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15.04.2014

03:11 Uhr

Internet für Entwicklungsländer

Google kauft Drohnenbauer Titan Aerospace

VonMichaël Jarjour

Das Silicon Valley will hoch in die Luft: Nach Facebook hat auch Google einen Drohnenbauer gekauft. Beide haben mit ihren Zukäufen dasselbe Ziel: Internet für die mobile Kundschaft auf den Entwicklungsmärkten.

Internet für alle

Warum Google jetzt Drohnen bauen will

Internet für alle: Warum Google jetzt Drohnen bauen will

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New YorkSelbstfahrende Autos, Roboter und jetzt: Drohnen. Google hat sich das Start-up Titan Aerospace unter den Nagel gerissen, wie der Tech-Gigant am Montag bekannt gab. Den Kaufpreis gab Google nicht bekannt. Die Drohnen könnten helfen „Millionen von Menschen Internetzugang zu verschaffen und andere Problem zu lösen, wie beispielsweise Nothilfe oder die Abholzung“, so Google-Manager Tim Drinan in einer Mitteilung.

Um das rund 20-köpfige Start-up Titan Aerospace aus New Mexiko war in den vergangenen Monaten ein wahrer Interessentenwettstreit entbrannt. Auch Facebook hatte sich mit Managern von Titan Aerospace in Gesprächen befunden. Doch Google habe versprochen, jedes Angebot seines Konkurrenten zu überbieten, sagten mit der Sache vertraute Personen dem „Wall Street Journal“. Ende März gab Facebook bekannt, dass es für 20 Millionen Dollar das britische Unternehmen Ascenta gekauft hatte. Die Firma arbeitet as ebenfalls an unbemannten Flugzeugen, die mit Solarenergie betrieben werden.

Das erklärte Ziel beider Unternehmen ist es, über die Luft Internetverbindungen in Entwicklungsländer zu bringen – auch in entlegenste Orte. Internet.org heißt dabei die von Facebook angeführte Initiative mehrerer Tech-Giganten. Google schreitet derweil mit dem Projekt „Loon“ alleine voran. Es wurden bereits Tests absolviert, in denen Internetverbindungen über solarbetriebene Ballons angeboten werden.

Die Einkaufsliste von Google

DeepMind

Die neueste Errungenschaft von Google ist das britische Start-up DeepMind, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Schon seit langem wurde spekuliert, Google könnte zu Methoden der künstlichen Intelligenz greifen, um große Datenbestände besser auszuwerten. Im Januar 2014 hat der Konzern dann zugegriffen.

Motorola

Im Sommer 2011 kaufte Google für 12,5 Milliarden Dollar den Handy-Hersteller Motorola. Es war die erste große Transaktion, um Google auch im Hardware-Geschäft zu etablieren. Nach weniger als zwei Jahren stieß der Konzern das Geschäft aber wieder ab und verkaufte es an den chinesischen Elektronikhersteller Lenovo. Die meisten Patente zum Schutz seines Betriebssystems Android behielt Google indes.

Nest

Erst 2011 ging das Start-up Nest an den Start, überzeugte aber mit seinen elektronischen Haushaltsprodukten wie Thermostaten oder Rauchmeldern. Anfang 2014 schlug Google zu und verleibte sich die Firma für 3,2 Milliarden Dollar ein.

Doubleclick

Im Online-Werbemarkt ist Google ein Gigant. Um die eigene Position zu festigen, griff der Konzern im Jahr 2007 zu und kaufte für 3,1 Milliarden Dollar den Vermarktungsspezialisten Doubleclick.

YouTube

Für damals abenteuerlich erscheinende 1,65 Milliarden Dollar kaufte Google im Oktober 2006 die Online-Videoplattform YouTube. Seit Jahren ist es eine erfolgreiche Plattform zum Vertrieb von Video-Anzeigen.

Waze

Fast eine Milliarde Dollar war Google im Sommer 2013 der israelische Spezialist für Navigationssoftware Waze wert. Mit der Software können von unterwegs in Echtzeit Informationen über Verkehrsstörungen übertragen werden.

Android

Ein Beispiel für einen kleineren Zukauf mit großen folgen, war die Akquisition der Firma Android im August 2005 – für geschätzte 50 Millionen Dollar. Der Name setzte sich durch und wurde zum heute allgegenwätigen Google-Betriebssytem für mobile Geräte.

Zagat

Einer der bekanntesten Herausgeber von Restaurantführern kam im Herbst 2011 unter die Google-Fittiche. Für etwa 150 Millionen Dollar kaufte Google Zagat, eine Firma, die Nutzerkritiken zu Restaurant und Geschäften sammelte und aufbereitete. Die Informationen flossen in den Kartendienst Google Maps ein.

Boston Dynamics

Der Roboter-Hersteller sorgte im Internet für Aufsehen mit einem Roboter, der sich wie eine Katze fortbewegt – und das in respektabler Geschwindigkeit und mit großer Wendigkeit. Seit Ende 2013 gehört das Unternehmen zu Google. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Skybox Imaging

Google stärkt im Juni 2014 seine digitalen Kartendienste mit dem Kauf des Satelliten-Spezialisten Skybox Imaging, der Bilder aus dem All in hoher Auflösung erstellt. Der Preis liegt bei 500 Millionen Dollar in bar.

Facebook und Google könnten sich mit der Technik Zugang zu Millionen neuen Kunden schaffen, sagte Patrick Egan, ein Drohnenexperte und Reporter für das Fachmagazin sUAS News dem „Wall Street Journal“. „Wenn sie die technischen Hürden überwinden, könnten sie geschlossene Netzwerke für Internet- und Breitband-Verbindungen schaffen, die Milliarden über Milliarden von Dollars wert sind“, sagte Egan.

Die unbemannten Maschinen von Titan werden durch Solarenergie betrieben und können dem Unternehmen bis zu fünf Jahre lang in der Luft bleiben. Sie haben etwa die Größe eines mittelgroßen Passagierflugzeuges. Bis 2015 sollen sie für „kommerzielle Einsätze“ bereit sein.

Ein Gigabit pro Sekunde

Dann können sie nicht nur Internetverbindungen mit einer Geschwindigkeit von bis zu einem Gigabit pro Sekunde in entlegene Regionen der Erde senden. Dem Unternehmen zufolge können die Maschinen auch in Echtzeit hochauflösende Bilder zur Erde senden, was für Googles Karten- und Navigations-Dienste interessant sein dürfte.

Möglicherweise wisse Google aber auch noch nicht genau, was sie mit der zugekauften Technologie wirklich wolle, sagte Greg Sterling, Analyst bei Opus Research der Nachrichtenagentur Bloomberg: „Manche ihrer Investments sind rein spekulativ. Sie haben eine Menge Geld, das sie für Projekte ausgeben können, von denen unsicher ist, ob sie irgendwann Gewinn abwerfen.“

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