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12.05.2013

12:28 Uhr

Internet-Flatrates

Telekom-Chef hat mit Kritik an neuen Tarifen gerechnet

Die seit Anfang Mai geltenden Telekom-Internettarife haben kritische Nachfragen der Politik und eine Wutwelle im Internet ausgelöst. Damit sei zu rechnen gewesen, sagt Telekom-Chef Obermann. Den Schritt verteidigt er.

Bis Ende des Jahres wird René Obermann noch die Telekom führen, dann folgt ihm der bisherige Finanzvorstand Timotheus Höttges ins Amt. dpa

Bis Ende des Jahres wird René Obermann noch die Telekom führen, dann folgt ihm der bisherige Finanzvorstand Timotheus Höttges ins Amt.

BonnTelekom-Chef René Obermann hat die Pläne des Konzerns zur Internet-Drosselung erneut verteidigt. „Wir wollen das Internet schneller machen und die Preise soweit es geht stabil halten“, sagte Obermann der „Welt am Sonntag“. In den kommenden Jahren müssten zusätzliche Milliarden Euro in das Netz investiert werden, allein sechs Milliarden Euro in den Festnetzausbau. Für die allermeisten Kunden werde sich aber nichts ändern. Vielnutzer würden aus heutiger Sicht für ihre Flatrate 2016 dann „zehn bis 20 Euro mehr zahlen“, sagte Obermann.

Mit Kritik an den Plänen sei zu rechnen gewesen. Der Konzern habe sich aber noch nicht abschließend festgelegt, wie er in drei Jahren mit Vielsurfern umgehen will. „Der Wettbewerb ist so hart, dass wir ohnehin nur das verkaufen können, was sich am Markt durchsetzen lässt“, sagte Obermann. Ziel bleibe es, Kunden zu halten und vor allem neue zu gewinnen. Flatrates werde es auch weiterhin geben.

Q&A zur Tempodrosselung der Telekom

Für wen gelten die Obergrenzen?

Zunächst einmal geht es nur um Neukunden, die einen Vertrag nach dem 2. Mai 2013 abgeschlossen haben. „Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen“, versprach die Telekom im Mai. Allerdings wird spekuliert, dass auch viele Bestandskunden von der Neuregelung betroffen sein könnten: Weil die Telekom ihr Festnetz auf die IP-Technologie umstellt, müssen Nutzer, die weiter einen schnellen Internetanschluss wollen, womöglich den Tarif wechseln – dann wären sie ebenfalls von der Drosselung betroffen. Die Telekom erklärt, dass man heute angesichts der rasanten Entwicklung der Branche nicht seriös sagen könne, welche Tarifmodelle in einigen Jahren gelten werden. Nach dem Urteil des Landgericht Köln ist aber ohnehin fraglich, ob die Geschäftsbedingungen Bestand haben.

Wer überschreitet die Datengrenze?

Das lässt sich heute mit Blick auf das Jahr 2016 schwer sagen. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf Datenvolumen von 15 bis 20 Gigabyte im Monat. Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Datenobergrenze von 75 Gigabyte, die für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 Megabit pro Sekunde (Mbit / s) gilt. Allerdings nimmt der Konsum von Online-Videos rasant zu. Neue TV-Geräte sind internettauglich, Sender bauen ihre Mediatheken aus, immer mehr Dienste bieten Streaming von Filmen und Serien an. Bis 2016 kann der Datenhunger der deutschen Haushalte also noch stark wachsen.

Wie weit kommt man mit 75 Gigabyte?

Laut Telekom reicht das neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails zum Beispiel für zehn Filme in herkömmlicher Auflösung sowie drei HD-Filme, 60 Stunden Internetradio, 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming. Wenn solche Onlinedienste insbesondere in einem Haushalt mit mehreren Personen fest zum Alltag gehören, häuft sich locker eine höhere Nutzung an. Allerdings: Der hauseigene Telekom-Videodienst Entertain zehrt nicht an dem geplanten Datenkontingent.

Was ist mit anderen Anbietern?

Nach aktuellem Stand würden die Nutzung von Entertain-Konkurrenten wie Apples iTunes-Plattform, Amazons Streaming-Dienst Lovefilm oder des ähnlichen Angebots Watchever sowie von YouTube das Inklusivvolumen verbrauchen. Bis 2016 könnten die Anbieter aber noch Partnerschaften mit der Telekom abschließen, die ihnen für gesonderte Bezahlung einen „Managed Service“ garantiert. Dienste solcher Partner tasten das Datenkontingent ebenfalls nicht an. Oder die Anbieter könnten sich zum Kampf gegen die Regelung entschließen.

Was passiert nach Ausschöpfung des Volumens?

Entweder man begnügt sich mit zwei Megabit pro Sekunde, oder man bucht mehr Datenvolumen hinzu. Die Tarife dafür wurden von der Telekom noch nicht genannt.

Gibt es noch eine echte Flatrate?

Die Telekom betont, weiterhin eine echte Flatrate anzubieten, also einen Tarif ohne jede Begrenzung. Dafür will das Unternehmen 10 bis 20 Euro Aufschlag im Vergleich zu heute verlangen – den genauen Preis legt es erst später fest.

Drosseln andere Anbieter auch?

Telekom-Konkurrent Vodafone will nicht mitziehen: „Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln.“ Auch Unitymedia Kabel Baden-Württemberg erteilte einer Drosselung eine Absage: Bereits heute könnten Datenübertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde angeboten werden, die mit wenigen technischen Anpassungen auf 400 MBit/s erhöht werden könnten.

Bei Kabel Deutschland dagegen gibt es bereits Datengrenzen, sie funktionieren aber anders als bei der Telekom. So ist ein Tages-Volumen von 10 Gigabyte vorgesehen, nach dem das Tempo gedrosselt werden kann. Derzeit passiert es aber erst ab 60 GB am Tag. Und zum Beispiel bei 1&1 gehört das Prinzip fest zum günstigsten Tarif dazu: Bis 100 GB im Monat surft man mit bis zu 16 MBit pro Sekunde, danach nur noch mit der langsamsten DSL-Geschwindigkeit von 1 MBit/Sekunde.

Die Pläne der Telekom zur Einführung einer Datenvolumengrenze fürs schnelle Internet-Surfen über den Festnetzanschluss zu Hause waren auf Kritik gestoßen. Die Begrenzung soll demnach für neue Verträge gelten, die sei dem 2. Mai abgeschlossen werden. Altverträge sollen davon unberührt bleiben. Technisch wird das ganze voraussichtlich nicht vor 2016 umgesetzt.

Von

afp

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

12.05.2013, 12:41 Uhr

Recht hat er. Wieso sollte die Telekom bereit sein Milliarden zu investieren in ein Netz, dass sie dann mit anderen teilen muss?
Da liegt der Hase im Pfeffer. Finde ich zwar persöhnlich unschön, wer aber drüber nachdenkt muss zu dem Schluss kommen, dass er Recht hat.

Account gelöscht!

12.05.2013, 14:21 Uhr

Ich finde den Schritt von der Telekom absolut in Ordnung.
Google will jetzt mit Youtube-TV in den Markt, Apple mit Apple-TV und Amazon (Kindle), Sony (Playstation) bzw Microsoft (XBox) machen viel Geld mit der Netzinfrastruktur, zahlen aber nichts dafür. Nicht u vergessen Ebay und die Banken, die ohne Netz nicht mehr funktionieren würden.

Ich würde sogar noch weiter gehen. Die Netz-Infrastruktur sollte wie eine Gewerbesteuer von den Unternehmen bezahlt werden und der Endanwender den Zugang umsonst bekommen.

Tester

12.05.2013, 15:45 Uhr

-- Wieso sollte die Telekom bereit sein Milliarden zu investieren in ein Netz, dass sie dann mit anderen teilen muss?

Die Frage ist vielmehr, für was man schnellere Netze benötigt, wenn die Benutzer durch die Drosselung ohnehin ein sparsameres Verhalten der Internet-Nutzung an den Tag legen werden.

Die Kosten für die Verwaltung der Netze sind gegenüber den bisherigen Einnahmen von Privatkunden lächerlich. Alle Konzerne mit Monopolstellung arbeiten unwirtschaftlich. Das sieht man auch bei der deutschen Bahn. Hohe Fahrpreise und vollgestopfte, ungepflegte Züge.

Es wird Zeit, dass der Gesetzgeber günstigere Funklizenzen heraus gibt, so dass die Kabel-Geschichten nicht mehr so in den Vordergrund gestellt werden können.

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