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26.03.2012

07:50 Uhr

Internet

BMG fordert mehr Respekt vor Urheberrecht

CEO Hartwig Masuch unterstützt scharfe Kritik des Künstlers Sven Regener an der Kostenlos-Kultur im Internet. Masuch fordert, künftig bei Urheberrechtsverletzungen die Internetkonzerne zur Rechenschaft zu ziehen.

Die zunehmende Kostenlos-Kultur im Internet beunruhigt Künstler und die Musikbranche. © Edgar R. SCHOEPAL/GERMANY

Die zunehmende Kostenlos-Kultur im Internet beunruhigt Künstler und die Musikbranche.

DüsseldorfDie zunehmende Kostenlos-Kultur im Internet, ideologisch befeuert durch den Aufstieg der Piratenpartei, beunruhigt die Musikbranche. „Der Respekt vor Urheberrechten sinkt. Es gibt einen Teil der Gesellschaft, der Inhalte umsonst konsumieren will“, sagte Hartwig Masuch, Chef von BMG Rights Management, dem Handelsblatt (Montagsausgabe). Es fehle bei diesen Menschen ein Unrechtsbewusstsein, kritisiert der CEO von Deutschlands größtem Musikrechteverlag. Masuch, früher selbst Rockmusiker, warnt vor einer Aushöhlung des Urheberrechts. „Die Nutznießer sind in erster Linie die großen Internetkonzerne. Das haben immer noch nicht alle verstanden“, sagt der Manager in Anspielung auf Google, zu dem auch das Videoportal Youtube gehört.

Masuch fordert, künftig bei Urheberrechtsverletzungen die Internetkonzerne zur Rechenschaft zu ziehen. „Noch immer treffen die großen Internetplayer keine adäquaten Vorsichtsmaßnahmen, um Gesetzesbrüche zu verhindern. Das muss sich ändern.“ Sie müssten endlich in die Pflicht genommen werden. „Auch in Supermärkten dürfen schließlich keine geklauten Produkte verkauft werden, sonst würde sich der Einzelhändler der Hehlerei strafbar machen“, sagt der BMG-Chef. BMG Rights Management wurde 2008 vom heutigen Bertelsmann-Chef  Thomas Rabe initiiert und gehört dem Medienkonzern sowie dem Finanzinvestor KKR.

In der Musikbranche tobt derzeit eine heftige Diskussion. Auslöser war ein Radiointerview mit Sven Regener, erfolgreicher Musiker („Element of Crime“) und Bestseller-Autor („Herr Lehmann“, „Neue Vahr Süd“). Er wehrt sich gegen einen Zeitgeist, der Urhebern ihre Rechte abspricht und für die Leistung von Künstlern nicht bezahlen möchte.  Für Musik zu bezahlen sei eine Frage des Respekts und des Anstands.  Schützenhilfe bekommt Regener nun von BMG. Viele Kreative hätten nur ein Monatseinkommen von 1 000 oder 2 000 Euro, obwohl sie über Jahre hinweg große Hits hatten. „Wir müssen endlich eine Diskussion über die soziale Lage von Kreativen führen. Die meisten Musiker sind heute näher an Hartz IV als an einen Privatflugzeug.“ Die soziale Realität sei weit entfernt von der öffentlichen Wahrnehmung

Von

hps

Kommentare (24)

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Account gelöscht!

26.03.2012, 08:26 Uhr

"Die meisten Musiker sind heute näher an Hartz IV als an einen Privatflugzeug"
Dafür wissen die Medienkonzerne mit dem geld nicht wohin. Dort, und nur dort liegt das Problem!!

svebes

26.03.2012, 08:30 Uhr

Tja, Herr Masuch - wieder dieses reflexartige hacken gegen das böse Internet ohne verstanden zu haben wo das eigene Problem liegt. Wer will eine ganze CD kaufen, wenn 50% bekannt ist? Also einzelen Downloads anbieten. Funktioniert, wie mehfach bewiesen hervorragend. Filme, das selbe Spiel. Keine Jaulerei bitte. Hier sind immer lange Schlangen an der Kinokasse. Wenn die Verwertungsindustrie schlechtere Qualität zum Download zu höheren Preisen als meine Videothek anbietet - wer wundert sich dann bitte? Ich habe auch das erste Buch von Herrn Regener gekauft. Das war unterhaltsam - danach verliess ihn leider die Inspiration und vermutlich damit die Verkaufserfolge. Nicht immer sinds die bösen anderen, eventuell mal an die eigene Nase greifen, Herr Regener.

Klare_Kante

26.03.2012, 08:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Masuch,

Ihre Forderung ist unverschämt. Schon heute gibt es Schutzfristen für Ihre Branche, die über jede vernünftige Regelung hinausgehen. Die Welt und damit auch die Märkte ändern sich aktuell sehr schnell. Sie sind nur an einer Zementierung Ihrer Pfründe interessiert. Wer das nicht akzeptieren will, wird von Ihnen kriminalisiert. Wenn Künstler zu wenig Geld verdienen, hat das vor allem zwei Gründe; entweder der Künstler produziert Kunst, die niemand will oder bedingt durch Knebelverträge der Rechteverwerter, landen die Großteile der Erlöse bei Firmen wie BMG und nicht beim Künstler. Die Rechnung, die Sie da aufmachen, daß jugendliche Kopierer Ihnen die Bilanz verhageln, ist Unsinn. Es ist bei dieser Klientel gar nicht genügend Geld vorhanden, um Ihre Verlustrechnung zu rechtfertigen. Ihre Forderung nach Hilfe durch die Internetprovider ist nicht legitim, selbst Waffenhersteller haften nicht für Schäden, die durch Käufer ihrer Waffen angerichtet werden. Warum sollten also Provider für Rechtsverstöße ihrer Kunden haften. Und ich als Kunde habe auch kein Interesse daran, daß Teile meiner monatlichen Kosten für die Filterung im Interesse der Musikindustrie verwendet werden.
Ich würde es begrüßen, wenn die Schutzfristen für Kunst denen normaler Patente angepaßt werden. Das ist mehr als ausreichend. Sie als Rechteverwerter werden da natürlich anderer Meinung sein. Aber denken Sie daran, "Wir sind die 99%", die Zeit des Lobbyismus beginnt zu sterben.

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