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31.10.2013

15:24 Uhr

Internet-Flatrates

Andere Drossel-Tarife im Visier

Der Erfolg gibt ihnen Recht: Verbraucherschützer haben erstritten, dass die Telekom ihre Internet-Flatrate nicht drosseln darf. Nun wollen sie andere Anbieter überprüfen. Trotzdem dürfte es weiterhin Tempolimits geben.

Surfen ohne Tempolimit? Die Telekom darf ihre Internet-Flatrates nicht drosseln wie geplant. dpa

Surfen ohne Tempolimit? Die Telekom darf ihre Internet-Flatrates nicht drosseln wie geplant.

DüsseldorfDie Drosselpläne der Deutschen Telekom hat die Verbraucherzentrale NRW gestoppt – nun will die Organisation auch gegen die Flatrates anderer Unternehmen vorgehen. „Wenn das Urteil rechtskräftig wird, werden wir uns genau überlegen, ob wir auch andere Firmen abmahnen müssen“, sagte Thomas Bradler, Rechtsanwalt der Verbraucherzentrale NRW, der Zeitung „Rheinische Post“. Die Telekom sei „ja nicht das einzige Unternehmen, das Flatrates im Festnetz bewirbt und dann in Wahrheit doch Volumengrenzen hat“.

Die Deutsche Telekom hatte im April angekündigt, dass Kunden mit Internet-Flatrate künftig deutlich langsamer im Netz unterwegs sein sollen, wenn sie ein bestimmtes Datenvolumen erreicht haben. Sie begründete das mit dem teuren Ausbau der Netze. Nach einer Klage der Verbraucherschützer verbot das Landgericht Köln diese Klausel am Mittwoch aber. Bei einer Internet-Flatrate erwartet der Durchschnittskunde ein bestimmtes Tempo, und zwar ohne jegliche Begrenzung. Die angekündigte Drosselung auf eine Geschwindigkeit von 2 Megabit pro Sekunde sei daher eine „unangemessene Benachteiligung der Nutzer“, hieß es in der Entscheidung.

Q&A zur Tempodrosselung der Telekom

Für wen gelten die Obergrenzen?

Zunächst einmal geht es nur um Neukunden, die einen Vertrag nach dem 2. Mai 2013 abgeschlossen haben. „Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen“, versprach die Telekom im Mai. Allerdings wird spekuliert, dass auch viele Bestandskunden von der Neuregelung betroffen sein könnten: Weil die Telekom ihr Festnetz auf die IP-Technologie umstellt, müssen Nutzer, die weiter einen schnellen Internetanschluss wollen, womöglich den Tarif wechseln – dann wären sie ebenfalls von der Drosselung betroffen. Die Telekom erklärt, dass man heute angesichts der rasanten Entwicklung der Branche nicht seriös sagen könne, welche Tarifmodelle in einigen Jahren gelten werden. Nach dem Urteil des Landgericht Köln ist aber ohnehin fraglich, ob die Geschäftsbedingungen Bestand haben.

Wer überschreitet die Datengrenze?

Das lässt sich heute mit Blick auf das Jahr 2016 schwer sagen. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf Datenvolumen von 15 bis 20 Gigabyte im Monat. Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Datenobergrenze von 75 Gigabyte, die für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 Megabit pro Sekunde (Mbit / s) gilt. Allerdings nimmt der Konsum von Online-Videos rasant zu. Neue TV-Geräte sind internettauglich, Sender bauen ihre Mediatheken aus, immer mehr Dienste bieten Streaming von Filmen und Serien an. Bis 2016 kann der Datenhunger der deutschen Haushalte also noch stark wachsen.

Wie weit kommt man mit 75 Gigabyte?

Laut Telekom reicht das neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails zum Beispiel für zehn Filme in herkömmlicher Auflösung sowie drei HD-Filme, 60 Stunden Internetradio, 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming. Wenn solche Onlinedienste insbesondere in einem Haushalt mit mehreren Personen fest zum Alltag gehören, häuft sich locker eine höhere Nutzung an. Allerdings: Der hauseigene Telekom-Videodienst Entertain zehrt nicht an dem geplanten Datenkontingent.

Was ist mit anderen Anbietern?

Nach aktuellem Stand würden die Nutzung von Entertain-Konkurrenten wie Apples iTunes-Plattform, Amazons Streaming-Dienst Lovefilm oder des ähnlichen Angebots Watchever sowie von YouTube das Inklusivvolumen verbrauchen. Bis 2016 könnten die Anbieter aber noch Partnerschaften mit der Telekom abschließen, die ihnen für gesonderte Bezahlung einen „Managed Service“ garantiert. Dienste solcher Partner tasten das Datenkontingent ebenfalls nicht an. Oder die Anbieter könnten sich zum Kampf gegen die Regelung entschließen.

Was passiert nach Ausschöpfung des Volumens?

Entweder man begnügt sich mit zwei Megabit pro Sekunde, oder man bucht mehr Datenvolumen hinzu. Die Tarife dafür wurden von der Telekom noch nicht genannt.

Gibt es noch eine echte Flatrate?

Die Telekom betont, weiterhin eine echte Flatrate anzubieten, also einen Tarif ohne jede Begrenzung. Dafür will das Unternehmen 10 bis 20 Euro Aufschlag im Vergleich zu heute verlangen – den genauen Preis legt es erst später fest.

Drosseln andere Anbieter auch?

Telekom-Konkurrent Vodafone will nicht mitziehen: „Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln.“ Auch Unitymedia Kabel Baden-Württemberg erteilte einer Drosselung eine Absage: Bereits heute könnten Datenübertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde angeboten werden, die mit wenigen technischen Anpassungen auf 400 MBit/s erhöht werden könnten.

Bei Kabel Deutschland dagegen gibt es bereits Datengrenzen, sie funktionieren aber anders als bei der Telekom. So ist ein Tages-Volumen von 10 Gigabyte vorgesehen, nach dem das Tempo gedrosselt werden kann. Derzeit passiert es aber erst ab 60 GB am Tag. Und zum Beispiel bei 1&1 gehört das Prinzip fest zum günstigsten Tarif dazu: Bis 100 GB im Monat surft man mit bis zu 16 MBit pro Sekunde, danach nur noch mit der langsamsten DSL-Geschwindigkeit von 1 MBit/Sekunde.

Die Entscheidung bezieht sich allerdings nur auf die konkreten Geschäftsbedingungen. „Mit den gesetzlichen Möglichkeiten kann man die Drosselung nicht generell verbieten, so lange es die Anbieter vernünftig kommunizieren“, betonte Bradler im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Wir können nur mehr Ehrlichkeit einfordern.“ Auch im konkreten Fall ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Die Deutsche Telekom kann in Berufung gehen und will das auch „voraussichtlich“ tun.

Diverse Anbieter schränken ihre Pauschaltarife ein. 1&1 bietet beispielsweise einen Tarif an, bei dem die Bandbreite nach dem Verbrauch von 100 Gigabyte Daten auf 1024 Kilobit pro Sekunde gedrosselt wird. Telefónica vermarktet über seine Tochter O2 ein Angebot, bei dem eine Bremse greift, wenn Nutzer in drei aufeinanderfolgenden Monaten ein Volumen von je 300 Gigabyte erreichen. Kabel Deutschland wiederum behält sich das Recht vor, Filesharing-Dienste zu drosseln, wenn ein Kunden an einem Tag mehr als 10 Gigabyte heruntergeladen hat. Alle anderen Anwendungen sind davon aber nicht betroffen.

Von

chk

Kommentare (2)

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Otto

31.10.2013, 15:29 Uhr

Kabel BW hat sogar einen Drosseltarif bei Telefon. Nach 5 Minuten wir bei mir jedes Telefongespräch unterbrochen. Seit ca. 3 Monaten vergebliche Reklamationen. In der Regel bekommt man keine Antwort. Anrufen kann man nicht, da das Gespräche oftmals sogar noch in der Warteschleife unterbrochen wird, spätestens wenn mit der Schilderung des Problems begonnen wird. Ich kann vor Kabel BW nur warnen.

EinBuerger

31.10.2013, 19:17 Uhr

"Die Deutsche Telekom kann in Berufung gehen und will das auch „voraussichtlich“ tun":
Wieso glaubt eigentlich die Telekom, dass es ein Recht geben könnte, seine Kunden zu belügen (allerdings: bei Juristen weiß man nie ...)? Soweit ich den Artikel verstanden habe, darf sie weiter drosseln, wenn sie ihren Kunden reinen Wein einschenkt.

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