kunden.

Laut einer Studie des Marktforschers Grand View Research wird der Markt für Enterprise-Search-Lösungen im Jahr 2020 rund fünf Milliarden Dollar schwer sein. Derzeit ist er etwa halb so groß.

Einer der von diesem wachsenden Markt profitieren möchte ist Daniel Fallmann, Gründer und Geschäftsführer von Mindbreeze. Das Unternehmen aus Linz in Österreich bietet seit 2005 Enterprise-Search-Lösungen an. Damals hätte er einfach den Bedarf gesehen, sagt er heute. „In den Datenquellen eines Unternehmens befinden sich oft viele Millionen Dokumente.“ Nur diese auszuwerten sei gar nicht so leicht: „Die Anforderungen an die Suche sind in Unternehmen ganz andere als im Internet", erklärt Fallmann.

Unter anderem müssen die Programme diverse Dateiformate durchsuchen können und es muss dringend geklärt sein, wem welche Suchergebnisse angezeigt werden. Nicht, dass unberechtigte Mitarbeiter auf einmal auf Personal-  oder sensible Kundendaten zugreifen können. Doch der Mindbreeze-Chef versichert: „Unsere Software zeigt immer nur Informationen an, für die der Nutzer auch eine Berechtigung hat."  Viele Mitarbeiter seien überrascht, was es im Unternehmen alles an Informationen geben würde, die sie auch tatsächlich sehen dürfen, erzählt er weiter. Seine Programme legen etwa automatisiert Telefonbücher aus Email-Kontakten an und können an nur einem Tag die Informationen aus 25.000 Briefen verarbeiten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×